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Die Partei:"Ich bin Frischluftgegner"

Kalle Oefele, Erdinger „Die Partei“-Kreisverband

"Schwurbler-Safari Poing ": Kalle Oefele und "Die Partei" laden regelmäßig dazu ein, "Verschwörungsmystiker zu entlarven".

(Foto: privat)

Kalle Oefele von "Die Partei" spricht im Interview über die neue "Querdenker"-Konkurrenz - unter anderem bei den Donnerstagsdemos in Poing.

Interview von Thorsten Rienth

Wenn immer donnerstags in Poing gegen die Corona-Präventionsmaßnahmen demonstriert wird, kommen nicht nur "Querdenker" und Polizisten - sondern auch die Satiriker von "Die Partei" aus Erding. Warum, das erklärt Kalle Oefele, der Chef des Kreisverbands. Er ist 23 Jahre alt, studiert Soziale Arbeit in München und ist nach eigenen Angaben als "Turbopolitiker" tätig.

SZ: Ist die Corona-Lage nicht ein bisschen zu ernst, um mit Satire Politik zu machen?

Kalle Oefele: Danke für die Frage. Ich pflege darauf zu antworten: Je ernster die Lage, desto wichtiger wird Satire - um zum Kern der Probleme vorzustoßen. Erfahrungsgemäß finden wir mit dieser Herangehensweise vor allem bei denen Gehör, die für politische Kommunikation aus klassischen Floskeln kein Ohr mehr haben: die 20- bis 30-Jährigen.

Bei den "Querdenker"-Demos in Poing steht "Die Partei", also Ihr Erdinger Kreisverband, regelmäßig unter den Gegendemonstranten. Wie verhält man sich in so einer Situation als Satiriker politisch korrekt?

Das ist schon eine ziemlich ungewohnte Situation für uns: Jahrelang haben wir uns in der Satire trainiert, hatten damit sozusagen ein politisches Alleinstellungsmerkmal. Jetzt kommen die Querdenker - und kopieren unser Erfolgsmodell. Darauf mussten wir natürlich reagieren.

Wie?

Mit Ernsthaftigkeit, ausgerechnet wir. Wir haben unser übliches Demo-Programm komplett umgekrempelt. Die satirischen Redebeiträge sind nun in der Anzahl radikal reduziert, nämlich genau um die Hälfte. Wir wechseln Satire und Sachlichkeit ab und hoffen so, unsere politische Message angemessen kommunizieren zu können.

Wie schätzen Sie Ihre Erfolgsquote ein?

Da bin ich hin- und hergerissen. Manchmal kommen die Querdenker ja zu uns rüber und wollen diskutieren. Oder präziser: uns bekehren. Wenn wir dann gegenreden, bekommen die Leute sehr schnell Bluthochdruck. "Lügenpresse. Chip im Arm. Bill Gates." Wahlweise sei das Corona-Virus gar nicht existent oder nur geschaffen worden, um uns alle gefügig zu machen. Gegen dieses "Querdenker"-Standardprogramm kommen wir auch mit unserer neuen Didaktik nicht an. Das müssen wir uns selbstkritisch eingestehen.

Gibt es denn keine Lichtblicke?

Was unsere - wie es so schön heißt: Performance - angeht? Sicher! Wir versuchen der Gegenseite immer einen Schritt voraus zu sein. Mit ihrem öffentlichen Telegram-Kanal unterstützen uns die Querdenker tatkräftig dabei. Letztens gab es bei denen zum Beispiel die Diskussion, wie man uns Gegendemonstrantinnen passenderweise betiteln könnte. Ein Vorschlag war: "Frischluftgegner". Den fanden wir so gut, dass wir mit Plakaten herumliefen, auf denen stand: "Ich bin Frischluftgegner". Da haben die Querdenker ganz schön blöd geschaut.

Wie halten Sie die Motivation aufrecht, wieder und wieder nach Poing zu fahren?

Jede gute Netflix-Serie besteht aus Folgen und Staffeln. So handhaben wir die Sache auch. Aktuell befinden wir uns am Ende der dritten Staffel. Gerade planen wir den Einstieg in die vierte Staffel. Und wir motivieren uns damit, dass es in jeder Folge skurrile Einblicke in die Gegenseite gibt. Einmal kam zum Beispiel einer rüber, der bezeichnete sich als Freimaurer - und stellte immerzu eine Frage. "Wofür steht ihr? Wofür steht ihr? Wofür steht ihr?" Egal was wir geantwortet haben, er stellte sie wieder und wieder. Vielleicht ist das ein Geheimcode, den wir noch nicht kennen.

© SZ vom 19.05.2021/koei
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