Kommunalwahl im Landkreis EbersbergZäsur in fünf Rathäusern

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Während in der Stadt Ebersberg der Amtsinhaber wieder antritt, müssen sich die Einwohner von fünf Gemeinden auf jeden Fall auf neue Bürgermeister einstellen.
Während in der Stadt Ebersberg der Amtsinhaber wieder antritt, müssen sich die Einwohner von fünf Gemeinden auf jeden Fall auf neue Bürgermeister einstellen. Peter Hinz-Rosin
  • In fünf Gemeinden des Landkreises Ebersberg treten die amtierenden Bürgermeister bei den Kommunalwahlen nicht mehr an.
  • Vier Bürgermeister gehen aus Altersgründen, einer findet, nach zwei Amtsperioden sei ein Generationswechsel nötig.
  • Betroffen sind die Gemeinden Aßling, Forstinning, Frauenneuharting, Oberpframmern und Pliening.
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In den Gemeinden Aßling, Forstinning, Frauenneuharting, Oberpframmern und Pliening treten die amtierenden Bürgermeister zu den Kommunalwahlen nicht mehr an. Vier gehen aus Altersgründen, einer findet, zwei Amtsperioden seien genug.

Von Alexandra Leuthner

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Andreas Lutz (parteilos), Oberpframmern

Extrem geräuschlos hat Bürgermeister Andreas Lutz im Örtchen Oberpframmern gewirkt – und seine Nachfolge ist bereits gesichert. Lutz war schon 2014 als Nachfolger von Theo Rottmayer (FW) ohne Gegenkandidaten angetreten, 2020 unterstützte den Parteifreien neben der CSU auch die Freie Liste Oberpframmern. Und in diesem Jahr gibt es gleich nur noch eine Gruppierung und einen Kandidaten: die Gemeinsame Liste Oberpframmern und Korbinian Heinzeller.

Andreas Lutz hat das Oberpframmerner Rathaus zwölf Jahre lang geleitet.
Andreas Lutz hat das Oberpframmerner Rathaus zwölf Jahre lang geleitet. Peter Hinz-Rosin

Dass der dann auch den Vorsitz im Oberpframmerner Turn- und Sportverein von Lutz übernimmt, ist ausgemacht. „Mein Vorgänger beim TSV war ebenfalls Erster Bürgermeister“, kommentiert Lutz mit Achselzucken. Alles eine Sache der Kontinuität. Lutz war vor dem Wechsel ins Rathaus 35 Jahre lang Leiter der örtlichen Raiffeisenbank gewesen – die sein Vater aufgebaut hatte.

Den Sportfunktionär – seit 48 Jahren ist Lutz in der TSV-Vorstandschaft – will der Großvater von vier Enkeln jetzt aktiv hinter sich lassen: Beim Radeln und Joggen, auf dem Tennisplatz; vielleicht gehe auch noch mal der eine oder andere kleine Triathlon. In den vergangenen zwölf Jahren habe es oft nur für eine schnelle Radltour am Abend gereicht. „Ich habe das so empfunden, als Bürgermeister steckst du dich am Starkstrom an und dann stehst du immer unter Strom.“ Und doch: Eine extrem schöne Zeit sei das gewesen, in der unter anderem eine Kinderkrippe, eine Aussegnungsstätte, der lang ersehnte Radlweg nach Harthausen im Nachbarlandkreis München und zwei Baugebiete entstanden seien. Aber jetzt sei es gut. „Ich hab’ mit 15 angefangen zu arbeiten, jetzt bin ich 67. Ich bin der Meinung, dass es nach zwei Amtszeiten einen Wechsel braucht.“

Roland Frick, CSU (Pliening)

Roland Frick hat 30 Jahre Kommunalpolitik für seine Wahlheimat Pliening gemacht – für ihn der beste Ort zum Leben.
Roland Frick hat 30 Jahre Kommunalpolitik für seine Wahlheimat Pliening gemacht – für ihn der beste Ort zum Leben. Peter Hinz-Rosin

Roland Frick macht nicht den Eindruck, als wolle er demnächst die Plieninger Rathausschlüssel abgeben, sauber geordnete Akten stapeln sich auf seinem Schreibtisch. „Wir müssen den Haushalt abschließen, nächste Woche ist Finanzausschuss.“ Alles wie gehabt also? „Ich arbeite bis zum Schluss.“ Am 30. April endet offiziell die Amtsperiode der amtierenden Bürgermeister, „da leite ich meine letzte Sitzung. Und um Mitternacht ist es dann vorbei“.

