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Coronakrise im Landkreis:Schlaflos in Ebersberg

Der verlängerte Lockdown ist für Gastronomie und viele Läden im Landkreis eine Katastrophe. Einige haben schon das Handtuch geschmissen

Von Franziska Langhammer, Ebersberg

Es ist wie eine Dauerschleife: Auch bei den neuerlichen Lockdown-Lockerungen bleibt die Gastronomie außen vor. Für die Wirte ist das eine Katastrophe. "Bei uns ist es echt ein Drama", sagt etwa Markus Steinberger, der in Glonn mit seiner Frau das Restaurant "Steinbergers Marktblick" betreibt. Bisher haben sie Kurzarbeit bei ihren vier Festangestellten abwenden können, deren Lohn aufgestockt und das Trinkgeld ersetzt. "Wir haben privat so viel Geld reingesteckt, dass es uferlos ist", so Steinberger.

Zwar habe er im November staatliche Hilfen erhalten, doch das ist viel zu wenig. "Es fehlt alles", sagt der Wirt. Er zeigt sich von der Politik enttäuscht - vor allem, weil viele gastronomische Betriebe ein ausgefeiltes Sicherheitskonzept aufweisen können. "Wir haben ein Konzept, wir haben Trennwände, aber wir dürfen trotzdem nicht aufmachen", sagt er, "auch außen nicht." Nun hofft Steinberger, dass bei Öffnung der Läden auf Getränke und Speisen die Mehrwertsteuer von sieben Prozent kommt, ansonsten sei das finanziell nicht zu stemmen. "Unsere ganze Existenz hängt dran", sagt der Familienvater von vier Kindern. "Ich habe keine ruhige Nacht mehr."

Purfing Gaststätte Haberer - in der Corona-Krise

In den Wirtschaften des Landkreises, wie hier beim Purfinger Haberer, sind die Stühle seit Monaten hochgestellt. Von den neuen Lockdown-Lockerungen haben sich die Gastronomen deshalb deutlich mehr versprochen.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Wie es um andere Läden und Restaurants im Landkreis steht, das kann auch ein Spaziergang um den Grafinger Marktplatz verdeutlichen. An den meisten Schaufenster kleben Botschaften an die Kundschaft, "Danke für Ihre Treue", an einem Gasthaus hängt die Forderung: "Wir brauchen eine Perspektive". Von Seiten des Gaststättenverbands Dehoga heißt es, dass im Landkreis Ebersberg schätzungsweise zehn bis 15 Prozent aller gastronomischen Betriebe nach Corona nicht mehr eröffnen werden. Doch auch manche Einzelhandelsgeschäfte trifft der Lockdown hart.

Einer, der sein Geschäft aufgibt, ist etwa Michael Kiau. Er betreibt seit über 40 Jahren ein Juweliergeschäft am Marktplatz in Grafing, davor hatte sein Vater seit 1951 einen Uhrmacherladen dort. "Beim ersten Lockdown bin ich darauf gekommen, dass ich eigentlich auch aufhören könnte", erzählt Kiau. Er sei mit Mitte 60 alt genug dafür. "Und warum soll ich mich da durchplagen?", sagt er. Kiau ist auf der Suche nach einem Nachfolger, gerne würde er wieder einen Juwelier einstellen. "Aber da einen zu finden ist nicht so einfach", so Kiau. "Wer will sich derzeit selbständig machen?"

Steinbergers Marktblick Glonn

Bangt um seine Existenz: Markus Steinberger.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Für Geschäfte wie das seine, berichtet er, zwicke es schon hinten und vorn. Vor allem eines aber liegt ihm auf der Seele: "Ich habe auch von anderen Läden gehört, dass die Vermieter einem einfach nicht entgegen kommen wollen." Dass viele Vermieter derzeit trotz Lockdown die volle Miete von den Einzelhändler verlangen, findet Michael Kiau schade: "Wir sollten doch eigentlich alle an einem Strang ziehen."

Ein Wirt aus dem nördlichen Landkreis, der namentlich nicht genannt werden möchte, hat schon im März des vergangenen Jahres das Handtuch geschmissen. "Mit dem Beginn von Corona haben wir beschlossen, die Gaststätte aufzugeben", sagt er. "Das macht zur Zeit gar keinen Sinn, die Kosten würden uns auffressen." Natürlich habe er mit Herzblut an dem Lokal gehangen, erzählt der Wirt: "Wir haben viel umgebaut, umdekoriert und einen Haufen Geld investiert." Auch mit Blick auf die erneute Verlängerung des Lockdowns vor wenigen Tagen bereut er die Entscheidung, das Lokal aufzugeben, nicht. "Wir würden den Irrsinn mit Tests und Reservierungen nicht mitmachen", sagt er. Dazu bedürfe es einer Person, die sich allein darum kümmere. Und das, so der ehemalige Wirt, könne man nicht erwirtschaften.

© SZ vom 06.03.2021
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