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Vorstöße in Bruck und Moosach:Ein zweites Windrad für den Landkreis Ebersberg

Windrad Hamberg - der erste Flügel wird montiert.

Ende 2016 wurde in Hamberg bei Bruck das erste Windrad des Landkreises montiert, ein zweites ist in der Gemeinde nun beantragt.

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

Bürger aus Bruck und Moosach setzen sich für eine Anlage auf der Grenze zwischen beiden Ortschaften ein. Es gibt bereits einen groben Standort.

Seit Jahren wird über den Ausbau der Windenergie in der Region diskutiert. Nun gibt es eine konkrete Idee für ein zweites Windrad im Landkreis Ebersberg. Ende der Woche wurde bekannt, dass sich Bürger aus den Nachbargemeinden Bruck und Moosach für den Bau einer Anlage im Grenzgebiet beider Ortschaften einsetzen. Genauer: In beiden Gemeinden liegen Anträge vor, über die nun die Gemeinderäte entscheiden müssen. In Moosach soll Mitte Februar diskutiert werden. In Bruck steht bereits am Dienstag, 4. Februar, der erste Beschluss an.

Es geht um die Frage, ob und wann der Landkreis Ebersberg eine zweite Windkraftanlage bekommt. Und ob es - wie bei der Premiere des Hamberger Windrads 2016 - erneut auf Brucker Gemeindegebiet entsteht. Konkret wird diese Überlegung wegen Bürgern aus beiden Gemeinden. Diese sehen auf ihren Grundstücken im Grenzgebiet Potenzial, konkret geht es um ein Gebiet "zwischen Fürmoosen und Taglaching", wie aus dem Brucker Antrag hervorgeht. Beantragt wird eine "Änderung des Flächennutzungsplans und Bebauungsplans für ein Windrad".

Eingereicht hat das Papier ein Bürger aus dem Ortsteil Taglaching, stellvertretend für eine Gruppe, die Grund im Grenzgebiet besitzt. Ähnlich ist die Situation im Moosacher Ortsteil Fürmoosen, auch dort ist ein gemeinsamer Antrag formuliert worden und soll laut Moosachs Bürgermeister Eugen Gillhuber (CSU) in der Sitzung am 17. Februar Thema werden. In welcher Form, sei noch nicht entschieden, so Gillhuber. "Wir werden es auf jeden Fall im Gemeinderat besprechen", erklärt der Bürgermeister. Mehr könne er zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Derzeit, so Gillhuber, gebe es "noch zu wenige Informationen".

Details bringt ein Anruf am Freitag bei Johann Zäuner aus Bruck, ein Kämpfer für Windenergie und seit mehreren Jahren Geschäftsführer des Hamberger Windrads. Zäuner, 45 Jahre alt, fungiert als Berater jener, die nun an der Errichtung des zweiten Windrads interessiert sind. Bei dem betroffenen Gebiet, so Zäuner, handle es sich größtenteils um bewaldetes Areal, "vor allem Fichten", sagt er, zu hundert Prozent in Privathand. Für ein neues Windrad müsste dort seines Sachstands nach geschätzt 2000 Quadratmeter Wald gefällt werden, also ähnlich viel wie beim Hamberger Windrad - da waren es 1800 Quadratmeter Laubmischwald. Wie dort müsste auch die gefällte Fläche an anderer Stelle wieder aufgeforstet werden. Im Faktor 1,2, sodass insgesamt 2400 Quadratmeter Wald nachgepflanzt wird - der dann aber auch erst einmal wieder wachsen muss.

Meist dauert es nicht lange, bis sich Windrad-Gegner zu Wort melden

Das Aufstellen von Windrädern ist eine umstrittene Sache, meist dauert es nicht lange, bis sich die Gegner solcher Pläne zu Wort melden. So ist das fast überall in Bayern, so war es beim Hambacher Windrad, und so wird es auch im jüngsten Fall sein. Davon ist Zäuner überzeugt. Bis ein solches Projekt umgesetzt werden kann, dauert es in aller Regel.

Stand jetzt existiert die Idee - und der Wille der Grundstücksbesitzer. Um diese Idee umzusetzen, müssen nun beide Gemeindegremien, in Bruck wie in Moosach, die sogenannte 10-H-Regelung aushebeln, die im Freistaat Bayern gilt. Sie besagt, dass der Abstand des Standorts zur nächstgelegenen Siedlung mindestens das zehnfache der Höhe des Windrads betragen muss. Bei etwa 200 Metern, wie Zäuner prognostiziert, wären das zwei Kilometer. Der aktuell auserkorene grobe Standort ist jedoch nur etwa jeweils ein Kilometer von Fürmoosen bei Moosach und Taglaching bei Bruck entfernt.

Ein weiterer entscheidender Punkt: Gebaut dürfte eie neue Windkraftanlage nur dann werden, wenn der Standort in die Windrad-Zonen des Landkreises passt. Um dies zu eruieren, ist für Februar ein Treffen im Ebersberger Landratsamt geplant: Unter anderem mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises, und den Bürgermeistern von Moosach und Bruck.

Aus Bruck ist am Freitag zu vernehmen, dass man dort durchaus offen für eine zweite Windkraftanlage wäre, sofern der Bau umsetzbar ist. "Ich möchte da nichts aufhalten", erklärt Brucks Bürgermeister Josef Schwäbl (CSU) am Telefon. Ansonsten äußert er sich bei diesem Thema betont vorsichtig. Zunächst müsse geklärt werden, ob die Pläne überhaupt realistisch sind, so Schwäbl. Darum gehe es in der Beschlussvorlage kommenden Dienstag. Der Gemeinderat, so Schwäbl, solle entscheiden, "ob sich unsere Verwaltung weiter mit dem Thema beschäftigt". Also, ob überhaupt die Möglichkeit eines dritten Windrads geprüft werden soll. Ein ähnliches Prozedere dürfte demnächst dann auch im Moosacher Rathaus anstehen.

© SZ vom 01.02.2020
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