Zwölf Jahre war Frick Gemeinderat für die CSU, zwölf Jahre Vize-Bürgermeister, bevor der Kriminalhauptkommissar und Diplom-Verwaltungswirt 2014 zum Rathauschef gewählt wurde. Geboren ist Frick in Würzburg, Mitte der 70er-Jahre kam er nach München, zog erst nach Parsdorf, später nach Pliening. Er sei gern Bürgermeister gewesen, wie zuvor Polizist – zuletzt als Leiter des Kriminaldauerdienstes in Erding. Über seine Bürgermeisterzeit sagt er: „Es war mir eine Ehre, 30 Jahre lang für meine Gemeinde tätig zu sein.“ In seine Amtszeit fällt unter anderem der Umbau und die Rettung der alten Schule Gelting, ein Neubaugebiet für Familien in Landsham, eine Wohnanlage für Senioren und Familien.

Gern hätte er auch die Erneuerung der Plieninger Grundschule geschafft, aber es sei Zeit für einen Generationswechsel, nicht zuletzt, weil er manche Veränderungen nicht mehr mitmachen wolle. „Das Digitale ist nicht meine Welt“, sagt Frick – und der Blick auf die politische Großwetterlage „mit einem Kriegsverbrecher in Russland, einem Dealmaker in Amerika“, mit nationalistischen Politikern wie Viktor Orbán in Ungarn – wo Frick seit Jahrzehnten ein Haus hat –mache ja nichts besser. „Es ist gut, wenn ich gehe.“ Er freue sich auf längere Urlaube mit seiner Frau – ohne die er, wie er betont, seine beiden Berufe nie hätte ausüben können. Außerdem sei Anfang Februar sein vierter Enkel geboren, „da ist was zu tun“.

Rupert Ostermair (CSU), Forstinning

Rupert Ostermair kandidiert nach zwölf Jahren aus privaten Gründen nicht mehr als Bürgermeister für Forstinning.
Rupert Ostermair kandidiert nach zwölf Jahren aus privaten Gründen nicht mehr als Bürgermeister für Forstinning. Peter Hinz-Rosin

Am Ende von zwei Amtsperioden wird auch Forstinnings Bürgermeister Rupert Ostermair nicht mehr kandidieren. Der 47-Jährige verweist auf private Gründe. Missen möchte er die Erfahrung allerdings nicht. „Es ist schon eine schöne Aufgabe“, sagt der Christsoziale. Auch wenn sie ihn rund um die Uhr beschäftigt habe – und hin und wieder auch aufgeregt.

Da sei etwa die Schließung der einzigen Apotheke am Ort gewesen. „Da gab es Proteste, aber da sind uns als Gemeinde die Hände gebunden.“ Er habe besonders Corona als Zeitenwende empfunden, sehe eine zunehmende Schnelllebigkeit in den politischen Entscheidungen. Es werde immer mehr an die Gemeinden delegiert, was immer schneller umgesetzt werden solle, egal ob Ganztagsbetreuung oder „Bau-Turbo“.

Gefreut habe er sich immer über den Kontakt zu den Bürgern, über Eheschließungen, die neue Partnergemeinde Escorca auf Mallorca, auch darüber, zwei Baugebiete und den Radweg nach Anzing auf den Weg gebracht, das Sportheim erneuert zu haben. Stolz sei er auf das Integrierte Stadterneuerungskonzept, über das der Gemeinderat noch in seiner Amtszeit in diesem März entscheiden soll.

