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Cellist und Komponist:"Du bist Diener der Musik"

Hans-Henning Ginzel (*1988) ist Komponist und Cellist.

Hans-Henning Ginzel hat sein Leben der Musik gewidmet: Er spielt in diversen Ensembles Cello und komponiert.

(Foto: Stache/oh)

Der Tutzinger Hans-Henning Ginzel und der Vaterstettener Dirigent Maximilian Leinekugel haben sich für zwei Konzerte zusammengetan

Maximilian Leinekugel ist im Landkreis Ebersberg längst kein Unbekannter mehr. Der Träger des Tassilo-Preises der Süddeutschen Zeitung, der die Munich Classical Players gegründet hat, kehrt nun nach einem knappen halben Jahr Masterstudium in Birmingham für zwei Konzerte in Haar und Pöcking zurück. Geplant hat er das Programm gemeinsam mit dem aus Tutzing stammenden Cellisten Hans-Henning Ginzel, der den Solopart in Dvoraks Konzert für Violoncello und Orchester h-Moll übernimmt. Ginzel schrieb seine erste Komposition mit 14, seine Werke werden inzwischen beim renommierten Leipziger Musik-Verlag C.F. Peters verlegt. Er wurde mit dem Kulturförderpreis der Gemeinde Tutzing ausgezeichnet. "Bilder" heißt das Konzert für Streichorchester, das er als Eigenkomposition zum Konzert beisteuert, die Munich Classical Players spielen außerdem wird und Elgars Serenade für Streichorchester.

SZ: Herr Ginzel, Ihre Vita ist beachtlich - kaum zu glauben, dass Sie erst 31 Jahre alt sind. Sie sind Gründer des "Arcis Cello Quartetts", spielen in diversen Ensembles, gerade waren Sie auf Konzerttour in Asien unterwegs. Sie treten aber auch ans Dirigentenpult, komponieren unter anderem im Auftrag der "Münchner Philharmoniker", schreiben Filmmusik. Sie müssen beneidenswert viel Energie haben.

Hans-Henning Ginzel: Ich denke immer, man sollte seine Ziele hoch stecken - in vier Jahren bin ich 34, so alt war Mozart, als er starb. Da hätte ich noch viel zu tun, um zu erreichen, was er geschafft hat. Aber ich brenne für die Musik. Würde ich das alles nicht machen, würde ich verkümmern.

Sie können also nicht ohne Musik?

So ungefähr. Das Cello ist Begleiter meines Lebens - es verlangt meinem Körper auch viel ab. Aber dafür gibt es bei jedem Konzert im Ausland einen neuen Aufkleber auf den Cellokasten. Der ist eigentlich schon ziemlich alt, aber mein Geigenbauer hat zuletzt gesagt, da klebe so viel Geschichte darauf, er werde ihn noch einmal reparieren.

So viel Geschichte wie in ihrem Cello - das 1740 gebaut wurde?

Nein, (lacht), so alt wird wohl kein Instrumtenkasten.

Was reizt Sie daran, zu komponieren?

Es gibt ja Gott sei Dank viel Cellomusik. Auch großartige und sehr viel bessere als aus meiner Feder. Manchmal aber fällt mir doch auf, dass das Cello in seiner Spielfähigkeit nicht immer ausgelotet ist. Oft werden Effekte vor die klanglichen Besonderheiten gestellt. Ich versuche auch immer, ein bisschen gegen die Tradition zu schreiben. Mein Anliegen ist es, Musik wieder nahbar und lebendig machen. Das ist mir auch beim Konzertprojekt mit den Munich Classical Players wichtig.

Wie kam denn der Kontakt zu Maximilian Leinekugel zustande? Sie stammen ja aus ganz verschiedenen Ecken Münchens, er aus Vaterstetten, Sie aus Tutzing.

