Die neue Saison in VaterstettenGrund zum Feiern

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Die Rathauskonzerte 2020 widmen vor allem einem Geburtstagskind viel Aufmerksamkeit: Ludwig van Beethoven

Von Katharina Güntter, Vaterstetten

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Die Welt der Klassik hat 2020 den Geburtstag eines Stars zu feiern, einen runden noch dazu. Da lässt es sich der Gründer und Intendant der Rathauskonzerte Vaterstetten, Kurt Schneeweis, freilich nicht nehmen, Ludwig van Beethoven viel Raum in seinem Programm zu widmen. Doch obwohl der großartige Komponist der Klassik eine wichtige Rolle spielen wird, strotzt Schneeweis' Konzertreihe 2020 nur so vor Variation. "Wir wollen nicht nur klassische Abende anbieten, sondern alles ein wenig auflockern", sagt der ehemalige Musikschulleiter.

Doch nicht nur Beethoven ist Jubilar bei den Rathauskonzerten 2020: Anlässlich des 200. Geburtstags des Schriftstellers Herbert Melville wird Christian Brückner am Sonntag, 17. Mai, im Bürgerhaus Neukeferloh Ausschnitte aus dessen "Moby Dick" vortragen. Unterstützt wird er dabei von dem Ensemble Elbtonal Percussion. Die vier Schlagwerker veröffentlichten bereits eine Reihe von CDs und DVDs und konzertierten in Europa und Asien. Brückner ist Hörbuch- und Synchronsprecher, er lieh unter anderem schon Robert De Niro seine Stimme. Seit 2002 betreibt er seinen eigenen Hörbuchverlag.

Die Lesungen im Rathauskonzertprogramm sind laut Schneeweis immer sehr beliebt. Als es mal keine solcher Vorstellungen im Programm gab, sei er häufig nach dem Grund gefragt worden. "Ich versuche nun immer, an die zwei Literatur- und Musikabende im Programm zu haben." Der Zweite der kommenden Saison findet statt am Sonntag, 11. Oktober, im Bürgerhaus Neukeferloh. Mit Rezitation und kammermusikalischem Jazz bringen Schauspieler August Zirner und Bassist Sven Faller dem Publikum"Transatlantische Geschichten" näher. Zirner ist einem breiten Publikum aus mehr als 120 Kino- und Fernsehfilmen bekannt, Faller etablierte sich nicht nur als Komponist, sondern auch als Autor und Geschichtenerzähler.

Ebenso zu den eher außergewöhnlichen Abenden der Rathauskonzertreihe 2020 gehört das "Concerto Grande" von Quadro Nuevo und Harmonic Brass am Samstag, 11. Juli. Mit Balkan-Fegern, Säbeltänzen, Arabesken, dem "Bolero" von Ravel und heroischen Melodien spüren die Musiker am Reitsbergerhof dem Eroberungsdrang Alexanders des Großen oder dem Mythos des Jason nach. Quadro Nuevo gab seit 1996 mehr als 2700 Konzerte unter anderem in Sidney, Montreal, Istanbul, Mexiko City, New Orleans, Singapur oder Tel Aviv. Das Quartett wurde mehrfach mit dem Echo-Jazz ausgezeichnet. Harmonic Brass konzertierten bereits in der Carnegie Hall New York, am Arts Center Seoul, der Endler Hall Kapstadt und im Gewandhaus Leipzig. Die Musiker sind international als Dozenten tätig und versorgen Kinder in Südafrika mit Blechblasinstrumenten.

Das Aris Quartett spielt Mozart, Beethoven und Schostakowitsch.
Das Aris Quartett spielt Mozart, Beethoven und Schostakowitsch. Simona Bednarek

Begonnen wird die 42. Saison im Neujahrskonzert aber mit einer Mischung von Barock bis Folklore: Andrei Gorbatschow, Natalia Anchutina und Lothar Freund spielen Balalaika, Domra und Klavier. Der Russe Gorbatschow konzertierte bereits vor der englischen Königin, in Asien, Amerika und Europa und ist ein viel gefragter Juror bei internationalen Wettbewerben. Große Erfolge kann auch Anchutina, Expertin für das russische Lauteninstrument Domra, aufweisen: Sie wurde mit dem ersten Preis des wichtigsten internationalen Wettbewerbs "Grand Prix" ausgezeichnet. Hinzu kommt der deutsche Pianist Lothar Freund, der bereits beim Tokio-Classic-Festival und beim Bayerischen Rundfunk auftrat. Die drei Musiker bieten am Sonntag, 12. Januar, im Seniorenwohnpark ein breites Programm aus italienischen, spanischen, russischen, amerikanischen und belgischen Werken.

Stücke bestens bekannter Komponisten sind vom Aris Quartett und dem renommierten Pianisten Matthias Kirschnereit am Sonntag, 29. März, im Seniorenwohnpark zu hören. Gespielt werden Mendelssohn Bartholdy, Beethoven und Schumann. Anna Katharina Wildermuth (Violine), Noëmi Zipperling (Violine), Caspar Vinzens (Viola) und Lukas Sieber (Violoncello) gründeten ihr Streichquartett 2009 in Frankfurt am Main, der Name setzt sich aus den Endbuchstaben der Vornamen der Musiker zusammen. Das Ensemble konzertierte inzwischen in London, San Francisco und Berlin. Kirschnereit wurde von der SZ als "Poet am Klavier" bezeichnet. Seine Erfahrung und seine künstlerischen Ideale gibt er als Professor in Rostock weiter, darüber hinaus engagiert er sich für die Initiativen "Rhapsody in School" und "Tonali".

