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Bücherstube Slawik in Grafing:Wenn nichts klingt wie zuvor

Veronika Fischhaber aus Ebersberg 
hörgeschädigt
Jugendvertreterin im Chochlea Implantat Verband

Veronika Fischhaber aus Ebersberg engagiert sich für Hörgeschädigte, nun hat sie eine Lesung organisiert.

(Foto: privat)

Inklusive Krimilesung zum Thema Hörverlust

Zu telefonieren koste sie jedes Mal Überwindung, sagt Veronika Fischhaber. "Aber in ruhigen Situationen geht es schon." Die 24-Jährige wuchs mit einer mittelgradigen Schwerhörigkeit auf, mittlerweile liegt beidseitig eine an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit vor. Dass die Ebersbergerin sich trotzdem unterhalten kann, sogar am Telefon, ist einem Implantat und einem Hörgerät zu verdanken. Um anderen Menschen zu vermitteln wie es ist, hörgeschädigt zu sein, hat Veronika Fischhaber zusammen mit ihrer Familie nun eine ganz besondere, inklusive Lesung organisiert: Am Dienstag, 22. Oktober, kommt Ilka Dick in die Bücherstube Slawik in Grafing, um ihren neuen Krimi vorzustellen. Darin geht es freilich um einen Mord, aber auch um das Thema Hörverlust, denn die Autorin kennt sich damit bestens aus. "Der stille Koog" lautet denn auch der Titel ihres Romans.

Ilka Dick, 1972 in Lüneburg geboren, studierte Lehramt für Sonderschulen in Hamburg und Bremen. Heute lebt die Autorin mit ihrer fünfköpfigen Familie in einem Dorf im Herzen Schleswig-Holsteins und ist seit vielen Jahren als Sonderschullehrerin für Hörgeschädigte tätig - eine Expertise, die sie in ihren zweiten Krimi hat einfließen lassen. Dass sie nun für vier Lesungen nach Bayern kommt, ist einer Einladung von Veronika Fischhaber und dem Cochlea Implantat Verband zu verdanken, in dessen Vorstand sich die Ebersbergerin als Jugendvertreterin engagiert. "Dort hat es sich recht schnell herumgesprochen, dass es eine Autorin wie Ilka Dick gibt", sagt sie, und dass sie Buchhändlerin Catherina Slawik sehr dankbar sei für die unkomplizierte Kooperation.

Die Protagonistin von "Der stille Koog", Marlene Louven, ist Kriminalhauptkommissarin und erleidet aufgrund einer Hirnhautentzündung einen Hörsturz. Dank Implantaten kann sie zwar bald wieder hören, doch nichts klingt mehr wie zuvor. Hinauskatapultiert aus ihrer vertrauten Welt, sucht sie Zuflucht bei ihrer Schwester, die in einem abgeschiedenen Koog nahe Büsum lebt. Doch von Idylle keine Spur, der Bürgermeister der kleinen Gemeinde wird erschlagen aufgefunden. Unversehens steckt Marlene mitten in den Ermittlungen. Ihre Nachforschungen holen sie zurück ins Leben - und bringen sie gleichzeitig in tödliche Gefahr...

Für Veronika Fischhaber ist dieser Roman von Ilka Dick ein Glücksfall, eben gerade weil er es jedem Leser möglich macht, einzutauchen in die Gedanken- und Gefühlswelt einer Hörgeschädigten. "Und weil er klar macht, dass es jeden jederzeit treffen kann", sagt die 24-Jährige. Ihr ist es ein Anliegen, die breite Bevölkerung über das Thema Hörverlust zu informieren und dafür zu sensibilisieren - "aber ein Fachbuch nimmt wohl kaum jemand einfach so zur Hand". Deshalb sei "Der stille Koog" so wertvoll.

Und ist nicht gerade für Menschen, denen die verbale Kommunikation schwer fällt, das Lesen ein höchst willkommener Weg zum Austausch und in die Welt der Geschichten? "Naja, grundsätzlich schon", sagt Fischhaber, "aber die Gebärdensprache hat eine ganz eigenständige Grammatik, weswegen Menschen, die auf diese Weise kommunizieren, oft Schwierigkeiten haben, geschriebene Texte nachzuvollziehen". Die Ebersbergerin selbst zählt indes nicht zu dieser Gruppe: Bei ihr funktionieren die technischen Hilfsmittel so gut, dass sie lautsprachlich kommuniziert. Seit 2017 studiert Fischhaber Kindheitspädagogik in Eichstätt, an der kleinsten Uni Bayerns, von deren "überschaubaren Strukturen" sie als Hörgeschädigte durchaus profitiere.

Damit auch Betroffene der Lesung von Ilka Dick folgen können, stellt die VHS ihre mobile Hörfunkanlage zur Verfügung. Im Anschluss sind die Gäste eingeladen zu einem Austausch mit der Autorin und Veronika Fischhaber.

Krimilesung mit Ilka Dick für hörgeschädigte und alle anderen Krimifans am Dienstag, 22. Oktober, um 19.30 Uhr in der Bücherstube Slawik in Grafing. Der Eintritt ist frei, um Reservierung unter (08092) 10 15 wird gebeten.