Corona in Ebersberg:"Ungewohnt, aber erleichternd"

Lesezeit: 3 min

Corona in Ebersberg: Viele Geschäfte stellen es ihren Mitarbeitern frei, ob sie weiterhin eine Maske tragen wollen - so wie Sarah Aschauer (rechts) vom Korn Biomarkt.

Viele Geschäfte stellen es ihren Mitarbeitern frei, ob sie weiterhin eine Maske tragen wollen - so wie Sarah Aschauer (rechts) vom Korn Biomarkt.

(Foto: Christian Endt)

Auch in den Geschäften in der Stadt Ebersberg können Kunden wieder ohne Corona-Maske einkaufen. Manche tun das bereits, viele tragen den Mund-Nasen-Schutz aber weiterhin. Ein Streifzug durch die örtlichen Läden.

Von Viktoria Niggemann, Ebersberg

Vereinzelt sind wieder Gesichter zu sehen in den Läden der Stadt Ebersberg. "Es passt zum heutigen Sonnenschein", freut sich Bernd Grünberg, Inhaber der Eber-Apotheke in Ebersberg, über die gefallene Maskenpflicht. Am Montag tragen dort noch alle Mitarbeiterinnen eine Maske, jedoch freiwillig. Sie würden weiterhin Masken verkaufen und bereits zaghaft an den Winter denken, auch was das Impfen in der Apotheke angehe, sagt Grünberg. Wichtig sei ihm aber vor allem eines: was die Masken anginge, sollten jetzt alle selbst entscheiden können. "Jeder, wie er es möchte und für richtig hält", das sei sein Motto, "uns sind alle Kunden lieb und wertvoll".

Nachdem am vergangenen Sonntag die Pflicht zum Tragen einer Maske ausgelaufen und ein sogenannter "Basisschutz" nur noch einen Mund-Nasen-Schutz im öffentlichen Nah- und Fernverkehr sowie in Gesundheitseinrichtungen und Heimen vorsieht, ist die Stimmung in Ebersberg überwiegend noch verhalten, was ein Streifzug durch die Läden zeigt. Zwar machen die meisten Geschäfte keinen Gebrauch von ihrem Hausrecht und schreiben ihrer Kundschaft die Masken nicht mehr vor, verpflichten oder empfehlen sie jedoch teilweise für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Viele tragen die Masken auch freiwillig weiter - aus Gewohnheit oder Vorsicht.

Zumindest OP-Masken sieht man noch häufig

So zum Beispiel bei Sport Kipfelsberger. Ein Schild am Eingang weist die Kunden auf die Empfehlung zum Tragen einer Maske hin. Vor allem Ältere würden sich daran auch weiterhin orientieren, so Mitarbeiterin Birgit Paveronschütz-Klein. Für die Mitarbeiter gebe es jedoch weiterhin die Pflicht zum Maskentragen, sagt Filialleiter Felix Fleidel. "Die Zahlen zeigen, dass wahrscheinlich drei von zehn Personen, die hier reinkommen, positiv sind", so Fleidel, deshalb wolle er seine Belegschaft schützen und einem Personalmangel durch Corona-Infektionen vorbeugen. Ähnlich macht es der benachbarte Fressnapf - die Dokumentenkontrolle und Maskenpflicht sei weggefallen, die Verkäufer würden jedoch weiterhin Masken tragen, sagt die Marktleiterin - "nicht, dass wir noch schließen müssen".

Auch bei Korn-Biomarkt, Buch Otter, Deichmann und Depot tragen die Mitarbeiter zumindest noch OP-Masken. Lukas Nentwich, Filialleiter des Bio-Markts, freut sich prinzipiell, die Kunden nicht mehr zum Mund-Nasen-Schutz verpflichten zu müssen, denn die Verbreitung des Coronavirus wäre dadurch schließlich auch nicht verhindert worden. Für die Mitarbeiter gelte zur Vorsicht jedoch weiterhin eine OP-Masken-Pflicht. Elisabeth Wieringa, Depot-Mitarbeiterin, hingegen findet es allgemein zu früh, die Masken wegzulassen, weil viele bereits krank seien. Wenngleich der Einrichtungs-Laden seine Kunden nicht zum Tragen einer Maske verpflichte, würde dort aber schon beinahe die Hälfte ohne Maske zum Einkaufen kommen.

