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Brucker Trinkwasser:Vergiftetes Klima

Johann Auberger aus Bruck ist der Durst auf Leitungswasser vergangen.

(Foto: Christian Endt)

Im Brucker Trinkwasser sollen überhöhte Glyphosat-Rückstände gemessen worden sein. Das verärgert sowohl viele Bürger als auch den Bürgermeister und die Landwirte. Die Schuld weist man sich gegenseitig zu.

Für Johann Auberger ist es ein Skandal. Als die Verwaltungsangestellte in der Juni-Sitzung des Brucker Gemeinderats verlas, dass die Gemeinde die Sommermessung des Trinkwassers ohne Glyphosatmessung durchführen werde, wurde er skeptisch. Erst im Herbst sollte das Wasser wieder auf Rückstände des Pflanzengifts geprüft werden. Das umstrittene Herbizid, das die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als wahrscheinlich krebserregend einstuft, wird vor allem im Frühsommer stark verwendet, nach Aubergers Wissen auch in Bruck.

"Eine Messung unseres Trinkwassers erst dann vorzunehmen, wenn die Werte bereits wieder gesunken sind, wir also den ganzen Sommer schon, ohne es zu wissen, stark belastetes Wasser getrunken haben, ist nicht akzeptabel und erfüllt uns mit Angst und Wut", sagt er. Der Familienvater und eine befreundete Familie aus Bruck beschlossen deshalb kurzerhand, eine solche Messung, die lediglich 80 Euro koste, selbst zu beauftragen und entnahmen an einem Wasserhahn im Gemeindegebiet - nicht am eigenen - eine Probe.

Um diesen Befund geht es.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Nun liegen die Ergebnisse des Testlabors "BioCheck" aus Leipzig vor, das der Bund Naturschutz den Familien empfohlen hatte. Demnach liegt der Glyphosat-Wert bei 0,12 Mikrogramm/Liter und damit über dem Grenzwert der Trinkwasserverordnung von 0,10 Mikrogramm/Liter.

Johann Auberger hat am Sonntag 450 Flugzettel an die Haushalte in der Gemeinde verteilt, um seine Mitbürger über die Trinkwasserbelastung zu informieren. Bei der reinen Information beließ er es allerdings nicht, hat er für sich doch längst den Schuldigen ausgemacht: Bürgermeister Josef Schwäbl (CSU).

Trinkwasseruntersuchung

Nicht in allen Gemeinden wurde bereits auf Glyphosat-Rückstände gemessen. Die Unternehmer einer Wasserversorgungsanlage sind nach der Trinkwasserverordnung verpflichtet, das Wasser auf die Pflanzenschutzmittel zu untersuchen, deren Vorhandensein im betreffenden Wassereinzugsgebiet wahrscheinlich ist. Eine schwer zu definierende Grauzone, weshalb das Gesundheitsamt für jedes Wasserversorgungsgebiet ein eigenes Messprogramm erstellt hat. Grundlage hierfür war eine Aufstellung zu den im jeweiligen Gebiet angebauten Kulturen. Seit April sind die Wasserversorger nun verpflichtet, im Rahmen der umfassenden Trinkwasseruntersuchung, mindestens also einmal im Jahr, auch auf Rückstände von Glyphosat zu messen. Vier Wasserversorger haben ihr Trinkwasser bereits 2015 freiwillig auf Glyphosat untersucht: Oberpframmern, Baldham, Ebersberg und Glonn. Sechs weitere haben bereits in diesem Jahr Ergebnisse an die Gesundheitsbehörde übermittelt: Hohenlinden, Steinhöring, Glonn-Süd, München-Ost, Kirchseeon und Buch. Alle Befunde lagen unterhalb des Grenzwerts.frie

Per Flugblatt warnt Auberger vor Unruhen

Auf Aubergers Flugblatt heißt es: "Wenn eine Glyphosatmessung für den Herbst angesagt wird, ist der Gemeindeführung klar, dass dieses Problem existiert." Er spekuliert weiter, dass es dafür nur zwei Gründe geben könne: "Unwissenheit", welche er auf den Flyern mit den Worten "schwer zu glauben" kommentiert und "Angst vor (berechtigter) Unruhe in der Bevölkerung".

Letztere hat Auberger zweifellos ausgelöst. Eine Bürgerin habe sich am Montagmorgen bei ihm erkundigt, ob sie denn nun ihr Frühstück noch essen könne, andere kündigten an, künftig nicht mehr das Wasser aus dem Hahn trinken zu wollen. Johann Auberger selbst benutzt zum Kochen und Trinken nur noch stilles Mineralwasser aus dem Supermarkt. "Das kann aber nicht die Lösung sein", sagt der 52-Jährige. Er sieht den Bürgermeister in der Pflicht, auf die Landwirte einzuwirken, Glyphosat nicht mehr zu verwenden.

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