Wir sind uns immer wieder mal begegnet, von den ersten Erfahrungen in Amateurorchestern, über die Hochschule für Musik und Theater in München. Prägend war eine Begegnung 2017, bei einem Workshop in Brixen. Das war ein Projekt um Benjamin Brittens "War Requiem". Ich habe dort mein Cellokonzert vorgestellt, das ein Statement für den Pazifismus darstellt. Maximilian hat mein Konzept gehört, war gerührt und erzählte mir von seiner Art, Musik zu machen: Vom Nachspüren bestehender Musik in einem neuen Gewand und mit dem Ziel, es einem weniger akademischen Publikum nahe zu bringen, das nicht in klassischer Musikästhetik hängen bleibt und so vielleicht empfänglicher ist für das Live-Event. Das Zelebrieren von Musik auf der Bühne: Das spricht mir total aus der Seele.

Also haben Sie den Plan geschmiedet, gemeinsam aufzutreten.

Ja, aber es hat ein bisschen gedauert. Wir beschlossen erst in diesem Sommer, das tatsächlich anzugehen.

Worin besteht Ihre Gemeinsamkeit?

Wir wollen zusammen einen neuen, aktualisierten Blick auf klassische Literatur werfen. Da tickt dieses Orchester ähnlich wie ich. Wir wollen Musik vermitteln, nicht nur zum reinen Konsum verleiten. Gerade das aber wird in der Stadt mit seinem verwöhnten Konzertpublikum viel zu oft gemacht. Auf dem Land ist das anders. Da spüre ich ein unverbrauchteres Publikum. Da gibt es nicht diese Künstlichkeit, die man oft in den Kulturgroßstädten findet. Mir geht es um etwas anderes: Wenn der Musiker es schafft, sich in den Hintergrund zu stellen und die Musik leben zu lassen, so dass es die Zuhörer spüren, dann ist schon alles getan.

Geht es in den großen Konzertsälen also oft viel zu steif zu?

Absolut. Natürlich bin ich auch davon geprägt, aber das hat mich von Anfang an abgeschreckt. Nun habe ich das Glück, aus einer Musikerfamilie zu stammen. Mein Vater (Professor an der Münchner Hochschule für Musik und Theater, Anm. d. Red.) hat immer gesagt, in erster Linie bist du Diener der Musik, in zweiter Linie Schöpfer, und in dritter Linie soll sie Freude machen. Ich glaube, die Klassik ist nur zu retten, wenn man ihr etwas Ehrlichkeit zurück gibt, wenn man bei sich bleibt.

Die Munich Classical Players spielen auch eines Ihrer eigenen Werke, "Bilder" heißt es. Können Sie es beschreiben?

Es ist im weitesten eine Hommage an die große Streicherliteratur wie Edvard Griegs "Aus Holbergs Zeit" oder Dvoraks Streicherserenade. Anlehnungen gibt es auch an neuere Werke wie Barbers "Adagio for Strings". So ist es im Gegensatz zu meinen anderen Stücken eher in herkömmlicher Weise komponiert, kontrapunktisch natürlich, aber mit klassischen Mitteln gearbeitet. Der wache Zuschauer aber hört den 21. Jahrhundertcharakter. Ich habe mich immer an den viel offeneren Werken aus Südamerika oder Amerika orientiert, wo man ja viel unbefangener an die Musik herangeht. Das geht auch in die Richtung, die das Ensemble um Maximilian verfolgt.

Soll es in der Zusammenarbeit mit Leinekugel eine Fortsetzung geben?

Wir schauen jetzt mal, wie es läuft. Wir denken ähnlich. Und ich bin natürlich sehr gespannt auf die Musiker. Wir haben nur eine sehr kurze Probephase, in drei, vier Tagen muss alles stehen. Aber wenn die Basis gut gelegt ist, dann steht einer Fortsetzung nichts im Wege.

Die beiden Konzerte mit den Munich Classical Players und Hans-Henning Ginzel finden am Freitag, 20. Dezember, im Bürgerhaus Pöcking "Beccult" und am Samstag, 21. Dezember, im Kleinen Theater in Haar statt. Beginn ist jeweils um 19 Uhr. Tickets für Pöcking unter www.eventbrite.de und für Haar unter www.reservix.de