Bunter AdventVom Gast zur Gastgeberin

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Hannah Mohamad stammt aus Damaskus. Seit gut drei Jahren lebt die 30-Jährige in Kirchseeon.
Hannah Mohamad stammt aus Damaskus. Seit gut drei Jahren lebt die 30-Jährige in Kirchseeon. (Foto: Mohamad Alkhalaf)

In Syrien war Hannah Mohamad bei Festen lediglich Teilnehmerin - nun ist sie die Organisatorin. Über ihre neue Rolle als Frau.

Von Mohamad Alkhalaf, Kirchseeon

Der eine montiert die Deko schon, sobald irgendwo das erste Mal "Last Christmas" erklingt, die andere macht auf den letzten Drücker am 23. noch schnell ein paar Platzerl ... Wir haben für unsere Serie "Bunter Advent" Menschen aus dem Landkreis Ebersberg gefragt, wie sie die Tage ab dem ersten Dezember begehen und was auf keinen Fall fehlen darf.

Als Hannah Mohamad im Stadtviertel Bab Tuma von Damaskus wohnte, sah sie zur Weihnachtszeit auch den Schmuck und die Vorbereitungen für das Fest anlässlich der Geburt von Jesus. Mit dem Krieg sah man in Syrien in ihren letzten Jahren dort jedoch generell kaum mehr Festliches. Es folgte ihre Flucht.

Seit gut drei Jahren lebt die 30-Jährige nun in Kirchseeon im Landkreis Ebersberg. Zum ersten Mal hielt sie in Bayern einen Adventskalender in ihren Händen. Vor allem aber: Hier in Bayern sieht sie nicht nur zu, sie feiert das Weihnachtsfest selbst, obwohl sie Muslima ist.

In Syrien besuchte Hannah Mohamad alljährlich ihre christlichen Freunde. Es war ein friedliches Zusammenleben verschiedener Religionen. Man respektierte sich und gratulierte gegenseitig zu den großen Festen. Saft war seinerzeit das wichtigste Festgetränk. Die Kirchseeoner Dorfbewohner setzen im Advent mehr auf Heißgetränke. Meist fällt die Wahl auf Glühwein. "Ich halte es lieber mit alkoholfreiem Punsch", sagt sie.

Zimtsterne und Zuckerhalbmonde werden zusammen mit syrischen Pistazienkeksen serviert

Einst war Hannah Mohamad bei solchen Anlässen Gast; Teilnehmerin am Weihnachtsfest ihrer christlichen Freunde. Hier in Kirchseeon ist es sie, die bei sich zu Hause die Feier organisiert. Sie kauft den Baum und schmückt ihn nach ihrem Geschmack. Sie ist jetzt nicht mehr Gast sondern Gastgeberin.

Wenn es draußen kalt ist "und hoffentlich Schnee fällt", sagt sie, dann schätze sie es, drinnen in der warmen Stube am geschmückten Tisch in der andächtigen Atmosphäre zu sitzen. Im Schein der Adventskerzen erinnert sie sich manchmal an die Kriegszeiten in Syrien, "als wir ohne Strom waren und nur Kerzenlicht hatten".

Beim Backen verdrängt der süße Plätzchenduft die bösen Erinnerungen. Es kommt syrisch-bayerische Kombinationsfreude auf: Hannah Mohamad fertigt Zuckerhalbmonde und Zimtsterne und serviert diese zusammen mit ihren selbstgemachten syrischen Pistazienkeksen und runden Maamoul-Plätzchen.

Am ersten Weihnachtsfeiertag lädt die 30-Jährige deutsche Freunde ein und serviert Ente und Fisch. In Syrien gab es zu diesem Anlass Truthahn flankiert von Weizenstängeln. Der Weizen ist ein Symbol der orientalischen Christen. Es geht zurück auf die Geschichte einer jungen Frau, die Christin wurde und aus Angst vor ihrer Familie auf das Land floh, wo sie nur Weizen zum Essen fand.

Den Kirchseeonern ist Weizen auch ein Begriff. Er kommt aber eher bei wärmeren Temperaturen zum Tragen und wird nicht selten in gekühlter Flüssigform gen Schlund transportiert.

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