Bürgermeisterwahl Markt Schwaben: Kandidatenporträt:„Ich möchte Markt Schwaben nicht umkrempeln“

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Bürgermeisterkandidatin Walentina Dahms (CSU) sieht es als Stärke für Markt Schwaben, dass sie auch Kreis- und Bezirksrätin ist. (Foto: Vera Wagenpfeil/oh)

Walentina Dahms ist Vizebürgermeisterin, Kreis- und Bezirksrätin. Hier spricht sie über die Zukunft des Marktes, Frauen in der Politik und darüber, ob sie bald auf Tiktok zu sehen ist.

Von Merlin Wassermann, Markt Schwaben

Walentina Dahms muss das Telefonat verschieben. Ein Treffen mit den Führungskräften der Verwaltung im Rathaus ist dazwischengekommen. Seit einiger Zeit nämlich vertritt die Vizebürgermeisterin Markt Schwabens den abgetretenen Michael Stolze (parteilos) als Rathauschefin. Wie sie das findet? „Es macht viel Spaß, für Markt Schwaben zu arbeiten“, sagt Dahms. Schließlich mache sie das nicht zum ersten Mal, sie habe Stolze schon mehrmals vertreten. Und nun würde sie das Amt gerne dauerhaft innehaben.

Die CSUlerin, die auch die Kandidatin von FDP und Freien Wählern ist, arbeitet generell gerne und viel. Neben ihrer Position im Gemeinderat ist Dahms auch Kreisrätin und Bezirksrätin, zwei Ehrenämter, die die 47-Jährige durchaus im Einklang mit dem Bürgermeisterinnenamt sieht. „Ich habe zum Beispiel im Kreistag immer gegen eine Erhöhung der Kreisumlage gekämpft“, sagt sie, damit Markt Schwabens angespannte Finanzlage nicht noch verschärft würde. In Zukunft wolle sie alle kommunalen Ebenen für den Markt nutzen und sich auf das Amt als Bürgermeisterin konzentrieren.

Das unterscheide sie auch von ihrem Gegenkandidaten Ronny Schreib. In dessen Wahlkampf sehe sie viele globale Themen, die eher auf Landkreisebene angegangen werden müssten. Dahms aber legt den Fokus auf die Arbeit vor Ort, im Markt, und stellt sich dabei als Bewahrerin von Kontinuität dar.

Dahms war es wichtig, ihre Familie in die Entscheidung einzubeziehen

Doch auch jenseits der Politik gibt sich Dahms zielstrebig und ambitioniert. Gemeinsam mit ihrem Mann führt sie die Firma Dahms Solutions GmbH, die anderen Unternehmen bei der Digitalisierung ihrer Logistik hilft. An ihrem Beruf schätze sie am meisten, selbständig gestalten und an immer neuen Zielen wachsen zu können. Im Falle einer Wahl würde sie die Geschäftsführung jedoch aufgeben.

Ob ihr Mann im Betrieb auch alleine klarkommen würde? „Meine Familie unterstützt mich zu einhundert Prozent“, sagt Dahms. Es sei ihr wichtig gewesen, sie in die Entscheidungsfindung einzubeziehen. Neben ihrem Mann und ihren beiden erwachsenen Kindern gehört zur Familie auch die Schweizer Sennenhündin Gusti, mit der Dahms in ihrer kostbaren Freizeit gerne im Forst unterwegs ist. Ansonsten verbringt sie gerne Zeit im Fitnessstudio – „zurzeit aber nicht so viel, wie ich sollte“, gesteht sie.

Die Politik könnte mehr von der Sichtweise von Frauen profitieren, so Dahms

Bei so einer Powerfrau überrascht es vielleicht, dass die Motivation, in die Politik zu gehen, nicht in erster Linie aus dem Anspruch erwuchs, etwas zu verändern. „Ich habe damals ein paar Entscheidungen des Gemeinderats nicht verstanden“, sagt sie. Also wollte sie sich die Sache von innen anschauen. Die CSU wurde auf sie aufmerksam, 2014 kandidierte sie das erste Mal für den Gemeinderat, 2020 wurde sie hineingewählt, seitdem ist sie auch Zweite Bürgermeisterin.

