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CSU verpasst Mehrheit:Zweite Runde

SPD-Landratskandidat Ernst Böhm erzielt für seine Partei ein historisches Ergebnis und zwingt den favorisierten CSU-Bewerber Robert Niedergesäß in die Stichwahl

Grafik Landratswahl

Die CSU hat bei der Landratswahl am Sonntag die absolute Mehrheit verfehlt.

(Foto: privat)

Es ist eine Premiere: Erstmals werden die Bürgerinnen und Bürger im Landkreis Ebersberg in einer Stichwahl entscheiden, wer neuer Chef im Landratsamt wird. Der Vaterstettener Bürgermeister Robert Niedergesäß (CSU) verpasste mit 47,96 Prozent der Stimmen die absolute Mehrheit. Ernst Böhm von der SPD kam auf 32,18 Prozent - das beste Ergebnis der Sozialdemokraten bei einer Landratswahl überhaupt. Nicht mithalten konnten die beiden anderen Bewerber: Reinhard Oellerer (Grüne) erhielt 10,65 Prozent der Stimmen, Toni Ried von den Freien Wählern 9,22 Prozent. Enttäuscht zeigten sich Vertreter aller Parteien von der extrem niedrigen Wahlbeteiligung: Nur 42,45 Prozent der Wahlberechtigten gingen zur Abstimmung - bei den Kommunalwahlen 2008 waren es immerhin 63,20 Prozent gewesen. Die Stichwahl findet am 28. April statt.

CSU-Kandidat Robert Niedergesäß zeigt sich trotz des Wahlergebnisses gelassen.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

CSU-Bewerber Robert Niedergesäß gab sich am Wahlabend gelassen: "Bei vier Kandidaten und einer Neuverteilung des Amtes war mit einer Stichwahl zu rechnen." In den vergangenen Jahrzehnten hatten sich indes die CSU-Bewerber selbst gegen drei oder vier im ersten Wahlgang durchgesetzt. Die SPD schnitt hingegen diesmal deutlich stärker ab als bei den Landratswahlen in der Vergangenheit - allerdings hatte Böhm auch einen extrem aufwendigen Wahlkampf betrieben und sich dabei auch um eher konservative Wähler bemüht. Es hatte sich daher in den vergangenen Wochen abgezeichnet, dass es am Ende auf einen Zweikampf zwischen ihm und Niedergesäß hinauslaufen würde. Böhm war als Überraschungskandidat der SPD ins Rennen gegangen. Bis vor wenigen Monaten war er im Landkreis fast unbekannt gewesen, ein kommunalpolitisches Amt hatte er bisher nicht bekleidet. Dafür war der 55-jährige Grafinger als Unternehmer erfolgreich. Zuletzt hat er unter anderem das Kasernengelände in Bad Aibling entwickelt.

SPD-Bewerber Ernst Böhm kann sich noch Hoffnungen machen, bald neuer Chef im Landratsamt zu werden.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Der Wahlabend geriet für alle, die die Auszählung am heimischen Computer oder bei einer kleinen Party im Foyer des Landratsamts live verfolgen, höchst spannend. Gleich in der ersten ausgezählten Gemeinde - Aßling - gab es eine Mehrheit für Ernst Böhm, danach hatte zwar Robert Niedergesäß deutlich die Nase vorn, doch eine absolute Mehrheit schien lange unwahrscheinlich zu sein. Als Vaterstetten, die Heimatgemeinde des CSU-Bewerbers, ausgezählt war, schien die Sache dann allerdings schon klar zu sein. Hier erhielt Niedergesäß so viele Stimmen, dass er in der Zwischenbilanz deutlich über 50 Prozent rutschte. Doch auch dieses Ergebnis hielt sich nicht: Weil Ernst Böhm in Ebersberg und seiner Heimatstadt Grafing sehr gut abschnitt, rutschte Niedergesäß wieder unter die magische Marke - und das Ergebnis aus der letzten ausgezählten Gemeinde - Markt Schwaben - änderte daran nichts mehr.

