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Corona-Krise in Ebersberg:Ohne Ziel kein Weg

Wie viele Taxiunternehmer im Landkreis klagen auch Rene Buchner (links) und Anil Bostan aus Vaterstetten über ausbleibende Kundschaft.

(Foto: Christian Endt)

Die Fahrgastzahlen der Taxiunternehmen im Landkreis Ebersberg gehen deutlich zurück

Von Luisa Terkowsky, Ebersberg

Corona im Allgemeinen und der nun erneute Teil-Lockdown im Besonderen fahren das öffentliche Leben in vielen Bereichen stark herunter. Das hat auch Auswirkungen auf Reisegewohnheiten, denn wer überhaupt noch seine Wohnung verlässt, setzt sich lieber ins virenfreie eigene Auto, als in den öffentlichen Nahverkehr. Diese Entwicklung bekommen vor allem auch die Taxiunternehmen im Landkreis Ebersberg zu spüren. Nach einer leichten Verbesserung der Situation im Sommer, stellt der jetzige "Lockdown Light" nun eine erneute Herausforderung für die Betreiber dar.

Und das obwohl sich die Taxiunternehmen durch umfangreiche Schutzmaßnahmen an die Krisensituation anpassen und um den optimalen Schutz ihrer Fahrgäste bemüht sind. Nach jeder Fahrt gilt es nämlich das Taxi zu lüften und mit Desinfektionsmitteln zu reinigen. Zudem wird auf ausreichenden Abstand geachtet und die Maskenpflicht gilt für Fahrer sowie Mitfahrer. Manche Taxis bieten sogar Handdesinfektionsmittel für die Kunden an. Eine Trennwand zwischen Fahrer und Fahrgast soll zusätzliche Sicherheit schaffen.

Dennoch stelle sich die Frage, wo die Leute denn noch hinwollen, sagt Selahattin Kirci, der Chef vom Taxiservices Selo in Grafing. Damit spricht er das konkrete Problem für jeden Taxiservice in diesen Tagen an, denn durch ausfallende Veranstaltungen, Feiern oder Urlaube entfallen auch zahlreiche Gelegenheiten, ein Taxi zu rufen. Auch die sonst üblichen Fahrten zum Flughafen oder zu Restaurants und Gaststätten finden derzeit nicht statt. Vor allem aber die ausbleibenden Fahrten zu Clubs und Bars, die überwiegend an den Wochenenden stattfinden, spielen eine große Rolle, denn dadurch ist "die Nachtschicht fast gleich Null", sagt Rene Buchner, der Unternehmensinhaber des Fahrservices Vaba Ug aus Vaterstetten.

Eher weniger große Auswirkungen lassen sich bei der Nachfrage der Patientenfahrten erkennen. Die Krankenfahrten seien mittlerweile laut Armin Tschanter, dem Chef des Ebersberger Taxiunternehmens Mobitaxx, sogar wieder ungefähr auf dem gleichen Stand wie vor Corona. Dabei müsse man allerdings unterscheiden, ob es sich um lebenswichtige Fahrten wie beispielsweise zur Dialyse handle, die auch weiterhin im üblichen Umfang gebucht würden, sagt Tschanter.

Bei anderen Patiententransporten, wie zu beispielsweise Chemo- und Bestrahlungstherapien, spielt dagegen auch der Aspekt Angst und Sorge um Ansteckung eine Rolle. Dadurch nutzen die Patienten für solche Fahrten vermehrt nicht mehr Taxis und öffentliche Verkehrsmittel, sondern steigen auf den Transport durch Familienmitglieder um, vermuten Buchner und Tschanter. Selbstorganisation zur eigenen Sicherheit ist also ein entscheidender Faktor für den Rückgang der Kundenzahlen der Taxiunternehmen.

Auf das Taxi wird in diesen Tagen und Wochen nur dann zugegriffen, wenn es nicht anders möglich ist. Unter diese Kategorie fallen etwa die Schülerfahrten, bei denen gehbehinderte Schüler, für die der Transport mit dem Schulbus nicht in Frage kommt, mit dem Taxi befördert werden. In diesem Fall sind die Fahrten während der Corona-Zeit unverändert geblieben, so Tschanter. Ebenfalls wenig Auswirkungen habe die Corona-Pandemie auf sogenannte Spontanfahrten, wie Monika Pawelczyk, Inhaberin des Unternehmens Taxi Pawelczyk aus Forstinning, sagt. Damit seien Fahrten gemeint, die dann zustande kommen, wenn beispielsweise gerade mal keine Bahn fährt.

Unterm Strich betrachtet, lasse sich den Ebersberger Unternehmern zufolge durch die Meidung öffentlicher Verkehrsmittel keine Kundenverlagerung hin zur vermehrten Taxinutzung beobachten. Zusammenfassend ist es wohl eine Mischung aus dem Mangel an Fahrtzielen und der Angst vor dem Coronavirus, die die Menschen gar nicht erst aus dem Haus treibt - und den Taxiunternehmern dadurch das Geschäft sehr schwer macht.

© SZ vom 26.11.2020
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