Bürgerversammlung Vaterstetten:Der große Überblick

VAT Baugebiet Nord-West Erweiterung

Das neue Wohngebiet Vaterstetten Nord hat nicht nur Fans, an dessen Bau aber gibt es nichts mehr zu rütteln.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Vaterstettens Bürgermeister Leonhard Spitzauer moderiert seine zweite Bürgerversammlung. Im Mittelpunkt stehen Finanzen und Bauprojekte

Von Thorsten Rienth, Vaterstetten

Es ist in Vaterstetten nicht so, dass etwas anstünde, was die Gemeinde potenziell spalten könnte. Gut, das neue Gewerbegebiet Vaterstetten-Ost mag nicht jeder. Aber die Sache läuft. Auch die Wohngebiete Vaterstetten Nord und Nordwest haben nicht nur Fans. Aber an deren Bau gibt es eben auch nichts mehr zu rütteln, vieles steht ja schon. Also ist die Vaterstettener Bürgerversammlung am Donnerstagabend in der Dreifachturnhalle ohne große Überraschungen über die Bühne gegangen, respektive im Internet gestreamt worden. Ein paar Hinhörer gab es aber dennoch.

Zum Beispiel, dass die Gemeinde womöglich etwas mehr Geld aus der Greensill-Bankpleite zurückbekommen könnte als ursprünglich gedacht. Was denn nun eigentlich der Stand der Dinge sei, wollte nämlich ein Vaterstettener wissen, als Kämmerer Markus Porombka den Überblick über die gemeindlichen Finanzen fertig war. "Wie viel von dem Geld ist weg und bekommen wir nicht wieder?" Bürgermeister Leonhard Spitzauer (CSU) plauderte ein bisschen aus dem Nähkästchen. Freilich könne er keine Details aus nichtöffentlichen Verfahren nennen. "Wir gehen davon aus, dass wir eine bestimmte Quote von den Einlagen wiederbekommen, aktuell rechnen wir mit 25 Prozent." Das wäre - so ärgerlich die Sache bleibe - spürbar mehr als die befürchteten zehn bis 15 Prozent. Ansonsten, versicherte Spitzauer, sei man hinter der Angelegenheit her. "Wir tauschen uns da natürlich intensiv mit anderen betroffenen Gemeinden aus, wir haben regelmäßig Videorunden mit Betroffenen aus ganz Deutschland."

Und Porambkas Überblick? Sah ebenfalls besser aus als erwartet. Das liegt allen voran an den Einnahmen aus der Gewerbesteuer. Um die 8,25 Millionen werde die Gemeinde im laufenden Jahr wohl einnehmen, rechnete der Kämmerer vor. Das wären zwei Millionen Euro mehr, als der Gemeinderat bei der Haushaltsaufstellung veranschlagte. "Gott sei Dank hat sich die Lage stabilisiert." Er wolle aber vorsorglich darauf hinweisen: "Das ist noch kein Vorkrisenniveau, sondern das Niveau aus den Jahren 2016 und 2017."

Tendenzielle Entwarnung konnte in einer anderen Angelegenheit, nämlich hinsichtlich Kinderbetreuungsplätzen, Familien- und Bildungsabteilungsleiterin Jasmin Marussis-Kley geben. "Was die Krippen- und Kita-Plätze angeht, haben wir bis Mitte des Jahrzehnts genügend, bei den Kita-Kindern sind wir sogar bis zum Jahr 2027 sicher", berichtete sie. Sicher auch deshalb, weil in den Jahren 2019 bis 2022 etwa 2,3 Millionen Euro für Neu- und Umbauten, Erweiterungen und Sanierungen ausgegeben würden. "Bei der Betreuung von Grund besteht dagegen Handlungsbedarf." Sobald der Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung komme, müsse die Gemeinde wieder ausbauen.

Bauamtsleiterin Brigitte Littke übernahm die Perspektive auf die Bauvorhaben. Vollausbau Alpenrosenstraße und Dahlienstraße, Deckensanierung Carl-Orff-Straße, Deckensanierung der Ortsverbindungsstraße von Baldham nach Baldham-Dorf, Ausbau Johann-Strauß-Straße. Das alles habe dem Ortsbild wirklich gut getan. "In Zeiten vom Klimaschutz muss auch eine Verlagerung in Richtung des öffentlichen Nahverkehrs erfolgen", sagte Littke. "Deshalb haben wir beim Busnetz einiges verbessert." So halte die innerörtliche 451er Linie nun auch am Gymnasium und versorge dann auch die angrenzenden Wohngebiete mit. Die Linien 465 und 466 legten einen zusätzlichen Stopp unter anderem am Ärztehaus ein. Bei der 466 werde der Takt von 60 auf 40 Minuten verkürzt. Die neue Linie 459 zwischen Poing und "Messestadt-Ost" schaffe in Neufarn, Parsdorf und Weißenfeld eine zusätzliche Anbindung nach München.

In Parsdorf östlich des Posthalterrings setzte die Gemeinde erstmals ein sogenanntes "Urbanes Gebiet" fest. Ein solches dient qua Definition dem Wohnen sowie der Unterbringung von Gewerbebetrieben und sozialen, kulturellen und anderen Einrichtungen, die die Wohnnutzung nicht wesentlich stören. "Wir zeigen, dass so was nicht nur was für große Städte ist", sagte Littke. Eine Besonderheit sei auch das erstmals erlassene Aufteilungsverbot. Es verhindere, dass Mietwohnungen in Eigentumswohnungen umgewandelt werden - und so die prekäre Lage auf dem Mietmarkt weiter verschärften.

Eine ganze Reihe von Fragen aus dem Publikum gab es zum Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur für E-Autos. "In Baldham gibt's noch keine einzige", klagte ein Baldhamer. Immerhin zwei seien dort aktuell geplant, lautete die Antwort von Klimaschutzmanager Tobias Aschwer. "Wir haben da praktisch jedes Förderprogramm auf dem Schirm, das es irgendwo gibt."

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB