Bürgerprotest wegen Neubaugebiet Immer schön locker bleiben

Anwohner des neuen Baugebiets "In den Reuten III" fordern weniger dichte Bebauung und erwägen Klage vor Gericht

Von Philipp Schmitt, Hohenlinden

Das umstrittene Baugebiet "In den Reuten III" wird möglicherweise ein Fall für die Justiz. Einige mit der Planung unzufriedene Anwohner überlegen, ob sie in den kommenden Wochen eine Normenkontrollklage in die Wege leiten. Dies könnte, so das Gericht die Klage annimmt, einen zumindest zeitweiligen Baustopp zur Folge haben, derzeit laufen in dem Gebiet bereits die Erschließungsarbeiten.

Insgesamt 16 Parzellen umfasst das neue Baugebiet "In den Reuten III" in der Nähe der kommunalen Entlastungsstraße (B12). Darüber wie dort gebaut werden soll gibt es seit geraumer Zeit offene Fragen und Differenzen zwischen einigen Anwohnern und der Gemeinde - die sich nun auf den Zeitplan auswirken könnten. Auch ein von den Nachbarn aus der Ahornstraße gewünschtes Gespräch mit Bürgermeister Ludwig Maurer (ÜWH) hat die Lage offenbar nicht entspannt - die Anwohner erwägen nun zu klagen. Was in Hohenlinden ein Novum wäre: "Wir diskutieren derzeit noch, ob wir das machen sollen oder nicht", sagte dazu Helge Puhlmann im Gespräch mit der Ebersberger SZ. Er, Markus Neumeier und Andreas Weinberger teilten mit, dass die direkt angrenzenden Nachbarn einen etwas größeren Abstand der neuen Gebäude zu ihren Häusern und kleinere Baukörper im Neubaugebiet für angemessener halten als die derzeitige Planung. Sie betonten aber, dass sie nicht gegen das Baugebiet "In den Reuten III" sind: "Uns war immer klar, dass hier irgendwann gebaut wird, wir sehen die Notwendigkeit, aber aus unserer Sicht sind eben noch Nachbesserungen erforderlich.

Es wäre toll, wenn die Baukörper verkleinert und zum Wohle der Anwohner um einen Meter weiter weggerückt werden könnten", hieß es. Beim Gespräch im Rathaus mit dem Gemeindechef und den Rechtsanwälten beider Seiten seien aber dazu von der Gemeinde keine Zugeständnisse gemacht und kein "Kompromissvorschlag" ins Spiel gebracht worden, das Gespräch sei deshalb aus Sicht der Anwohner "enttäuschend verlaufen".

Ludwig Maurer sagte dazu auf Anfrage, dass die Gemeinde an den bisherigen Planungen festhalte und mit Juristen "die in der Frist von den Anliegern eingegangenen Anregungen" derzeit abarbeite. Gravierende Änderungen seien nicht geplant. Die Höhe der neuen Baukörper und die Abstände zu bestehenden Häusern der Ahornstraße werde derzeit nicht in Frage gestellt, die geplante relativ dichte Bebauung sei zeitgemäß. Die Erschließungsarbeiten laufen indes weiter. Nach Abschluss der Modifizierung des Bebauungsplans und der juristischen Überprüfung werde "In den Reuten III" im Sommer erneut im Gemeinderat zur Sprache kommen.

Maurer räumte ein, dass es Verzögerungen im Hinblick auf die geplante Ausschreibung und dem Verkauf von Bauparzellen bis zur Rechts- und Planungssicherheit gibt. Er wies darauf hin, dass bauwillige Bürger möglichst schnell "In den Reuten III" bauen wollen. Sollten die Anwohner die angedrohte Normenkontrollklage in die Wege leiten, wäre dies in der Gemeinde "ein Novum" verbunden mit Unwägbarkeiten und weiteren möglichen Verzögerungen, räumte Maurer ein.

Beatrice Huber vom Bauamt teilte mit, dass "die Unterlagen momentan zur Ausarbeitung beim Rechtsanwalt sind, es gibt derzeit noch keine neuen Erkenntnisse. Die Anwälte gucken jetzt noch alles durch, was wir noch machen können, dann geht es im Juli oder August an den Gemeinderat, und dann folgt noch einmal eine Auslegung". Der Zeitplan für die ursprünglich im Sommer geplanten Ausschreibungen für Bauland für Einheimische könne aber nicht mehr eingehalten werden, sagte die Leiterin des Bauamts. Mit der Folge, dass auch die Kämmerin nicht weiß, wann mit Einnahmen aus Grundstücksverkäufen gerechnet werden kann. Zudem sind nach Forderungen des Landratsamtes im Baugebiet nun umfassendere und deshalb kostenintensive Lärmschutzmaßnahmen nötig. Konkret geht es um eine höhere und längere Schutzwand entlang der B12.

Vor finanziellen Risiken bei dem Projekt hatte Zweiter Bürgermeister Thomas Riedl (CSU) kürzlich im Gemeinderat gewarnt. So brauche etwa der Sportverein finanzielle Unterstützung beim Bau des Kunstrasenplatzes und der Modernisierung des Vereinsheims.