Demokratieworkshop in GrafingSpielregeln einer Gesellschaft

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Was Demokratie eigentlich bedeutet, können alle Interessierten im Rahmen eines Workshops in Grafing lernen.
Was Demokratie eigentlich bedeutet, können alle Interessierten im Rahmen eines Workshops in Grafing lernen. Peter Hinz-Rosin

Auch heuer soll es wieder eine Demokratiekonferenz im Landkreis Ebersberg geben. Der Kreisjugendring lädt zum Diskutieren, Lernen und Philosophieren ein

Von Jonas Braun, Ebersberg

Demokratie ist mehr als nur eine Mehrheitsentscheidung, mehr als einfach nur wählen zu gehen. Das will die Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Ebersberg dieses Jahr auf der insgesamt dritten Demokratiekonferenz vermitteln. Nachdem die Konferenz vergangenen Sommer unter dem Motto "Cartoons gegen Rechts" gut angenommen wurde, soll heuer daran angeknüpft werden. Wenn die Corona-Regeln es weiterhin erlauben, wird sie - anders als die letzte - sogar wieder in Präsenz stattfinden.

Die Demokratiekonferenz soll im Rahmen einer Veranstaltungsreihe zu den Tagen der Demokratie am 30. September in dem Gebäude der Caritas in Grafing abgehalten werden. "Die Tage der Demokratie sind dafür da, gemeinsam über Demokratie zu diskutieren, zu lernen und zu philosophieren", erklärt Julia Bissinger. Die 27-Jährige ist zusammen mit Clemens Scheerer die Koordinierungs- und Fachstelle der Partnerschaft. "Wir sind eine der vier Säulen der Partnerschaft und kümmern uns vor allem um die Vernetzungsarbeit", sagt Scheerer. Der Kreisjugendring Ebersberg ist seit 2019 Träger des Projekts Partnerschaft für Demokratie im Bundesprojekt "Demokratie leben". In diesem Rahmen findet auch die Demokratiekonferenz statt, sie ist also keine eigene Erfindung der Veranstalter, sondern Teil eines bundesweiten Programms. Obwohl der Kreisjugendring der Träger des Projekts ist, sind nicht nur Jugendliche eingeladen. "Letztes Jahr hatten wir fast sogar mehr erwachsene Teilnehmer dabei", erzählt Bissinger, "Die Konferenz ist relevant für alle zivilgesellschaftlichen Akteure, egal ob alt oder jung."

Die Tage der Demokratie werden vom 30. September bis zum 11. Oktober stattfinden und auch die bundesweite "Lange Nacht der Demokratie" am 2. Oktober miteinschließen. Diese hätte zu Ehren des 30. Jahrestages des Tages der Deutschen Einheit eigentlich 2020 stattfinden sollen, wurde aber wegen der Pandemie auf dieses Jahr verschoben. Wie wird die Demokratiekonferenz also dieses Jahr aussehen? "Wir werden zwei getrennte Teile haben", erklärt Scheerer. "Erst werden wir gemeinsam das interaktive Demokratiespiel Quararo spielen und das Gelernte dann im Anschluss reflektieren und diskutieren." Mit Hilfe des Spiels soll versucht werden, wichtige Inhalte zu vermitteln und abstrakte Konzepte greifbar zu machen. "Es geht um Demokratiebildung durch Demokratiepraxis", erklärt Bissinger, man probiere an einem bestimmten Beispiel aus, was Demokratie überhaupt heißt. Nach einer allgemeinen thematischen Einführung wird sich das Spiel vor allem um das Modul Bürgerbeteiligung drehen. Das sei vor dem Hintergrund der Bundestagswahl vom 26. September besonders aktuell, sagt Bissinger. Die Teilnehmenden werden dann zusammen demokratische Entscheidungsformen spielerisch in einem thematischen Umfeld lernen, üben und ausprobieren.

Für die Partnerschaft für Demokratie ist vor allem die Diskussion im Anschluss an das Spiel wichtig, da sie dann erfahren, wo sie mit ihrer Arbeit anknüpfen können und welche Themenschwerpunkte dem Landkreis momentan wichtig sind. "Deshalb wird es auch eine professionelle Spielführung geben", erklärt Scheerer, "wir wollen keine eigene Färbung miteinbringen." Die anschließende Diskussion werden die beiden dann gemeinsam moderieren, um die Ergebnisse auf den Landkreis zu übertragen. "Das hat uns in den letzten Jahren sehr geholfen, damit wir nicht ins Leere arbeiten", sagt der 33-Jährige. Bei der ersten Konferenz wurde zum Beispiel festgestellt, dass man vor allem in Schulen und bei jungen Menschen Demokratieförderung betreiben müsste. "Das haben wir dann auch in Form von Ausstellungen in mehreren Schulen im Landkreis umgesetzt."

Ein weiteres aktuelles Projekt der Partnerschaft ist eine groß angelegte Jugendumfrage, mit der herausgefunden werden soll, was die Jugend des Landkreises beschäftigt und was für Bedürfnisse vorhanden sind. "Damit wollen wir eine wichtige Rückmeldung für unsere Arbeit erhalten", sagt Bissinger. Da es sich bei der Partnerschaft um ein Bundesprogramm handelt, bekommt sie finanzielle Unterstützung in Form von Fördergeldern. Falls also Interesse für gemeinsame Projekte besteht, freue sich die Partnerschaft immer helfen und unterstützen zu können, erzählt Bissinger.

Interessierte können sich unverbindlich bis 29. September anmelden. "Wir freuen uns darauf, möglichst viele verschiedene Leute zusammenzubekommen", sagt Julia Bissinger. "Jeder wird von der Konferenz etwas Wichtiges für sich mitnehmen können, auch wenn er die Partnerschaft vielleicht noch nicht kennt."

© SZ vom 09.09.2021 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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