Der Nebel vor dem Fenster ist nicht das Einzige, das aufs Gemüt drückt. Erst fällt die Heizung aus, so dass zur Gänsehaut aufgrund der unschönen Nachrichten aus der internationalen Politik auch noch eiskalte Füße dazukommen, dann wird gemunkelt, dass schnelle Neuwahlen an der nötigen „Beschaffung von Papier“ scheitern könnten.
Kein Wunder in Deutschland, könnte man nun denken! Denn hier ist dieses, wie sich nun herausstellt, knappe Gut ja offenbar in erster Linie – wie man während der Pandemie sehen konnte – in Form von vierlagigem Klopapier erhältlich.
Was also tun? Wären die Vorzeichen frühzeitig richtig gedeutet worden, hätten sich vielleicht in allen Betrieben, die nun alles daran setzen, zum papierlosen Büro zu werden, Recycling-Behältnisse aufstellen lassen, um alte Belege, Akten oder Personalpapiere zu sammeln, für die man in Zeiten großer Kündigungswellen ohnehin keine Verwendung mehr hat.
All diese Zettel hätte man dann flugs schreddern, in Wasser auflösen, die Druckerfarbe entfernen und das Ganze in einen Faserbrei verwandeln können, um neue Wahlunterlagen zu produzieren. Alternativ hätte man die Runde durch die Schulen der Republik drehen können – wo in einem Oberstufenleben schnell mal 120 000 Blätter Papier zusammenkommen, wie man spätestens seit der Aktion der Kirchseeoner Abiturientinnen und Abiturienten 2016 weiß.
Leider wäre dafür die Zeit definitiv zu knapp gewesen. Wie gut also, dass sich die Waldbesitzervereinigung Ebersberg/München-Ost (WBV Ebersberg) der Angelegenheit angenommen hat. Schon kurz nachdem die alarmierenden Nachrichten den Verein erreicht hatten, dessen mehr als 1400 Mitglieder eine Gesamtwaldfläche von 11 000 Hektar ihr Eigen nennen, ließ der WBV-Geschäftsführer Christoph Schwer verlauten: „Zwischen den Papierbedarf aufgrund der Bundestagswahl und unseren Zielen als Waldbesitzer im Sinne der generationenübergreifenden Bewirtschaftung der Wälder passt kein Blatt Papier! Gerne sind wir bereit, kurzfristig größere Mengen an Papierholz bereitzustellen.“ Welch ein kühner, entschlossener Schritt und bewusster Einsatz für, wie es weiter in der Mitteilung heißt, den „demokratischen Prozess in unserem Land“.
Wenn also am 23. Februar alle den Weg zur Urne antreten können, dann möglicherweise nur deshalb, weil man sich in Berlin nun durch die selbstlose Unterstützung der Ebersberger getrost um die Beseitigung anderer möglicher Hindernisse auf dem Weg zu einer neuen Regierung kümmern kann. Wenn das kein Hoffnungsschimmer in diesen grauen Novembertagen ist! Und die Heizung geht auch wieder.



