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Comeback in Grafing:Bekanntes Gesicht

Nicole Storz

Nicole Storz, 51, aus Zorneding war 16 Jahre lang Lehrerin in Grafing, nun kehrt sie dorthin zurück.

(Foto: Privat)

Nicole Storz hat lange am Gymnasium Grafing gelehrt, bevor sie nach Freising wechselte. Nun kehrt sie als Rektorin zurück

Von Johanna Feckl, Grafing

Die vergangenen fünf Jahre war es nicht ungewöhnlich, dass Nicole Storz noch vor fünf Uhr morgens aufstand, eine Runde laufen ging und sich dann spätestens um 6.15 Uhr in ihr Auto setzte, um pünktlich um sieben Uhr in Freising zu sein. Dort ist die Zornedingerin seit 2015 Schulleiterin des Josef-Hofmiller-Gymnasiums - bis jetzt. Zum August wechselt sie an das Max-Mannheimer-Gymnasium nach Grafing, an die Schule also, an der sie bereits zwischen 1999 und 2015 unterrichtet hat. Das extra-frühe Aufstehen hat für die Zornedingerin also bald ein Ende.

Es ist der letzte Schultag vor den Sommerferien und damit Storz' letzter Tag in ihrer Freisinger Schule, der noch mit Trubel im Schulhaus belebt ist - sofern die Corona-Schutzmaßnahmen einen solchen überhaupt zulassen. Die 51-Jährige entschuldigt sich kurz, um die Türen in ihrem Büro zu schließen. Ziemlich viel los sei an diesem Tag, immer wieder schauten Kolleginnen und Kollegen oder auch Schülerinnen und Schüler bei ihr vorbei, um sich zu verabschieden. Sie nimmt sich trotzdem Zeit für ein Telefonat mit der SZ Ebersberg, um über ihre Rückkehr als Schulleiterin an das Grafinger Gymnasium zu reden. Denn so schwer ihr der Abschied von Freising fällt - "Ich habe hier viel Herzblut hineingesteckt, die Schule ist mir ans Herz gewachsen" -, so sehr ist sie trotzdem gespannt auf die bevorstehende Zeit in Grafing.

Nach ihrem Lehramtsstudium in Englisch und Französisch an der Ludwig-Maximilians-Universität in München dauerte es nicht lange, bis es die gebürtige Münchnerin 1999 an das Grafinger Gymnasium verschlug. Sie wurde zweite Fachbetreuerin für Französisch und Bayerns Landesbeauftragte für den Bundeswettbewerb Fremdsprachen. Im Jahr 2010 rückte sie auf den Posten der Stellvertreterin des damaligen Schulleiters vor, leitete das Grafinger Gymnasium sogar ein halbes Jahr kommissarisch, ehe im Februar 2014 Paul Schötz neuer Schulleiter wurde.

Eine Schule zu leiten, das gefiel der 51-Jährigen. Also entschloss sie: "Wenn eine entsprechende Stelle ausgeschrieben ist, dann versuche ich das einfach mal", so Storz. Und prompt wurde die Rektorenstelle am Freisinger Josef-Hofmiller-Gymnasium frei. Sie sah sich die Schule an, bewarb sich - und wurde genommen. Also hieß es von Sommer 2015 an: Früh aufstehen, von Zorneding ab nach Freising, abends wieder zurück. Oft war es 22 Uhr, bis sie in den eigenen vier Wänden war und der eigentliche Feierabend begann. Solche langen Tage, Staus auf der Autobahn, immer und immer wieder, "das geht schon sehr an die Substanz", sagt Storz. Aber so sei das nun einmal in ihrem Beruf. "Das ist ja letztlich immer auch Glückssache, wo man eben zum Zug kommt."

Ihre nächster Zug, um im Bild zu bleiben, wartet jetzt am Gymnasium in Grafing auf sie. Die 51-Jährige freut sich aber nicht nur auf Grafing, weil sie damit einen wesentlich kürzeren Arbeitsweg hat. Sondern auch, weil es schon so etwas wie "ihre" Schule ist, wenn sie auf ihre berufliche Laufbahn zurückblickt: 16 Jahre hat sie dort bereits gelehrt, das ist eine ziemliche Hausnummer. "Ich freue mich, dass ich wieder heim kann", sagt Storz. Heimkommen, zurück an ihre alte Schule in ihrem Heimatlandkreis. Und das alles zu Zeiten, in denen Corona den gewohnten Schulbetrieb gehörig durcheinander wirbelt.

Viel gibt es da zu regeln, wie die Schulleiterin sagt. Sowohl in ihrer letzten Woche in Freising, als auch von August an in Grafing. So ganz genau könne schließlich niemand wissen, wie das bevorstehende Schuljahr abläuft. Aktuell wird mit einem Schulstart mit vollen Klassenstärken gerechnet. Das ist Plan A. Es gibt aber auch die Pläne B und C: Ein Schichtmodell, wie es in den vergangenen Wochen durchgeführt wurde, oder ein kompletter Stopp des Präsenzunterrichts, wie es im Frühjahr der Fall war. "Wir bereiten verschiedene Alternativpläne vor, sodass wir den passenden dann sozusagen nur noch aus der Schublade ziehen müssen", so Storz.

Das ist nicht gerade wenig zu planen. Wie können die Stundenpläne aufgebaut werden, sodass sie nicht komplett über den Haufen geworfen werden müssen, wenn ein Wechsel von Plan A auf Plan B oder C ansteht? Wie gestaltet sich der digitale Unterricht von schwangeren Lehrerinnen, die bislang ein Vertretungsverbot an den Schulen hatten und ihre Unterrichtsstunden von zu Hause aus hielten? Was ist mit anderen Lehrkräften, die einer Risikogruppe angehören? Mit welchem Videokonferenzsystem soll künftig gearbeitet werden? Viele Entscheidungen, die Storz noch bevorstehen - die Übergabe mit Grafings Noch-Schulleiter Paul Schötz, der in den Ruhestand wechselt, wird wohl mehr Zeit in Anspruch nehmen, als gewöhnlich.

Trotz allem wird Storz in den Sommerferien zwei Wochen weg sein, nach Südtirol soll es gehen. Sowohl die Osterferien als auch die Pfingstferien habe sie wegen Corona komplett durchgearbeitet, "so ganz ohne Verschnaufpause gehts dann einfach auch nicht", sagt die 51-Jährige und lacht.

© SZ vom 03.08.2020

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