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Demo in Ebersberg:Friseure fordern Frisuren

(Foto: Christian Endt)

50 Demonstranten setzen sich in Ebersberg für die Öffnung ein

Von Korbinian Eisenberger, Ebersberg

In der Kreisstadt Ebersberg haben sich am Montagabend etwa 50 Friseure aus der Region zu einer Demonstration getroffen. "Wir demonstrieren heute leise, denn wir wollen, dass wir wieder arbeiten dürfen", erklärte die Grafinger Ladenbesitzerin Uschi Elze in einem Statement. Elze hatte öffentlich zu der Kundgebung aufgerufen. Bei den Teilnehmern der Demo gehe es um die wirtschaftliche Existenz, erklärte Elze. "Fördergelder die uns versprochen worden sind, kann man bis heute gar nicht beantragen."

Die Demonstranten kamen mit Hockern aus ihren Friseursalons, Haarschneide-Werkzeug und Lichtern. Die Symbolik solle "ein Mahnmal" darstellen, so Elze, damit "die Leute mitkriegen, dass es uns schlecht geht". Unter den Augen des Ebersberger Polizeichefs Ulrich Milius hielten sich die Demonstranten offenbar an die Abstandsregeln, sämtliche Teilnehmer trugen Schutzmasken. Polizeichef Milius musste nicht eingreifen.

Mitorganisator Ludwig Bitto, der einen Barbershop in Grafing betreibt, ergriff ebenfalls das Wort. Er erklärte, dass er und Elze von der Friseurinnung Regensburg zur Demo inspiriert worden seien. Die Innung habe öffentlichwirksam deutlich gemacht, dass Friseure "keine finanziellen staatlichen Förderungen bekommen", somit habe "die Regensburger Innung damit begonnen, eine Veranstaltung und Demonstration zu organisieren".

Anders als einige Läden aus dem Einzelhandel, die im Lockdown das sogenannte "Click and Collect"- System eingeführt haben, könnten Friseure auf kein alternatives Einkommensmodell zurückgreifen. Das Konzept, wonach Kunden im Internet Ware vorbestellen und zur späteren Abholung im Geschäft reservieren, ist für Friseure nicht umsetzbar: "Wir sind auf Menschenkontakt angewiesen", sagte Elze.

Mit dem alleinigen Versprechen auf finanzielle Unterstützung vom Staat würden sich viele Friseure zurzeit von der Regierung im Stich gelassen fühlen, wie Elze bereits in den Tagen vor der Demo erklärte: Die Hilfen kämen oft erst spät und mit großem Vorlauf an. Gemeinsam mit einem befreundeten Inhaber eines anderen Haarsalons aus Grafing plant Elze nun in einem Brief einen Appell an die Regierung zu richten.

© SZ vom 20.01.2021
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