Betonung auf „-in“, denn Walentina Dahms findet es wichtig, dass die Sichtweisen der Frauen in die Politik einfließen. „Eine gute Mischung ist wichtig“, sagt sie. Oft sei es so, dass bei politischen Veranstaltungen deutlich mehr Männer im Raum seien als Frauen, ein paar Mal – allerdings nicht in Markt Schwaben – habe sie auch schon Sprüche gehört wie: „Was sollen die Frauen hier?“

Bei manchen Themen sei jedoch sofort klar, dass Frauen nicht an der Entscheidungsfindung beteiligt waren. „Die unebenen, großen Pflastersteine“, gibt Dahms als Beispiel. „Die kann sich nur ein Mann ausgedacht haben.“ Für einen barrierefreien Fußgängerverkehr mit Kinderwagen oder Rollator seien diese nämlich Gift.

Dahms kann sich eine Art Jugendparlament gut vorstellen

Alles in allem aber fühlt sich Dahms wohl in Markt Schwaben. Wie ihr Gegenkandidat wohnt sie seit 2003 in der Marktgemeinde. Sie begrüßt, dass die Bürgerinnen und Bürger seit damals aktiver geworden sind, eine negative Entwicklung kommt ihr spontan nicht in den Sinn. Vieles habe sich seitdem aber schlicht nicht verändert, was Dahms nicht schlecht findet. „Ich möchte Markt Schwaben nicht umkrempeln“, sagt sie.

Was nicht heißt, dass es nichts zu tun gäbe. Mit den Projekten, die der Markt am Laufen hat, würde es ihr „nicht langweilig“ werden, sagt Dahms: das Schulzentrum, das integrierte Stadtentwicklungskonzept, der Hochwasserschutz und die fortschreitende Digitalisierung der Verwaltung stünden oben auf der Liste.

Walentina Dahms möchte sich in Markt Schwaben für mehr Barrierefreiheit einsetzen: ein durchaus weibliches Thema, aus ihrer Sicht. (Foto: Christian Endt)

Hinzu kommt die Integration der Geflüchteten, die in die Unterkünfte am Ziegelstadel und am Hanslmüllerweg ziehen werden. Sie wünscht sich dabei Integration „von beiden Seiten“ – und will sich nicht missverstanden wissen: Die menschliche Komponente sei dabei natürlich wichtig, aber sie wolle einen Plan haben, wie die anstehenden Aufgaben zu bewältigen seien. Dafür wolle sie sich auch kurzfristig mit dem Landratsamt zusammensetzen, als überregional vernetzte Politikerin habe sie solche Gespräche bereits anberaumt.

Neben den neuen Bürgern aus dem Ausland möchte sich Dahms aber auch weiter für die neuen Bürger aus dem Inland, sprich: die Jugend, einsetzen. Sie habe sich sehr gefreut, als Markt Schwaben für das Projekt „Jugend entscheidet“ ausgewählt wurde und möchte auch in Zukunft solche Projekte anstoßen. Auch eine Art Jugendparlament kann sie sich vorstellen. „Die Fluktuation bei jungen Menschen ist hoch“, sagt sie. „Aber wenn ein Signal kommt, dass man sich das wünscht, mache ich das sofort.“

Tik-Tok-Videos aus dem Rathaus wird man aber vermutlich nicht so schnell sehen – oder doch? „Ich habe das im vergangenen Jahr schon fast geschafft zu lernen“, erzählt Walentina Dahms. Eine Freundin der Tochter habe ihr einen Crashkurs angeboten, am Ende sei sie nur nicht mutig genug gewesen. „Aber vielleicht klappt das ja noch.“

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