Corona in Ebersberg: Maske und Nicht-Maske bei Buch Otter in Ebersberg.

Maske und Nicht-Maske bei Buch Otter in Ebersberg.

(Foto: Christian Endt)

Zwar tragen am Montag insgesamt noch mehr als die Hälfte der Einkaufenden Masken, tatsächlich schreiben die allermeisten Geschäfte den Mund-Nasen-Schutz aber nicht mehr vor. So etwa in den lokalen Supermärkten. Bei Lidl, Rewe oder Müller, wo die Maske nun freiwillig ist, tragen die Menschen sie überwiegend immer noch aus freien Stücken. "Ob es Gewohnheit ist, oder Angst, weiß ich nicht - aber ich fühle mich nicht wohl ohne Maske", sagt eine Lidl-Kundin. Sie sei sich zudem unsicher gewesen, ob die Maskenpflicht nun tatsächlich nicht mehr gelte, weil so viele sie noch tragen würden. Eine Mitarbeiterin des Supermarkts bestätigt, dass viele der Kunden noch unsicher seien und nur wenige ohne Maske kämen.

Für Gastronomen ist das Ende von 2G wichtiger

Genauso hat es auch Salwa Hourani, Mitarbeiterin bei Ernsting's family, wahrgenommen. Sie selbst sitzt hinter einer Kunststoffscheibe und trägt keine Maske mehr. Wie sie, empfinden es einige als deutlich angenehmer, ohne die Masken. Vor allem dort, wo sie lang am Stück getragen werden mussten, etwa bei einer Schicht an der Kasse, findet eine Kassiererin bei Müller. Auch eine der wenigen Kunden, die bei C&A ohne Mund-Nasen-Schutz einkauft, sieht das so. Sie habe eine Maske dabei und gegen die Pflicht auch nichts einzuwenden gehabt. "Jetzt ist es noch ungewohnt", fügt sie hinzu, "aber erleichternd". Laut eines Mitarbeiters in der Filiale kaufen aktuell noch 90 Prozent der Menschen mit Maske ein. Es sei ja aber auch erst der erste Tag und die Masken müssten noch aufgebraucht werden, scherzt er. Er vermutet, dass viele aus persönlichen Gründen die Masken noch freiwillig weitertragen würden, etwa um vulnerable Personen im persönlichen Umfeld zu schützen.

Corona in Ebersberg: Bei der Ebersberger Sparkasse gilt die Pflicht zum Tragen eines Mundschutzes vorerst weiterhin.

Bei der Ebersberger Sparkasse gilt die Pflicht zum Tragen eines Mundschutzes vorerst weiterhin.

(Foto: Christian Endt)

Im Gasthaus Alte Post ist die Freude vor allem über die entfallenen Einlasskontrollen groß. "Die Masken waren kein Problem", sagt Wirt Thomas Binder, "wichtiger ist, dass es 2G und 3G nicht mehr gibt." Am Stammtisch des Gasthofs freuen sie sich besonders über die neue "Nicht-Regelung", denn auch aus gesundheitlichen Gründen seien die Maske teilweise sehr unangenehm gewesen. "Heute ist für mich der Tag der Freiheit", sagt eine der Dame am Stammtisch sichtlich glücklich über den Schritt zur Normalität.

Lediglich bei der Sparkasse in Ebersberg hängt noch das Schild der vergangenen Jahre zur FFP2-Pflicht - und die Kunden halten sich anstandslos daran. Das eigene Hausrecht sei noch nicht geändert worden, sagt Finanz-Berater Cedric Eibl, Informationen über interne Abstimmungen zum weiteren Vorgehen bezüglich der Masken erwarte er aber in den nächsten Tagen.

Zur SZ-Startseite

SZ PlusMissbrauch in der katholischen Kirche
:"Den pathetischen Rotz hätt' er sich sparen können"

Hermann Schlicker war Pfarrer in Grafing und in Garching an der Alz - nachdem Peter H. dort Kinder missbrauchte. Trotz Maulkorb vom Erzbistum München und Freising spricht er über Joseph Ratzinger und sagt: Wo bleibt die Entschuldigung?

Lesen Sie mehr zum Thema