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Contra:Zu viele negative Folgen

Reinhard Oellerer ist Lehrer im Gymnasium Markt Schwaben und seit 1996 für die Grünen im Gemeinderat. Die Anzinger Grünen und der Agenda-Arbeitskreis Ortsgestaltung hoffen auf ein Nein der Anzinger Bürger.

(Foto: Christian Endt)

Reinhard Oellerer wünscht sich ein Votum gegen das Gewerbegebiet

Kein Zweifel: Anzing hat ein hohes Interesse daran, insbesondere kleine und mittlere Betriebe am Ort zu halten. Gewerbeflächen für ihre Ansiedlung sind dazu ein geeignetes Mittel. Das heißt aber nicht, dass die Gemeinde dies unter Zeitdruck und unter Missachtung ökologischer Bedenken in jedem Fall gewährleisten kann oder muss.

Im Umweltbericht zum Flächennutzungsplan heißt es bei der Beschreibung der Schutzgüter: "Gebiete von hoher Bedeutung sind naturnahe Biotop- und Nutzungstypen wie naturnahe Bäche und Grabenabschnitte, wie zum Beispiel die Anzinger Sempt. . . (Seite 13). Naturnahe Gewässer einschließlich ihrer Uferbereiche sollen von beeinträchtigenden Nutzungen freigehalten werden. (Seite 5)"

Kein Wunder, dass die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises anmerkt, es gebe "aus naturschutzfachlicher Sicht bessere Standorte mit geringeren Eingriffen in das Landschaftsbild" und deshalb den gewählten Ort für das geplante Gewerbegebiet "kritisch sieht". Sie stellt jedoch bedauernd fest, dass die Rechtslage es ihr nicht ermöglicht, die Planung zu verhindern.

Für die Bürgerinitiative steht fest, dass hier ein wertvolles Stück Natur geopfert werden soll. An dieser Bewertung ändert nichts, dass uns bei einer projektierten Überbauung und Asphaltierung von mehreren Tausend Quadratmetern die Begrünung von gerade 1000 Quadratmetern als Aufwertung des Anzinger Mooses und wertvoller Beitrag zum Naturschutz angepriesen wird (Flugblatt von CSU, SPD und UBA).

Besonders problematisch erscheint uns das Vorhaben auch deshalb, weil mit der Überschreitung der Staatsstraße nach Osten die Gefahr besteht, dass die Flächenversiegelung sich zeitnah nach Norden bis zur Autobahn und eventuell auch jenseits der Sempt ausdehnen wird. Darauf deutet nicht nur die Fragestellung des Ratsentscheids hin, sondern vor allem die Absicht, einen großen Kreisverkehr zu errichten, der auch die Kapazität hätte, ein deutlich größeres Verkehrsaufkommen zu bewältigen als derzeit vorhanden ist. Das Straßenbauamt sieht jedenfalls keine Notwendigkeit für eine solche Maßnahme und lehnt deshalb eine Finanzierung ab.

Wir Anzinger und Anzingerinnen aber sollten uns - insbesondere angesichts der Pläne zum Ausbau der FTO - bewusst sein, dass der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur oft in der Folge neuen Verkehr durch den Ort anzieht.

Die Bürgerinitiative lehnt die Planung auch ab, weil uns und vielen anderen die Platzierung des Supermarktes direkt neben dem Friedhof als unpassend erscheint. Ein Supermarkt bedeutet schon wegen des zusätzlichen Verkehrs Lärm und Betriebsamkeit an einem Ort, an dem Ruhe und Besinnung möglich sein sollten.

Beim Bürgerentscheid haben alle Anzingerinnen und Anzinger die Möglichkeit, diese Entwicklung zu stoppen. Wir sind überzeugt, dass es Möglichkeiten gibt, umweltverträgliche Alternativen zu finden. Die Gemeinde sollte sich weiter intensiv darum bemühen.