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Naturschutz in Ebersberg:Mehr Wiesen für Warzenbeißer und Gartenschläfer

Mit Projekten wie Kiebitz-Schutz-Programm oder Fledermaus-Monitoring versucht der Bund Naturschutz Ebersberg Wiesenbrütern, Feldlerchen und der Kleinen Hufeisennase wieder mehr Raum zu geben

Von Franziska Langhammer, Ebersberg

Während es Hund, Katze, Maus im heimischen Zoo immer besser geht, haben deren Artgenossen in der freien Wildbahn immer mehr zu kämpfen. Die aktuelle Rote Liste, welche das Bundesamt für Naturschutz kürzlich veröffentlichte, zeigt, dass knapp ein Drittel der Säugetiere in Deutschland in seinem Bestand gefährdet ist. Dazu zählen etwa der Iltis und der Feldhamster. Beide Tierarten, so Johann Taschner, Sachgebietsleiter der unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Ebersberg, haben im Landkreis in den vergangenen Jahrzehnten nie eine Rolle gespielt. Auch über den Bestand des gefährdeten Gartenschläfers gibt es keine Zahlen für den Landkreis. Immer wieder jedoch würden Siebenschläfer gemeldet, so Taschner. Er fügt hinzu: "Wo es Siebenschläfer gibt, gibt es gern auch Baumschläfer." Doch auch diese sind nicht dokumentiert.

Welche Tierarten speziell im Landkreis als gefährdet eingestuft werden, das weiß Ursula Kunz von der Kreisgruppe Ebersberg des Bund Naturschutz. Vor einiger Zeit erstellte sie hierzu in Zusammenarbeit mit anderen Experten, darunter dem Landschaftspflegeverband und dem Landesbund für Vogelschutz Ebersberg, eine Liste.

Stark gefährdet ist demnach etwa der Kiebitz. Groß wie eine Taube und an seinem Kopf mit einer zweizipfligen Haube ausgestattet, ist er bei uns noch im Schwabener Moos oder südlich von Aßling im Attelfeld anzutreffen. Mit einem Kiebitz-Schutz-Programm soll der Vogel aus der Familie der Regenpfeifer im Landkreis besser geschützt werden, sagt Ursula Kunz: "Der Kiebitz ist ein Wiesenbrüter. Seine Gelege sind gut getarnt, so dass sie nur schwer zu erkennen sind." Ehrenamtliche Naturschützer machten sich zur Brutzeit auf die Suche nach den Gelegen und markierten diese mit Stöcken, damit etwa der Landwirt großzügig darum herumfahren kann, so Kunz.

Ebenso will man sich im Landkreis verstärkt um die gefährdete Feldlerche kümmern, etwa durch Ausgleichsflächen. Jüngst wurde dies umgesetzt bei Parsdorf im Zuge der Gewerbeansiedlung - "in der Hoffnung, dass sich auch wieder Feldlerchen dort ansiedeln", so Kunz. Auch diese Vögel nisten am Boden, brauchen reichhaltige Kulturlandschaften und sind mit viel Glück etwa um das Versuchsgut Grub, beim Aßlinger und Brucker Moos und am Egglburger See zu entdecken. Durch die Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzflächen brütet die Feldlerche nur noch einmal im Jahr, ihr Bestand ist im vergangenen Vierteljahrhundert um mehr als ein Drittel zurück gegangen.

Auch den Fledermäusen soll ein Monitoring-Programm hier im Landkreis helfen. So machten sich in diesem Sommer Experten auf die Suche nach der Kleinen Hufeisennase, die in offenen Dachstühlen wie beispielsweise von Kirchen vermutet wird. Leider konnten keine Exemplare gefunden werden, doch im nächsten Frühjahr geht die Suche nach ihnen weiter, so Kunz.

Bei Markt Schwaben wurde vor einiger Zeit eine Rebhuhn-Familie gesichtet; auch diese Tiere gelten im Landkreis Ebersberg als stark gefährdet. Ursprünglich ist das Rebhuhn ein Steppenvogel, der sich mit der Zeit an die traditionell genutzte Feldflur angepasst hat. Auf den heutigen Äckern findet der unauffällig gefederte Hühnervogel nur mehr schwerlich genügend Nahrung.

Nur mit viel Glück springt einem im Landkreis heute noch ein Warzenbeißer vor die Nase. Die oft bunt gescheckten Heuschrecken, die früher zum Behandeln von Warzen verwendet wurden, bevorzugen magere Wiesen, die entweder sehr trocken oder sehr nass sind. "Wir haben kaum noch das eine noch das andere", so Ursula Kunz. Deshalb gilt der Warzenbeißer als gefährdet, man findet ihn landkreisweit noch in den Sempt-Streuwiesen nordwestlich von Forstinning.

Warum auch im Ebersberger Landkreis immer mehr Tierarten gefährdet sind, erklärt Kunz vor allem mit der veränderten Landschaft: Früher dominierten sogenannte Magerwiesen das Bild, also wild wachsende Gräser, durchsetzt mit Wildblumen; heute werden die Flächen das ganze Jahr lang intensiv landwirtschaftlich genutzt. Auch die Flurbereinigung in den 1970er Jahren trug ihr Scherflein zum Artensterben bei, kaum eine Hecke auf freiem Feld durfte stehen bleiben. Zu viele Wiesen und Freiflächen fielen überdimensionierten Gewerbegebieten und dem Straßenbau zum Opfer. "Es reicht nicht, dass wir vorerst keine Dritte Startbahn bekommen", sagt Naturschützerin Ursula Kunz. Sie plädiert für die Renaturierung von Moorgebieten - und dafür, auch im Forst Gebiete aus der Nutzung zu nehmen, um Rückzugsorte für Tiere und Pflanzen zu schaffen.

© SZ vom 14.10.2020/koei

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