Bunter Advent:Plätzchen und Panettone

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Bunter Advent: Stefania Scarabello, ihr Mann Matthias Ott und die Kinder Matteo und Letizia sind große Weihnachts-Fans.

Stefania Scarabello, ihr Mann Matthias Ott und die Kinder Matteo und Letizia sind große Weihnachts-Fans.

(Foto: privat)

In Stefania Scarabellos bilingualer Familie harmonieren zwei Kulturen.

Von Michaela Pelz, Ebersberg

Der eine montiert die Deko schon, sobald irgendwo das erste Mal "Last Christmas" erklingt, die andere macht auf den letzten Drücker am 23. noch schnell ein paar Platzerl ... Wir haben für unsere Serie "Bunter Advent" Menschen aus dem Landkreis Ebersberg gefragt, wie sie die Tage ab dem ersten Dezember begehen und was auf keinen Fall fehlen darf.

Wenn Stefania Scarabello aus Ebersberg die Weihnachtskiste aus dem Keller geholt hat, dann weiß es gleich die ganze Nachbarschaft. Und alle Passanten. Denn bereits ab dem 8. Dezember können sich diese am Anblick eines geschmückten Weihnachtsbaums auf der Terrasse der Familie erfreuen. "In meiner italienischen Heimat ist nämlich der Tag von Mariä Empfängnis nicht nur ein offizieller Feiertag, sondern auch der Auftakt für die Vorweihnachtszeit. ", erklärt die International Sales Development Managerin und ergänzt, dass der Christbaum in Italien natürlich von Anfang an direkt in der Wohnung stehe, während sie ihn zunächst draußen platziert. Ihr und dem deutschen Ehemann ist es nämlich sehr wichtig, ihre bilingual aufwachsenden Kinder mit beiden Traditionen und Kulturen vertraut zu machen.

Bunter Advent: Der Christbaum wird am 8. Dezember, dem Tag von Mariä Empfängnis, geschmückt. Bis Weihnachten steht er erst einmal draußen.

Der Christbaum wird am 8. Dezember, dem Tag von Mariä Empfängnis, geschmückt. Bis Weihnachten steht er erst einmal draußen.

(Foto: privat)

Darum gibt es, obwohl Scarabello selbst ohne Nikolaus, Adventskranz und Adventskalender groß wurde, für den zwölfjährigen Sohn und die sechsjährige Tochter dank des unterfränkischen Papas "das volle Programm", inklusive des von der Schwiegermutter gelernten Plätzchenbackens. Denn diese Art Gebäck ist im Stiefelstaat nicht Teil der Speisekarte rund um Weihnachten - ganz im Gegensatz zum Panettone. "In Deutschland kann man es ja ganzjährig kaufen, wo ich herkomme hingegen findet man es ausschließlich im Dezember, vielleicht noch im Januar, aber dann ist Schluss", erläutert die gebürtige Paduanerin, als es um diesen speziellen Kuchen geht, entscheidender Schlusspunkt des traditionellen, mehrgängigen Festmahls mit Nudelgericht und Suppe vorweg, gefolgt von drei bis vier Hauptspeisen und zahlreichen Beilagen. Ganz so groß fällt das Essen bei den Wahl-Ebersbergern nicht aus, allerdings findet es, wie in Italien üblich, zusammen mit der Bescherung erst am 25. Dezember statt. "Den Kindern haben wir erklärt, dass das Christkind so viel zu tun hat, dass es nicht überall schon am Heilig Abend sein kann und deswegen bei uns die Geschenke erst am 25. unter dem Baum liegen." Immerhin darf der Nachwuchs schon am Vormittag mit Auspacken beginnen - anders als in Scarabellos Herkunftsfamilie, wo man sich immer bis nach Kirchgang, falls man nicht in der Mitternachtsmette gewesen war, und Mittagessen im Kreis der zahlreich versammelten Verwandten gedulden musste. Zum Ausgleich für die längere Wartezeit gibt es aber besonders in Norditalien ein weiteres Datum, auf das sich Kinder freuen können: Am 6. Januar kommt nämlich die Befana und befüllt die am Abend vorher aufgehängten Strümpfe - oder Strumpfhosen, damit mehr hineinpasst - mit Süßigkeiten und Obst. Früher auch schon mal mit Kohlen, wenn man nicht ganz so brav war. An vielen Orten wird dann abends auf einem Scheiterhaufen aus Stroh und Holz eine Figur verbrannt, die "keine Hexe, eher eine hässliche, alte Frau ist". So sollen die Wintergeister vertrieben werden.

Zwar bekommen Scarabellos Kinder, wenn sie bis zum Dreikönigstag bei den Großeltern bleiben, stets die gefüllten Socken - die Tradition der Befana-Verbrennung aber hat sie nicht nach Deutschland mitgebracht. Im Gegensatz zum geschmückten Baum auf der Terrasse. "Eigentlich dachte ich, alle würden mich für verrückt halten, wenn ich den Baum schon Anfang Dezember aufstelle - aber die Leute finden es schön. Und im Eggerfeld sieht man das sogar mittlerweile öfter, da fühle ich mich weniger allein!"

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