Mit Spannung verfolgen die Parteifreunde der Kandidaten, hier CSU-Landtagsabgeordnete Christa Stewens, die Auszählung.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Der SPD-Kandidat kommentierte das Ergebnis mit Ironie: "Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich im ersten Wahlgang gewinne", sagte Ernst Böhm nach Ende der Auszählung. Doch das eigene Abschneiden mache Mut für die Stichwahl - die dann hoffentlich mehr Menschen motivieren werde, ins Wahllokal zu gehen. Robert Niedergesäß zeigte sich zuversichtlich, die fehlenden zwei Prozentpunkte an Wählerstimmen am 28. April für sich zu gewinnen. Immerhin lägen zwischen ihm und Böhm 16 Prozent, so Niedergesäß. Er werde mit großem Schwung weiter für sich werben.

Grünen-Kandidat Reinhard Oellerer (mitte) lobt das Ergebnis der SPD als "beachtlich". Ob seine Partei in der Stichwahl Ernst Böhm unterstützen will, haben die Grünen aber noch nicht entschieden.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Ob es von den unterlegenen Kandidaten Wahlempfehlungen für den einen oder anderen Bewerber in der Stichwahl geben wird, ist derzeit noch unklar. "Wir beraten uns morgen. Und wenn jemand auf uns zukäme, stünden wir übermorgen für Gespräche zur Verfügung", sagte Reinhard Oellerer von den Grünen. Sein Ergebnis habe in etwa seinen Erwartungen entsprochen - zwar nicht zu Beginn des Wahlkampfs, aber seitdem klar gewesen sei, wie aufwendig und intensiv die SPD ihren Wahlkampf betrieben habe. Auch Toni Ried wollte am Wahlabend noch keine Wahlempfehlung abgeben. Das werde er zunächst im Kreise des Vorstands besprechen, sagte er.

Die Freien Wähler, hier ihr Landratskandidat Toni Ried, wollen im Laufe dieser Woche entscheiden, ob sie einen der Teilnehmer an der Stichwahl unterstützen.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Vor allem die Vertreter der SPD, die ins Landratsamt gekommen waren, zeigten sich am Ende der Auszählung in Feierstimmung: "Ich freue mich sehr", sagte etwa SPD-Kreisvorsitzender Thomas Vogt strahlend. Böhm sei es gelungen, innerhalb kurzer Zeit im Landkreis bekannt zu werden und zu vermitteln, dass er die Kompetenz für das Amt mitbringe. "Man traut ihm zu, das Landratsamt zu führen. Deshalb gehen wir jetzt sehr optimistisch in die Stichwahl", so Vogt.

Vertreter aller Parteien äußerten die Hoffnung, dass es dann auch gelingen wird, die Wahlbeteiligung deutlich zu erhöhen. In nur wenigen Gemeinden ging mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten zur Abstimmung. Spitzenreiter war Bruck mit einer Wahlbeteiligung von 59,44 Prozent. Am unteren Ende der Skala liegt hingegen Poing, wo nur 32,51 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgaben. Auch in Markt Schwaben lag die Wahlbeteiligung lediglich bei 35,05 Prozent. Selbst in meisten der Heimatgemeinden der vier Kandidaten lag die Wahlbeteiligung allenfalls leicht über dem Landkreisdurchschnitt. Ausnahme ist Ebersberg, der Heimatstadt von Toni Ried, hier wurde immerhin eine Wahlbeteiligung von 52,19 Prozent erzielt.

Eines verbindet alle Kandidaten hingegen wieder: Sie fuhren ihre besten Ergebnisse in ihren Heimatgemeinden ein. Robert Niedergesäß erhielt in Vaterstetten von 63,48 Prozent der Wahlberechtigten die Stimme. Ernst Böhm brachte es in Grafing auf 47,78 Prozent. Toni Ried konnte in seiner Heimatstadt Ebersberg fast ein Viertel der Wähler (23,61 Prozent) für sich überzeugen und in Anzing gaben 18,90 Prozent der Wählerinnen und Wähler Reinhard Oellerer ihr Vertrauen.