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Emotionaler Abschied:Viel Applaus für scheidenden Bürgermeister Brilmayer

Ein letztes Mal informiert Walter Brilmayer auf der Bürgerversammlung über aktuelles aus der Stadtpolitik.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Bei seiner letzten Bürgerversammlung als Rathauschef dankt Walter Brilmayer den Ebersbergern für 26 gute Jahre.

Mit höflichem Applaus für den Rathauschef enden die meisten Bürgerversammlungen, in Ebersberg gab es für Walter Brilmayer am Mittwochabend minutenlange Standing Ovations. Die Ebersberger dankten ihm für fast 26 Jahre im Amt, im kommenden Frühling wird er dieses an einen Nachfolger übergeben. Eine Tatsache, die wegen der Altersgrenze unumgänglich ist, der der scheidende Bürgermeister allerdings auch durchaus etwas abgewinnen kann.

Er habe nichts dagegen, sich künftig mehr seinen Großvateraufgaben zu widmen, sagte Brilmayer. Das Amt als Bürgermeister habe er "immer sehr gerne gemacht" - was vor allem an den Ebersbergern liege. Darum gab es ein großes Dankeschön an die Bürger "die sind das wichtigste an einer Stadt und sie haben auch immer mitgemacht und sich eingebracht", stellte der Rathauschef und frühere Lehrer Brilmayer den Ebersbergern ein sehr gutes Zeugnis aus. Auch an den Bürgerversammlungen sei das zu sehen, die in der Kreisstadt tatsächlich immer sehr gut besucht sind, dieses Mal sogar noch ein wenig besser als sonst, der Alte Speicher war mit knapp 500 Besuchern bis auf den letzten Platz belegt.

Es sei Zeit, Platz zu machen, so der scheidende Bürgermeister

Allerdings sei es nun an der Zeit, Platz zu machen für Jüngere. Ganz unabhängig von der Altersgrenze sei er der Meinung: "Es reicht - für mich und für die Stadt." Trotz seiner Freude an der Arbeit als Bürgermeister, "verbraucht man sich im Laufe der Jahre, man merkt, dass man ein Auslaufmodell ist", sagte Brilmayer. Gerade in der sich verändernden Arbeitswelt - Stichwort Digitalisierung - habe er diesen Eindruck gewonnen.

Auch werde man mit den Jahren "ich will nicht sagen zum Bedenkenträger, aber man wird im Alter immer vorsichtiger", meinte Brilmayer - und zu viel Vorsicht sei angesichts der vielen anstehenden Aufgaben der Stadt nicht hilfreich: "Es braucht jemanden, der neue Ideen hat und mit frischem Wind daherkommt." Wen von seinen voraussichtlich fünf Bewerbern um seine Nachfolge er dabei im Auge hatte, ließ Brilmayer offen, er äußerte lediglich die Hoffnung, "dass wir alle am 15. März ein glückliches Händchen haben".

Wofür sein Nachfolger ein glückliches Händchen brauchen wird, skizzierte Brilmayer in seinem Bericht. Das nächste, größte und wohl auch sichtbarste Projekt dürfte der Neubau auf dem Hölzerbräugelände sein. Dieses hatte vor gut einem Jahr die Immobilienfirma Euroboden gekauft und will es mit etwa 50 Wohnungen bebauen. Auch die Stadt hat Pläne an der Stelle, so soll das Feuerwehrhaus verlegt und der frei werdende Platz mit Wohnhäusern bebaut werden. Seit diesem Monat läuft daher ein städtebaulicher Realisierungswettbewerb mit zehn Architektenbüros.

Die Überplanung auf dem Hölzerbräugelände sei "ein Riesenprojekt"

Die allerdings nicht einfach drauflos planen können, wie Brilmayer erklärte. Denn die Stadt habe bestimmte Vorgaben gemacht. So muss die Bebauung in zwei Abschnitten möglich sein, da es wohl noch etwas dauert, bis man einen neuen Platz für die Feuerwehr gefunden und auch das neue Haus gebaut hat. Ebenfalls wichtig für die Stadt sei, dass nicht nur die geschützte Fassade Richtung Marienplatz erhalten bleibt, sondern auch das Hotel. Optisch sollen sich die neuen Häuser einfügen und von der Stadtmitte aus möglichst nicht zu sehen sein. Wichtig ist auch eine Tiefgarage, diese könnte idealerweise den Marienplatz entlasten. "Es ist ein Riesenprojekt", so der Bürgermeister, und verglich es mit der Neugestaltung der Altstadtpassage: "Vielleicht nicht ganz so groß - aber genauso wichtig." Damit das auch gelinge, habe man sich für den Wettbewerb entschieden.

Natürlich wird sich der neue Bürgermeister auch mit dem Thema Verkehr herumschlagen müssen, der noch amtierende gab dazu einen Zwischenbericht aus dem interfraktionellen Arbeitskreis, dem auch die beiden Bürgerinitiativen angehören. Trotz deren unterschiedlicher Ausrichtung - die eine will ein Ende des Durchgangsverkehrs in der Stadt, die andere auf keinen Fall eine Ostumfahrung - sei das Arbeitsklima sehr produktiv und konstruktiv, sagte Brilmayer. Neben der Frage, wie die Umfahrung aussehen könnte - Favorit ist inzwischen ein Tunnel - ging es im Arbeitskreis auch um mehr Radwege in und mehr Parkplätze am Rand der Stadt. Denn man sei sich einig "es gibt zu viel Blech in Ebersberg".

Zu dem Thema gab es auch Beiträge der Ebersberger. So stellte Jutta Bethmann den Antrag, in der Altstadtpassage überdachte Fahrradständer einzurichten. Dies wurde ohne Gegenstimmen von den Versammlungsteilnehmern beschlossen, nun muss sich der Stadtrat mit dem Thema befassen. Barbara Otter wünschte sich die Einrichtung von Kurzzeitparkplätzen an der Bahn. Solche habe der Schienenkonzern bereits vor drei Jahren einrichten wollen, so Brilmayer, allerdings sei seitdem nichts mehr passiert. "Mit der Bahn zu tun zu haben, ist eine ganz besondere Erfahrung", meinte Brilmayer, auch auf die Frage von Bettina Goldner, ob die Stadt nicht das alte Bahnhofsgebäude mit dem seit Jahren leer stehenden Kiosk kaufen könne. Dies habe man vor gut 15 Jahren schon einmal versucht, damals habe die Bahn aber nicht verkaufen wollen. Aber, so Brilmayer weiter, es könne sich lohnen, mal wieder nachzufragen. Allerdings ist davon auszugehen, dass dies auch eine Aufgabe für den neuen Bürgermeister werden dürfte, für die es, bei Erfolg, vielleicht in einigen Jahren ebenfalls Applaus auf einer Bürgerversammlung gibt.

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