Auch der Pianist Ronald Brautigam huldigt Beethoven: Bis zu dessen 250. Geburtstag im kommenden Jahr plant der Niederländer die Aufnahme aller Klavierkonzerte des Jubilars. Der Musikhochschulprofessor ist zudem einer der wenigen weltweit, die sowohl auf dem Hammerklavier als auch auf modernen Instrumenten konzertieren. Am Sonntag, 26. April, spielt Brautigam im Seniorenwohnpark überdies Werke von Mozart, Schubert und Schumann.

Klassisch wird es auch am Sonntag, 28. Juni, im Seniorenwohnpark: Das Trio Danuvius, entstanden 2016 aus Orchestermitgliedern der Nationaloper in Oslo, musiziert mit Pianist Gerold Huber. Auf dem Programm stehen das Klavierquartett Nr.2 Es-Dur von Mozart, der Klavierquartettsatz a-Moll von Mahler und das Klavierquartett Nr.3 c-Moll op. 60 von Brahms. Huber studierte in München und gewann 1998 den "Prix International Pro Musicis". Er gibt ausgewählte Meisterklassen an der University of Yale und ist Professor für Liedbegleitung in Würzburg.

Auch das Dresdner Streich Trio bringt klassische Werke zu Gehör. Der Violinist Jörg Faßmann erhielt seinen ersten Geigenunterricht bereits im Alter von fünf Jahren, nun ist er internationaler Preisträger. Sebastian Herberg war drei Jahre lang Solobratscher des Konzerthaus Orchesters Berlin, als Solist und Kammermusiker spielt er im In- und Ausland. Den Violoncellist Michael Pfaender führten Gastspiele mit diversen Orchestern durch Europa, Asien und die USA. Das Trio präsentiert am Sonntag, 13. September, im Seniorenwohnpark das Streichtrio Es-Dur op. 3 von Beethoven und das Divertimento Es-Dur von Mozart .

Kurt Schneeweis (Mitte), Bürgermeister Georg Reitsberger und Janina von Rhein, verantwortliche Mitarbeiterin im Rathaus, präsentieren das Programm.
Kurt Schneeweis (Mitte), Bürgermeister Georg Reitsberger und Janina von Rhein, verantwortliche Mitarbeiterin im Rathaus, präsentieren das Programm. Gemeinde/oh

Das letzte Streichkonzert in der Konzertreihe 2020 gibt Miriam Contzen. Die deutsch-japanische Geigerin leitet seit 2005 das auf ihre Initiative hin gegründete internationale Musikfestival in Schloss Cappenberg. Für ihre Aufnahmen erhielt sie den Echo-Klassikpreis, seit 2016 ist sie Professorin in Berlin. Begleitet wird Contzen von Pianist Bernd Glemser. Dieser konzertierte bereits in der Philharmonie Berlin, beim Musikverein Wien und in der Royal Festival Hall London. Er erhielt das Bundesverdienstkreuz und den Kulturpreis Bayern. Das Programm am Sonntag, 15. November, im Seniorenwohnpark besteht aus Sonaten und Sonatinen von Schubert, Brahms, Beethoven und Strauss.

Nicht das erste Mal in Vaterstetten zu Gast ist das Delian-Quartett. Namenspatron des Ensembles ist der griechische Gott Apollon, der auch Delian genannt wird. Adrian Pinzaru (Violine), Andreas Mosch (Violine), Lara Albesano (Viola) und Hendrik Blumenroth (Violoncello) spielen seit 2007 zusammen, sie waren bereits in ganz Europa und in Afrika zu hören. Zudem wurden ihnen diverse Uraufführungen zugeeignet, unter anderem von Aribert Reimann. In Vaterstetten musiziert das Delian-Quartett mit Benedetto Lupo. Der italienische Pianist arbeitete bereits mit dem Tokyo String Quartett, dem Los Angeles Philharmonic sowie dem Chicago Symphony Orchestra und dem Nationalorchester Madrid zusammen. Inzwischen lehrt er an der Accademia Santa Cecilia in Rom und wurde 2015 als deren "Accademico" ausgezeichnet. Am Sonntag, 16. Februar, erklingen im Seniorenwohnpark Werke von Bach, Poulenc, Arthur Honegger, Alfredo Casella, Nino Rota und Alfred Schnittke.

Die meiste Aufmerksamkeit aber wird dem Jubilar Beethoven wohl im "Konzert für Kinder"am Freitag, 31. Januar, im Bürgerhaus Neukeferloh zuteil. Der Münchner Cellist Heinrich Klug, der nicht zum ersten Mal in Vaterstetten zu Gast ist, rief 1977 eine Konzertreihe für Kinder ins Leben und erhielt dafür unter anderem das Bundesverdienstkreuz und den Tassilo-Preis der SZ. Mittlerweile war er mit dem Format schon in Israel, England und Japan zu erleben. Neben Ausschnitten aus Sinfonien und anderen Werken Beethovens gibt es ein Instrumentenquiz. Es wirken mit Mitglieder und Akademisten der Münchner Philharmoniker sowie Preisträger von "Jugend musiziert".

© SZ vom 13.12.2019 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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