Süddeutsche Zeitung

Pandemie:Unerfreulicher sechster Platz

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Im Landkreis Ebersberg hat die Zahl der Corona-Infektionen stark zugenommen, bei der Sieben-Tage-Inzidenz liegt er sogar deutlich vor der Landeshauptstadt. Wo die Ansteckungen erfolgt sind, lässt sich nicht nachweisen - aber zwei Volksfeste dürften durchaus eine Rolle spielen.

Von Barbara Mooser, Ebersberg

Der Landkreis Ebersberg ist in die Top Ten aufgerückt, was kein Grund zur Freude ist: Unter den Landkreisen mit den höchsten Sieben-Tage-Inzidenzen belegt er Platz sechs - in ganz Deutschland. Der Wert wurde am Freitag mit 913,8 beziffert, das liegt weit über dem bayerischen Schnitt von 654,8 und noch deutlicher über der bundesweiten Inzidenz von 466. Die Vermutung liegt nahe, dass das Münchner Oktoberfest etwas mit dieser Entwicklung zu tun haben könnte - nachweisen lässt sich das aber nicht.

Denn im Gegensatz zu früheren Phasen der Corona-Pandemie gibt es inzwischen keine intensive Kontaktnachverfolgung mehr. Wenn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ebersberger Gesundheitsamts aber mit Betroffenen sprechen oder mailen, dann geht es durchaus immer wieder auch um die möglichen Ansteckungsorte. Dabei werde schon das Oktoberfest genannt, auch das Rosenheimer Herbstfest, aber auch der Schulbeginn, das Pendeln in öffentlichen Verkehrsmittel und der Arbeitsplatz spielen als Ansteckungsorte eine Rolle, wie Evelyn Schwaiger, die Sprecherin des Landratsamts, erläutert. Ohnehin sei es ja inzwischen schwierig, Ansteckungsorte nachzuvollziehen, weil die Inkubationszeit einige Tage betragen könne, und - wieder im Gegensatz zu früheren Corona-Wellen - es keine Einschränkungen im öffentlichen Leben gibt.

Die Infektionszahlen liegen fast im gesamten Landkreis hoch - die Inzidenz übersteigt sogar die in der Landeshauptstadt, dort liegt sie momentan bei 792,8. Bayernweit liegt nur noch der Landkreis Miesbach mit einer Inzidenz von 923,2 vor Ebersberg. Einige Gemeinden stechen aber doch etwas heraus, in Steinhöring etwa beträgt die Inzidenz sogar 1377,3, in Frauenneuharting 1213,3, in Forstinning 1204,5 - allerdings ist der Wert bei kleinen Gemeinden wenig aussagekräftig, da hier auch wenige Fälle rein rechnerisch zu einer hohen Inzidenz führen. Eine vergleichsweise niedrige Inzidenz hingegen wird in Bruck angezeigt: 304,2 beträgt sie, in sieben Tagen wurden in der kleinen Gemeinde lediglich vier Neuinfektionen registriert.

Die Betroffenen erkranken nicht so schwer wie in früheren Wellen

Sehr stark zu spüren ist der Anstieg der Infektionen im Testzentrum am früheren Sparkassengebäude. Im Vergleich zur Vorwoche habe sich die Zahl der Testungen fast verfünffacht, erläutert Verwaltungsleiterin Laura von Winterfeld. An die 150 bis 200 PCR-Tests werden momentan täglich ausgeführt, dazu kommen etwa 150 Schnelltests. Die Quote der positiven PCR-Tests sei dabei hoch, sagt von Winterfeld, was nicht verwunderlich sei angesichts der Tatsache, dass diese Tests schließlich meist nach einem positiven Schnelltests erfolgten.

Auch in der Kreisklinik fallen wieder mehr Corona-Tests positiv aus - sowohl bei Patientinnen und Patienten als auch bei Beschäftigten, wie Peter Lemberger, Ärztlicher Direktor und Pandemiebeauftragter der Klinik, erläutert. 19 Patienten waren am Freitag positiv auf Corona getestet, ähnliche Zahlen wurden auch in den Tagen zuvor registriert. Allerdings lässt sich trotz der alarmierenden Entwicklung auch etwas Positives sagen: Patienten, die aufgrund einer Corona-Infektion schwer erkranken, gebe es bisher nicht, so Lemberger. Eine infizierte Person werde derzeit auf der Intensivstation behandelt, diese habe aber außer Corona noch andere schwerwiegende Krankheiten. Auch bei den übrigen Patientinnen und Patienten sei Corona nicht die führende Diagnose. "Es ist kein Vergleich zu den ersten Wellen", betont Lemberger, auch der Betrieb in der Klinik laufe weiter ganz normal und ohne Einschränkungen - obwohl es auch im Personal vermehrt Ausfälle gebe.

Die Nachfrage nach den neuen Impfstoffen gegen die Omikron-Varianten ist groß

Die Präventionsmaßnahmen werden aber nun wieder hochgefahren. Während in den vergangenen Wochen medizinische Masken beim Personal genügten - wer nicht an den Patienten arbeitete, war sogar überhaupt nicht zum Tragen einer Maske verpflichtet -, müssen von diesem Samstag an wieder FFP2-Masken getragen werden. Und zwar von allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, nicht nur denjenigen, die direkt mit den Kranken zu tun haben. Auch getestet wird wieder mehr, künftig sind für Vollzeitbeschäftigte wieder drei Schnelltests pro Woche vorgeschrieben.

Eine Prognose, ob im Landkreis ein weiterer Anstieg oder doch eine Abflachung der Kurve zu erwarten ist, ist voraussichtlich Anfang kommender Woche möglich, dann gibt es neue Erkenntnisse aus dem Abwassermonitoring in Glonn, Grafing und Ebersberg. Am vergangenen Montag hatten die Wasserproben eben jenen deutlichen Anstieg erwarten lassen, der nun eingetreten ist.

Deutlich erkennbar ist bereits jetzt der gestiegene Wunsch von Landkreisbürgerinnen und -bürgern, gut geschützt gegen das Virus in den Herbst zu gehen. Im Impfzentrum ist inzwischen wieder deutlich mehr los als in den Sommermonaten, an die 200 Impfungen täglich werden dort laut Verwaltungsleiterin Laura von Winterfeld wieder verabreicht. Insbesondere die neuen Impfstoffe, die gegen die Omikron-Varianten BA.4 und BA.5 des Virus schützen, sind laut Winterfeld begehrt. Aufgrund des gestiegenen Interesses öffnet das Impfzentrum künftig auch wieder montags, auch am Tag der Deutschen Einheit wird geimpft. Einen Impftermin dort kann man online unter www.impfzentren.bayern vereinbaren oder über die Hotline des Impfzentrums unter der Nummer (08092) 86 31 40.

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