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Corona-Krise in Ebersberg:"Wir sind im roten Drehzahlbereich"

Corona-Reportage Kreisklinik Ebersberg

Eine Aufnahme aus dem Corona-Jahr 2020 in der Ebersberger Kreisklinik.

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

Die Pandemie fordert das Personal in der Kreisklinik extrem. Um Entlastung zu ermöglichen, werden Bereiche geschlossen und planbare OPs verschoben.

Von Barbara Mooser, Ebersberg

Die Corona-Pandemie belastet in der Kreisklinik alle Beschäftigten stark. Ärztliches und Pflegepersonal ohnehin, aber auch beispielsweise Reinigungskräfte, die extrem durch die hohen Hygienestandards gefordert sind. "Wir sind im roten Drehzahlbereich", beschreibt es Geschäftsführer Stefan Huber. Um etwas Druck herauszunehmen, schließt die Kreisklinik nun eine weitere Station und auch das ambulante OP-Zentrum. Planbare Operationen werden außerdem wieder zurückgefahren. Damit hat die Klinik die dritte und letzte Stufe ihres Plans zum Corona-Management erreicht.

Wobei das nicht heißt, wie Huber unterstreicht, dass die Klinik damit am Ende ihre Möglichkeiten angelangt ist. "Die Stufe drei ist nach oben offen", beschreibt er es. Man könnte also innerhalb dieser Stufe noch mehr Maßnahmen umsetzen als es momentan notwendig ist - beispielsweise noch weitere Stationen schließen. Zunächst geht es allerdings nur um eine Station, die am kommenden Montag zusätzlich zur bereits seit einiger Zeit stillgelegten Akutgeriatrie geschlossen wird, nämlich die Station 3b, Innere und Urologie.

Unterschiedliche Inzidenzwerte

Seit Tagen bewegt sich der Landkreis Ebersberg bei der sogenannten Sieben-Tage-Inzidenz, die anzeigt, wie viele Neuinfektionen es pro 100 000 Einwohnern binnen einer Woche gab, an der Grenze von 200. Die Überschreitung dieses Werts würde zusätzliche Maßnahmen zur Corona-Prävention mit sich bringen, etwa Wechselunterricht in den höheren Schulklassen, die Schließung von Märkten, die keine Lebensmittel verkaufen, und das Ende des Präsenzunterrichts in Musik- und Fahrschulen.

Allerdings werden an verschiedenen Stellen unterschiedliche Werte veröffentlicht, die teils deutlich voneinander abweichen. Dies liegt nach Angaben des Landratsamts daran, dass sie verschiedene Zeitpunkte widerspiegeln, an denen jeweils neue Fälle hinzugekommen oder andere abgeschlossen worden sind. Die Auswertung des Ebersberger Gesundheitsamts von Mittwoch, 16.30 Uhr, zeigt beispielsweise eine Sieben-Tage-Inzidenz von 214,74 für den Landkreis an. Diese Zahl ist jedoch nicht ausschlaggebend. Erst wenn das Dashboard des Robert-Koch-Instituts die Überschreitung der 200er-Grenze anzeigt, zieht das Konsequenzen nach sich. Das RKI aber zeigte am Mittwoch eine Inzidenz von 193,5 für den Landkreis an. Weil sich die Zahlen erfahrungsgemäß ein paar Tage später angleichen, haben bereits jetzt einige Schulen die Eltern über den anstehenden Wechselunterricht von Montag an informiert. SZ

Die Patienten, die üblicherweise hier behandelt würden, würden auf andere Stationen aufgeteilt, erläutert Huber. Auch das ambulante OP-Zentrum wird vorübergehend in den Haupt-OP-Bereich integriert. Bereits seit vergangener Woche finden keine planbaren Operationen mehr statt, nach denen die Patienten eine Behandlung auf der Intensivstation benötigen könnten. Nun werde man auch andere elektive Operationen herunterfahren, so Huber.

All diese Maßnahmen sollen dazu dienen, dass genügend personelle Kapazitäten für die Versorgung der Corona-Patienten und anderer Schwerkranker vorhanden sind und das Personal durch den hohen Arbeitsanfall und den Stress nicht völlig aufgerieben wird. Denn es zeichne sich ja ab, dass das Thema Corona die Klinikarbeit noch länger dominieren wird, auf Dauer könnten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aber nicht so weiterarbeiten wie bisher, sagt der Geschäftsführer.

Momentan werden in der Kreisklinik 19 Patienten mit einer Covid-19-Erkrankung behandelt. 13 von ihnen sind im Landkreis Ebersberg zuhause. Drei Patienten befinden sich auf der Intensivstation, zwei werden dort beatmet. Zudem gibt es in der Klinik vier Verdachtsfälle. Noch sind laut Huber Kapazitäten in der Intensivstation frei. Vor Kurzem mussten allerdings zwei dialysepflichtige Covid-19-Patienten in eine andere Klinik verlegt werden, weil beim KfH-Nierenzentrum, das an der Kreisklinik angesiedelt ist, Coronafälle aufgetreten waren und eine Behandlung dort vorübergehend nicht möglich war.

Was das eigene Personal betreffe, so Huber, sei man sehr froh, dass es noch zu keinen größeren Coronaausbrüchen wie in anderen Kliniken gekommen sei. Einige Einzelfälle seien bei Routinetests an Mitarbeitern, die aber keine Symptome gezeigt hätten, entdeckt worden.

© SZ vom 03.12.2020/koei
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Von Barbara Mooser

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