Süddeutsche Zeitung

Debatte:Funkmast neben Kunstwerk

Poings Gemeinderat will den 25 Meter hohen Sender auch im zweiten Anlauf nicht genehmigen. Nützen wird das aber wahrscheinlich wenig

Von Barbara Mooser, Poing

Bürgermeister Albert Hingerl (SPD) scheut nicht vor großen Vergleichen zurück: Eine ähnliche Bedeutung wie der Eiffelturm für Paris habe das Kunstwerk im Kreisverkehr am Ortseingang von Poing für seine Gemeinde, sagte er am Dienstag im Bauausschuss. Entsprechend ungehalten sind Bürgermeister und Gemeinderäte darüber, dass in unmittelbarer Nähe dieser Skulptur nun ein Funkmast aufgestellt werden soll, und zwar noch dazu ein besonders hässlicher, 25 Meter hoher Stahlgittermast. Zustimmen will der Poinger Gemeinderat da nicht, verhindern wird er das Bauwerk indes nicht können, das hat das Landratsamt bereits klar gemacht.

Denn bei Funkmasten, die die Versorgung mit Telekommunikationsdienstleistungen sicherstellen, handelt es sich um so genannte privilegierte Vorhaben. Diese müssen genehmigt werden, wenn nicht öffentliche Belange dem entgegen stehen. Ähnlich behandelt werden beispielsweise land- und forstwirtschaftliche Vorhaben, auch gegen sie haben Gemeinden in der Regel keine Handhabe.

Im Fall des Poinger Funkmasts hat sich der Gemeinderat aber bereits in der Vergangenheit widerspenstig gezeigt. Schon im Juli 2016 verweigerte der Bauausschuss einstimmig sein Einvernehmen. Man wünsche sich einen für das Ortsbild verträglicheren Standort, hieß es. So wurde der Antrag auch zum Landratsamt weitergegeben, das für die endgültige Genehmigung zuständig ist. Weil der Bauantrag zum damaligen Zeitpunkt nicht vollständig war, zog sich alles etwas hin, parallel suchte der Mobilfunkanbieter gemeinsam mit Vertretern der Gemeinde Poing nach alternativen Standorten - ohne Erfolg. Auch die Idee, den Funkmast etwas schöner zu gestalten, ihn gewissermaßen zu einem eigenen Kunstwerk zu machen, lässt sich offenbar nicht realisieren.

Weshalb nun das Landratsamt den Poinger Bauausschuss aufgefordert hat, nochmals über den Antrag zu entscheiden. Klar gemacht hat die Behörde, dass es für den Fall, dass die Poinger störrisch bleiben, das gemeindliche Einvernehmen ersetzen wird - das Vorhaben also auch gegen den Willen des Gemeinderats genehmigt. "Wir sind wie ein Tiger, der nicht beißen kann", kommentierte Bärbel Kellendorfer-Schmid (SPD) den Vorgang. Optisch sei der Turm "ein Desaster"; es gebe wenig Standorte, die so wenig geeignet seien wie dieser. Ähnlich sahen das die meisten Ausschusskollegen, nur Wolfgang Spieth (FDP) merkte an, dass "der ästhetische Gesichtspunkt kein besonders gutes Argument" sei angesichts dessen, wie sich die Ortseinfahrt heute darstelle.

Hier widersprach der Bürgermeister entschieden: Es gebe den Anspruch, dass sich die Poinger mit der Skulptur identifizieren könnten, eine Mini-Version verschenke man auch an besondere Ehrengäste der Gemeinde. Insofern bleibe er bei seinem klaren Nein gegen den Funkmast in der Nähe, auch wenn er wisse, dass die Rechtslage anders sei, sagte Hingerl. Letztlich verweigerten erneut alle Ausschussmitglieder die Zustimmung für den Mast.

Das Kunstwerk, das in nach unten abfallenden Buchstaben den Schriftzug "Poing" darstellt, ist seit 2008 im Kreisverkehr aufgestellt. Die 4,50 Meter hohe Edelstahlskulptur wurde von dem aus Bruckberg bei Landshut stammenden Bildhauer Reinhard Köppel geschaffen. Auch nachts ist sie zu sehen, weil sie durch Bodenstrahler illuminiert wird.

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Quelle:
SZ vom 30.11.2017
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