Eduard Koch (parteilos), Frauenneuharting

Eduard Koch war zwei Amtsperioden lang Bürgermeister von Frauenneuharting.
Eduard Koch war zwei Amtsperioden lang Bürgermeister von Frauenneuharting. Gemeinde Frauenneuharting

Als Eduard Koch 2014 gegen den CSU-Gemeinderat Franz Gschwendtner gewann, war das in der ländlichen 1550-Einwohner-Gemeinde im Landkreissüden zumindest eine kleine Sensation. Der im Sauerland geborene promovierte Mathematiker saß zuvor nicht im Gemeinderat und die Bezeichnung „Saupreiß“ sei ihm durchaus geläufig, scherzt er noch heute. Seit 1988 in Frauenneuharting zu Hause, hätten er und seine Frau aber viele Kontakte geknüpft über soziale und kirchliche Arbeit, über den Musikförderverein, den er gegründet hat und den Fußballverein, in dem er eine Jugendmannschaft trainierte.

Hat er seine Zeit als im Rathaus genossen? Ja, im Grunde habe er als Frührentner – die Firma Siemens hatte ihn im Zuge einer Rationalisierungswelle 2012 in Altersteilzeit geschickt – Hobby und Beruf verbinden können. Und im Gemeinderat seien die wichtigsten Sachen so gelaufen, wie er sich das vorgestellt habe, unter anderem habe man den Glasfaseranschluss für den Ort hinbekommen. Was aber seinen Nachfolger weiter beschäftigen werde, sei die Suche nach einem eigenen Brunnen für Frauenneuharting, das sein Wasser bisher aus Grafing bekommt.

Mit 71 aufzuhören, ist für Koch folgerichtig, nicht nur, weil eine seiner vier Töchter mit einem von zwei Enkeln gerade nach München gezogen ist und es auf dem Bauernhof in Reichenhall, wo seine Frau herstammt, viel zu tun gibt. Sondern auch wegen dieses Gefühls, das er vor zwei Wochen hatte, als ihn Grundschüler im Rathaus besuchten: „Da habe ich gesehen, wir sind schon sehr weit auseinander. Man wächst da raus.“

Hans Fent (parteilos), Aßling

Hans Fent sitzt seit 2013 im Aßlinger Rathaus, jetzt hört er auf.
Hans Fent sitzt seit 2013 im Aßlinger Rathaus, jetzt hört er auf. Gemeinde Aßling, oh

Ein bisschen wie die Jungfrau zum Kind war Hans Fent 2013 ein halbes Jahr vor der regulären Wahl ins Bürgermeisteramt von Aßling gekommen, nachdem sein Vorgänger Werner Lampl gestorben war. Ohne Gemeinderatserfahrung aber mit dem Vorteil, in Aßling geboren und aufgewachsen zu sein – Fents Familie ist seit Generationen in der Gemeinde zu Hause – hatten ihn SPD, Grüne und Freie Wähler als parteilosen Gegenkandidat zu Sebastian Brilmayer (CSU) nominiert. Der Maschinenbautechniker Fent war zuletzt in der Liegenschaftsverwaltung von Siemens Real Estate tätig, ein Job, für den er wöchentlich nach Berlin geflogen sei – „der ökologische Fußabdruck – im Nachhinein eine Katastrophe“.

Umso mehr habe es ihn berührt, sein Betätigungsfeld in seiner Heimatgemeinde mit ihren 33 Ortsteilen zu finden, und nahe dran zu sein an den Menschen und der Natur. Die Planungen für den Brennernordzulauf, der durch Aßlinger Gebiet laufen soll und zunächst mehrere Trassenvarianten vorsah, nennt er, wenn man nach den schwierigen Dingen seiner Amtszeit fragt. „Jede Strecke hatte ja ihre Betroffenheiten, aber was ist am Ende richtig?“ Plötzlich habe es eine Riesendistanz zu manchen Leuten gegeben.

Anderes, wie Schulsanierung oder Kindergartenausbau, sei problemloser gelaufen, „und ich übertreibe nicht, wenn ich sage, 90 Prozent der Abstimmungen sind einstimmig gewesen“. Gewünscht hätte sich Fent, die für Aßling wichtige Kanalertüchtigung zu Ende zu bringen. „Aber dann müsste ich noch 20 Jahre im Amt bleiben“, sagt der 63-Jährige, „und da hat doch die Vernunft gesiegt.“ Mehr Freiheit, mehr Zeit für die Familie und die zwei Enkelkinder, darauf freue er sich. „Ich möchte auch privat noch etwas erleben.“

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