bedeckt München
vgwortpixel

Der Sport im Ort:Das K in Klostersee

Seit knapp drei Jahren lenkt Sascha Kaefer als erster Vorsitzender die Geschicke beim Grafinger Eishockeyverein und versucht, diesen sportlich wie finanziell wieder auf gesunde Beine zu stellen. Der EHC ist für ihn eine Herzensangelegenheit, seine zweite Familie

Schon als Siebenjähriger spielte Sascha Kaefer in der Jugendmannschaft mit, nur einmal hat er sich in seiner aktiven Laufbahn ein anderes Trikot übergestreift.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Es gibt diese Namen, die untrennbar mit einem Sportverein verbunden sind. Hoeneß und der FC Bayern wäre da so ein Beispiel. In Grafing existiert ebenfalls eine solche Beziehung: Kaefer und der EHC Klostersee. Sascha Kaefer ist dort schon sein ganzes Leben lang aktiv, seit knapp drei Jahren sogar als Vorsitzender. Dass es früher oder später so kommen würde, ist nicht weiter verwunderlich. Schließlich waren es eben jene Kaefers, die Eishockey überhaupt erst nach Grafing gebracht haben. Entsprechend verbunden ist der EHC-Chef mit dem Verein - eine Beziehung, die aber auch ihre Schattenseiten hatte.

"Ich bin sozusagen in die Schlittschuhe hineingeboren", sagt der 53-jährige Brandschutz-Sachverständige. Er sitzt neben Vater Alexander an seinem Stammplatz im Vereinsrestaurant Aquarium und erzählt über seine Anfänge beim EHC. Sein Vater habe dabei natürlich eine große Rolle gespielt. Der heute 81-Jährige hat das Eishockeyspielen noch in Garmisch-Partenkirchen unter amerikanischer Besatzung für sich entdeckt, nach dem Umzug der Familie mit nach Grafing genommen - und dort an den Junior weitergegeben. Heute sagt dieser: "Eishockey ist der geilste Sport der Welt."

Er spielte sogar in der Jugendnationalmannschaft

Mit sieben Jahren hat Sascha Kaefer in der Nachwuchsmannschaft des EHC Klostersee begonnen und sich dort mit vielen älteren Spielern gemessen. Für den Bub kein Problem, hatte er doch "unter professioneller Anleitung Schlittschuhlaufen gelernt". Papa Alexander hört seinem Sohn zu und schmunzelt. Die gute Ausbildung hat sich schnell bezahlt gemacht. Über die Knaben- und Schülerteams des EHC schaffte Kaefer den Sprung in die Bayerische Auswahl und sogar in die Jugendnationalmannschaft. Dort jagte er unter anderem mit den späteren Profis Uwe Krupp und Peter Draisaitl dem Puck hinterher.

Mit nur 17 Jahren rückte Kaefer dann auch in die erste Mannschaft der Grafinger hoch - und dort erlebte er die sportlich erfolgreichste Zeit des EHC hautnah mit. "Der Teamgeist bei uns war einfach super und es sind wahnsinnig viele Leute zu unseren Spielen gekommen", erinnert sich der heutige Vorsitzende. Und so hat es der Dorfverein aus dem vergleichsweise beschaulichen Grafing bis in die zweite Bundesliga geschafft. Wie Kaefer auch, sind viele der damaligen Spieler dem Verein treu geblieben. James Quinlan etwa trainiert heute die erste Mannschaft.

Einmal hat sich Kaefer dann aber doch ein anderes Trikot übergestreift. Zum Ende seiner aktiven Laufbahn hat er vier Jahre in Miesbach in der Oberliga gespielt. "Das hat damals mit meinen Studium zeitlich besser gepasst. Aber man ist dem EHC ja trotzdem verbunden geblieben." Und so kehrte Kaefer nach kurzer Auszeit als Jugendtrainer nach Grafing zurück. Dort machte er es sich zur Aufgabe, wieder mehr Kinder für den Eishockey-Sport zu begeistern. "Mir war klar, wenn wir wieder mehr Nachwuchs haben wollen, dann muss das Angebot umsonst sein und die Kinder sollen möglichst viel Spaß bei der Sache haben." Sein Engagement im Nachwuchshockey brachte Kaefer zunächst den Posten des Jugendleiters ein, ehe er als dritter Vorsitzender in die Klubführung wechselte.

In der Krise vor knapp drei Jahren übernahm er das Ruder

Vor knapp drei Jahren hätten dann aber Sascha Kaefers Laufbahn sowie der EHC Klostersee an sich fast ein jähes Ende gefunden. Der Verein war tief in die roten Zahlen gerutscht und musste sich sportlich von der Oberliga in die Bezirksliga - die niedrigste Klasse im bayerischen Eishockey - zurückziehen. Zudem stellte sich Alexander Stolberg nach 14 Jahren nicht mehr als Präsident zur Wahl. Während der Vater Eishockey viele Jahre zuvor nach Grafing gebracht hatte, war es nun der Sohn, der den Sport in der Gemeinde am Leben hielt.

"Eigentlich wollte ich damals aufhören, aber alle im Verein haben gesagt, dass ich das doch nicht machen kann", erinnert sich Kaefer. Schließlich hat er sich doch dazu entschlossen, das Amt des Vorsitzenden zu übernehmen. "Ich hätte es nicht übers Herz gebracht, dass der Verein stirbt." Kaefer legte für den EHC aber klare Vorgaben fest: Schulden abbauen und keine neuen mehr machen. Schlaflose Nächte habe er zu der Zeit gehabt, sagt Sascha Kaefer heute. Aber die Anstrengungen haben sich gelohnt.

Inzwischen ist der Verein sportlich wieder auf die Beine gekommen. Nach den direkten Aufstiegen in Bezirks- und Landesliga, steht der EHC kurz vor dem Einzug in die Verzahnungsrunde der Bayernliga. Den Spielern macht Kaefer dafür ein Riesen-Kompliment. "Die haben den Verein in dieser Zeit nicht im Stich gelassen, sondern sich stattdessen den Arsch aufgerissen, um wieder nach oben zu kommen." Auch finanziell ist man dem Vorsitzenden zufolge wieder auf einem guten Weg. In Grafing will man deshalb nicht mehr durch Spielerkäufe den Erfolg erzwingen, sondern verstärkt auf den eigenen Nachwuchs setzen.

Einer dieser "jungen Wilden" ist Raphael Kaefer, der inzwischen zur absoluten Stammkraft im Kader der Ersten geworden ist. Er ist Sascha Kaefers ältester Sohn und hat die Leidenschaft für den Sport von seinem Papa geerbt. Auch Tochter Valentina stand lange für den EHC als Torhüterin auf dem Eis. Nur Michi, der jüngste Spross, ist bisher gegen den EHC-Virus resistent geblieben. Für seinen Papa ist das aber kein Problem. "Auch wenn Eishockey unglaublich viel Spaß macht, es gibt auch noch andere Dinge im Leben."

Der EHC Klostersee rangiert mit 38 Punkten nach 23 Spielen auf Platz fünf der Tabelle (das Spiel vom Freitagabend gegen Landsberg war bei Drucklegung der Zeitung noch nicht beendet). Zwei Partien stehen in der Bayernliga-Hauptrunde noch auf dem Programm: an diesem Sonntag auswärts in Schongau und am 6. Januar zu Hause gegen die Black Hawks aus Passau. Die besten acht Teams ziehen in die Verzahnungsrunde ein.