Süddeutsche Zeitung

Cowboy-Festival:Wild Wild Steinhöring

Zum 17. Mal feiert der Country-Club "Santa Fe" sein Cowboyfest mit Kostümen, Lassowerfen und Gitarrenmusik. Ein Besuch in Steinhöring bei Messer- und Axtwerfer "Lucky".

Von Amelie Hörger, Steinhöring

Die Klinge der Axt bohrt sich in eine Holzwand, die zwischen zwei Bäumen aufgestellt ist. Knapp darunter gleich die nächste Axt - und auch die darauffolgende Axt rast blitzschnell auf die Wand zu. Das geht so lange, bis fünf Äxte in einer Kreuzformation stecken bleiben. Mit einem zufriedenen Grinsen dreht sich ein über zwei Meter großer Mann um. Roland Tirschner, Spitzname "Lucky", wirkt nicht nur wegen seiner Axt- und Messerwurfkünsten wie ein waschechter Cowboy. Auch sonst würde er eher in die amerikanische Prärie passen, als in den Westen von Steinhöring.

Cowboystiefel mit Sporen, schwarze Weste, Revolvergürtel und natürlich der legendäre Hut, so steht Lucky an diesem Samstagnachmittag neben der Messerwerfer-Station und mustert die Greenhorns, die auch einmal ihr Glück versuchen wollen. Vielleicht findet er hier ja auch neue Rekruten für den Steinhöringer Country-Club "Santa Fe", der das Fest zum inzwischen 17. Mal im Einrichtungsverbund Steinhöring ausrichtet. Alle zwei Jahre findet das Fest im Einrichtungsverbund statt.

Ein richtiges Cowboy-Outfit sei schon Pflicht, sagt Lucky, der den Steinhöringer Country Club zusammen mit einem Freund im Jahr 2002 ins Leben gerufen hat. Bei einigen Bierchen, wie der Cowboy selbst sagt, sei ihm die Idee gekommen, so ein Fest auszurichten: "Überall gibt es einen Klub, dann gründen wir halt unseren Country-Club".

Währenddessen versuchen sich die ersten Schaulustigen an der Kunst des Messerwerfens. Doch es will gelernt sein. Gleich beim ersten Versuch nimmt das Messer so eine Fahrt auf, dass es beim harten Aufprall in zwei Teile zerbricht. Aber so etwas lässt Lucky, der seinen Spitznamen dem berühmten Western-Comic-Helden Lucky Luke verdankt, kalt. Seelenruhig sammelt er Klinge und Schaft vom Gras auf und zuckt mit den Schultern. Übung macht den Meister, das weiß Lucky besser als jeder andere hier. Das Messerwerfen hat sich Cowboy Lucky über viele Jahre selbst beigebracht.

"Es schaut so einfach aus, aber ich weiß, dass es schwierig ist"

Die Begeisterung für den Lebensstil der Cowboys und die Countrymusik sind vor allem in dem halben Jahr entstanden als er in der Westernstadt Pullman City in der Nähe von Passau gearbeitet hat. "Seit der Zeit hab ich gewusst, was ich wollte", sagt er. Ein echter Cowboy sein und die Leidenschaft auch an andere weitergeben. Einer seiner Schüler ist Albert Ritthaler. Auch er steht in komplettem Wild-West-Outfit ein paar Meter weiter und bringt dem kleinen Freddy gerade das Lassowerfen bei. Auf Ritthalers Brust funkelt ein silberner US-Marshall Stern.

"Es schaut so einfach aus, aber ich weiß, dass es schwierig ist", sagt Albert Ritthaler gerade, als der Bub erfolglos versucht, das lange Seil auf die aufgestellte hölzerne Kuh zu werfen. Er feile schließlich schon seit 17 Jahren daran, seine Technik zu verbessern, sagt Ritthaler. Deswegen erklärt er geduldig noch einmal und zeigt dem staunenden Jungen die Schritte: Schlinge machen, falten, über den Kopf schwingen und dann gezielt werfen. Und schon zieht sich die Schlinge um eines der Hörner der Kuh fest.

Im Hintergrund hört man zeitgleich den Song "Ring of Fire". Ein Stück, das im Repertoire einer Countryband natürlich nicht fehlen darf. Das wissen auch die Jungs von Free Hills und geben neben ihren eigenen Songs auch einige Klassiker zum Besten. Mit einer tiefen Stimme und amerikanischen Gitarrenklängen begleiten sie den Trubel rund um das Fest. Erstaunlich viele Leute haben sich im Freien versammelt, denn das Grollen in der Ferne sind nicht etwa herangaloppierende Pferde, sondern ein drohendes Unwetter. Ab und an fängt es auch einmal an zu regnen, aber ein Umzug nach drinnen kommt für die Country-Club-Mitglieder nicht in Frage. Die Cowboys waren schließlich auch immer im Freien, sagt Ritthaler und zwinkert.

Auch Johanna Leyerer gehört als Unterstützerin zur Truppe. Sie begeistert vor allen die Leidenschaft, mit der alle mit dabei sind und auch die Möglichkeit, mal jemand anderes zu sein. "Wenn ich verkleiden sag, dann schreien die Cowboys gleich wieder um Gottes Willen", sagt Leyerer und lacht laut, "aber man schlüpft in eine andere Rolle".

Diesem Credo scheinen auch die Wild-West-Girls and Boys aus München zu folgen, die gerade die Bühne betreten und einen kuriosen Country Can-Can hinlegen. Männer- und Frauenbeine wirbeln durch die Luft, die Federn auf ihren Köpfen wippen wild hin und her und die bunten Röcke werden durchgeschüttelt. All dieser Trubel interessiert Lucky eher weniger. Er marschiert durch die Reihen, wirbelt seine beiden Revolver durch die Luft und hält sich dabei lieber an das Cowboy-Motto das Ritthaler so zusammenfasst: "Immer cool bleiben".

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SZ vom 29.07.2019/koei
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