Krisensitzung in Zorneding CSU-Funktionäre treten nach rassistischer Hetze zurück

  • Sylvia Boher, CSU-Vorsitzende in Zorneding, und ihr Stellvertreter Johann Haindl treten von ihren Ämtern zurück.
  • Die beiden haben durch rechtspopulistische Äußerungen (Boher) und zuletzt durch die Bezeichnung eines Pfarrers als "Neger" (Haindl) für heftige Spannungen in der CSU gesorgt.
  • Die SPD im Bayerischen Landtag fordert nun von Ministerpräsident Horst Seehofer den Parteiausschluss von Boher und Haindl.
Von Karin Kampwerth und Stefan Simon

Sie tritt zurück: Sylvia Boher, Vorsitzende der CSU in Zorneding, zieht die Konsequenz aus dem Skandal um ihre rechtspopulistischen Äußerungen im Parteiblatt Zorneding Report. Sie hatte gegen Flüchtlinge gehetzt, über die Hilfsbereitschaft vieler Deutscher geschimpft und auch über Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck hergezogen.

Auch Johann Haindl, Bohers Stellvertreter, stellte sein Amt zur Verfügung. Der CSU-Ortsvorstand nahm nach einer dreieinhalbstündigen Aussprache beide Rücktritte an. Komissarisch wird Jutta Sirotek den Ortsverband bis zur turnusgemäße Jahreshauptversammlung im kommenden Frühjahr leiten. Sirotek ist auch Vorsitzende des Katholischen Kreisbildungswerkes.

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Ein rechtspopulistischer Artikel und eine rassistische Beleidung: Die fremdenfeindlichen Entgleisungen des Ortsverbands Zorneding suchen ihresgleichen. Nun gibt es wohl Konsequenzen.   Von Karin Kampwerth

Landrat Robert Niedergesäß und CSU-Kreisvorsitzender Thomas Huber hatten Boher den Rücktritt nahegelegt, nachdem sich auch noch ihr Vize Johann Haindl eine Entgleisung geleistet hatte. Haindl hatte den Zornedinger Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende, der aus Kongo stammt, als "Neger" bezeichnet und gewarnt, er müsse "aufpassen", dass ihm der Altpfarrer "nicht mit dem nackerten Arsch ins Gesicht springt".

Landtags-SPD fordert Parteiausschluss von Boher und Haindl

Die SPD im Landtag forderte Ministerpräsident Horst Seehofer am Montag "zum harten Durchgreifen" auf. Für Florian Ritter, den Sprecher für die Bekämpfung des Rechtsradikalismus, steht fest: "Seehofer muss jetzt ein Machtwort sprechen und diese Personen schnellstmöglich aus der CSU werfen." Alles andere wäre ein "Freibrief für Rechtspopulisten und braune Rattenfänger". Die Bezirksvorsitzende und bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner, die sich bis zu diesem Dienstag auf einer Delegationsreise in Iran befindet, hält Ritter für überfordert in der Angelegenheit.

Dem Rücktritt Bohers war eine stundenlange kontrovers geführte Debatte vorangegangen. Die Zornedinger CSU hatte sich am Montagabend um 20 Uhr zu einer Sondersitzung getroffen. Beobachter hatte die Partei nicht zugelassen. Um 23:45 Uhr erfuhr die SZ von Bohers Rückzug.

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