Corona-Prävention in Poing:Temporäre Lösung

Die Anni-Pickert-Schule soll langfristig mit einer zentralen Luftfilteranlage ausgestattet werden. Zunächst besorgt die Gemeinde mobile Geräte

Von Johanna Feckl, Poing

Von den fünf Schulen in Poing ist es zwar nur eine, die den Gemeinderäten und der Rathausverwaltung in Sachen Aerosole und Virusübertragung in den Klassenräumen Sorgen bereitet - dafür aber ernsthafte. Die Anni-Pickert-Schule ist die einzige, die über keine zentrale Luftfilteranlage verfügt, mobile Geräte sind bislang drei im Einsatz. Das wird sich nun ändern, wie der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig beschloss: Eine zentrale Anlage soll kommen. Bis zum neuen Schuljahr wird das aber nichts - zu kurzfristig. Deshalb werden zunächst mobile Geräte für alle Klassenzimmer beschafft.

Bereits im November vergangenen Jahres hat die SPD-Fraktion einen Antrag zum Thema Luftfilter gestellt. Die damalige Forderung: Alle Räume mit mobilen Geräten auszustatten. Die Mehrheit des Elternbeirats der Anni-Pickert-Schule stand hinter dem Antrag, nicht allerdings die Schulleitung und auch nicht die Mehrheit des Gemeinderats - zu unsicher seien der wissenschaftlich bewiesene positive Effekt auf die Raumluft. Man einigte sich auf einen Kompromiss und schaffte Geräte für Räume an, in denen nicht ausreichend Möglichkeit zum Lüften herrscht.

Drei Luftreiniger sind seitdem an der Anni-Pickert-Schule im Einsatz: Einer befindet sich in der Mensa und ist per Zeitschaltung zwischen acht und 16 Uhr in Betrieb. Die anderen zwei stehen in Klassenzimmern. In einem vorherigen Antrag stellte die SPD-Fraktion unter anderem die Frage, ob die Geräte tatsächlich nur selten eingeschaltet werden und falls ja, warum dies der Fall ist. Auf Nachfrage der Verwaltung bei der Schule ergab sich, dass die Geräte auf Wunsch der Schülerinnen und Schüler wegen des Lärms häufig ausgeschaltet oder nur mit verringerter Leistungsstufe betrieben würden.

Die besagten Geräte sind von einem anderen Hersteller als etwa die, die im Nachbarort Pliening im Einsatz sind. Über die Anlagen dort sagt Schulleiterin Katrin Dung, dass sie nicht mehr zu hören seien, sobald sich mehrere Menschen im Raum aufhalten - selbst wenn sie alleine ist, höre sie lediglich ein leises Brummen.

Für die 40 Räume an der Anni-Pickert-Schule will die Gemeinde den Kauf solcher Geräte prüfen, wie sie in Pliening im Einsatz sind - die Möglichkeit zu leasen bietet der Hersteller nicht an -, aber auch andere Angebote einholen. Generell tendiert die Verwaltung zum Kauf der Anlagen, laut Bürgermeister Thomas Stark (parteilos) sei das auf mehrere Jahre hinweg die weitaus günstigere Lösung. Bei einem Preis von gut 3600 Euro pro Gerät und einer staatlichen Förderung von 1750 Euro pro Raum würde die Gemeinde einen Kostenanteil von 75 000 Euro tragen müssen.

Während der Diskussion zeichnete sich ab, dass die Anschaffung mobiler Geräte Unterstützung aller Gemeinderäte finden wird. Bärbel Kellendorfer-Schmid (SDP) äußerte ihre Freude darüber, aber betonte: "Wir könnten schon ein Dreivierteljahr weiter sein" und bezog sich damit auf den Antrag ihrer Fraktion von November.

Auch hinter den langfristigen Plan, eine zentrale Lüftungsanlage einzubauen, stellte sich das Gremium geschlossen. Nach vorläufiger Einschätzung von Fachleuten aus dem Rathaus ist es grundsätzlich möglich, das gesamte Gebäude, Teilbereiche oder einzelne Räume auszustatten. Vier Varianten kämen grundsätzlich in Frage: Vor jedem Sanitärkern auf der Nordseite könnte ein Gebäude errichtet werden, in dem die Anlagen für einzelne Bauabschnitte untergebracht werden. Oder die Technik könnte auf den Flachdächern installiert werden, sofern die Statik dies erlaubt. Es gibt auch Fensterlüfter, die in die bestehende Fassadenelemente integriert werden, sodass selbst bei geschlossenen Fenstern permanent für Frischluft gesorgt ist - allerdings gäbe es dafür keine staatliche Förderung. Außerdem könnten Geräte dezentral, also als Einzelgeräte in die zu belüfteten Räume montiert werden.

Der Gemeinderat einigte sich darauf, alle vier Varianten auf Machbarkeit und Kosten hin zu prüfen. "Es geht um den bestmöglichen Schutz unserer Kinder", sagte Bürgermeister Stark. Und das sei das Gesamtpaket aus Masken, Lüften und Filteranlagen.

© SZ vom 24.07.2021
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