Brummton in Steinhöring Betroffene müssen Untersuchung mitzahlen

Alois Hofstetter findet die Beteiligung der Betroffenen an den Kosten in Ordnung, "das ist ja in ihrem Interesse".

(Foto: Endt)

Ein neues Gutachten soll Aufschluss über den ominösen Brummton in Steinhöring geben. Der Gemeinderat will die Bürger mit bis zu 22 500 Euro an den Kosten beteiligen

Von Anselm Schindler, Steinhöring

Dicke Luft in Steinhöring: Als "bodenlose Frechheit" bezeichnet Sighart Seidel den einstimmigen Beschluss des Gemeinderates, einen Teil der Kosten für Bodenmessungen rund um den viel diskutierten Brummton auf die betroffenen Bürger abzuwälzen. Sie müssen bis zu 22 500 Euro selbst aufbringen. "Die arbeiten eh mit unseren Steuern", schimpft Seidel. "Wieso sollen wir da noch mal draufzahlen?"

Seit Langem klagen Bürger in der Gemeinde über Kopfschmerzen, Übelkeit und Schlaflosigkeit. Schuld daran ist ein mysteriöses Brummen, für das, wie viele Bürger meinen, entweder die Transalpine Oelleitung GmbH (TAL) oder der Mineralölkonzern OMV verantwortlich sein soll. Bereits im Juni und Juli gab es Messungen bei Betroffenen, dabei seien die nächtlichen Grenzwerte um 50 Hertz überschritten worden, erklärt Sighart Seidel, der selbst Betroffener ist. Den Verursacher des Brummens konnte die Messung jedoch nicht ermitteln. Die beiden Firmen streiten einen Zusammenhang zwischen ihrem Betrieb und dem Brummen ab.

Bis zu 90 000 Euro sollen die Untersuchungen kosten

Klarheit soll ein neues Gutachten schaffen, doch das wird wohl teuer. Am Dienstagabend wurde im Steinhöringer Gemeinderat über das weitere Vorgehen beratschlagt. Der Sitzungssaal war voller als sonst: Rund 20 betroffene Bürger waren gekommen. Die Zahl 90 000 steht im Raum, so viel sollen die Untersuchungen höchstens kosten, überwacht werden sie vom Landesamt für Umweltschutz (LfU). "Ob es wirklich so teuer wird, weiß man nicht", sagt Bürgermeister Alois Hofstetter (CSU), "das ist ja nur die Obergrenze".

Die Hälfte der Kosten wird der Landkreis tragen, ein Viertel die Kommune Steinhöring und den Rest die betroffenen Bürger selbst. Und daran scheiden sich die Geister. Mehr als 100 Bürger haben sich vor dem Beschluss auf Unterschriftenlisten als Betroffene des Brummtons eingetragen. Diese Bürgern sollen, geht man von 90 000 Euro aus, insgesamt rund 22 500 Euro auf den Tisch legen, "das ist ja in ihrem eigenen Interesse", argumentiert Hofstetter: "An ihrer Stelle würde ich das auch zahlen."

Rund 225 Euro wären das pro Betroffenem. Für Menschen, die wenig Rente bekommen, ist das "ein Haufen Geld", findet Helga Stettwieser. Die Rentnerin leidet selbst unter dem Brummen, klagt über unruhige Phasen, stark wechselnden Blutdruck und Schweißausbrüche. Mit ihrem Alter habe das aber nichts zu tun, das habe sie auch von einem Arzt bestätigt bekommen, betont sie: "Als ich nach Steinhöring gezogen bin, ging es los."

"Da treibt jemand den Preis hoch", fürchten Betroffene

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Es sei gut, dass die Problematik jetzt endlich angepackt werde, findet ihr Mann Johann. Doch ganz zufrieden sind die beiden nicht: "Ich finde, der Verursacher sollte die Untersuchungen zahlen, zumindest im Nachhinein", ärgert sich Helga Stettwieser. Und auch über die hohen Kosten der Untersuchungen herrscht Unmut. "Da treibt jemand den Preis hoch", ist sich Sighart Seidel sicher. Er befürchtet, dass die verantwortlichen Firmen die Untersuchungen torpedieren.

Vor dem Rathaus haben sich nach dem Ende des öffentlichen Teils der Gemeinderatssitzung einige betroffenen Bürger versammelt, so wie die Stettwiesers sehen das viele im Ort. Die meisten Betroffenen werden wohl trotzdem ihren Anteil an den Untersuchungskosten zahlen, wenn auch zähneknirschend. So zumindest schätzt man die Lage im Gemeinderat ein.

Ob diese Bürger ihr Geld zurückbekommen, wenn die Untersuchungen einen Verantwortlichen für das Brummen ausfindig machen? "Das kann man jetzt noch nicht sagen", sagt Bürgermeister Alois Hofstetter. "Das hängt auch von den Messwerten ab".

Erst wenn die Bürger bezahlt haben, geht der Auftrag raus

Denn wenn ein Schuldiger für den Brummton gefunden wird, die Messwerte aber die zugelassene Obergrenze nicht überschreiten, dann passiert nichts. Diese Befürchtung teilen auch einige Gemeinderäte. "22 000 Euro haben wir ja schon in den Sand gesetzt", sagt Martin Bürgmayr (CSU) mit Blick auf die bereits erfolgten Untersuchungen, die den Verursacher des Brummens nicht ausfindig machen konnten.

Jetzt liegt es erst einmal an den Bürgern: Innerhalb von vier Wochen sollen sie ihren Beitrag zahlen. Erst dann soll die Untersuchung in Auftrag gegeben werden. Geht der Plan auf, dann könnten "bis Ende Mai die Ergebnisse da sein", erklärt Hofstetter.