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Brenner-Basistunnel:2016 wird es spannend

Ob der Güterverkehr zum Brenner-Basistunnel durch den Landkreis Ebersberg geführt wird, wird erst der neue Bundesverkehrswegeplan zeigen. Ein Gutachten zum Lärmschutz soll es aber schon vorher geben.

Noch ist unklar, wie stark die Eröffnung des Brenner-Basistunnels sich auch auf den Zugverkehr im Landkreis auswirken wird. Ob künftig der Güterverkehr vom und zum Brenner durch den Landkreis rattert, wird sich voraussichtlich frühestens Ende 2015 oder Anfang 2016 zeigen, wenn der neue Bundesverkehrswegeplan vorliegt. Bahn-Vertreter haben jetzt aber zugesagt, dass es ein neues Gutachten zur Lärmbelastung an der Strecke geben soll. Dabei wird der Gutachter auch in den betroffenen Gemeinden nach Schwachstellen fragen. Das haben Bahn-Vertreter bei einer Veranstaltung des CSU-Bundestagsabgeordneten Andreas Lenz sowie der CSU-Ortsverbände Zorneding und Kirchseeon am Montagabend erläutert.

An manchen Orten, wie hier Aßling, fährt der Zug sehr nah vorbei. Bald könnte der Verkehr noch zunehmen.

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

Mehr als 60 Interessierte waren in den "Neuwirt" in Zorneding gekommen, denn das Thema ist gerade sehr aktuell: Im Inntal hat die Bahn bereits mit dem Dialogverfahren begonnen, dessen Ziel es sei, die beste und verträglichste Trasse für zwei zusätzliche Gleise zum Brenner zu finden, wie Susanne Müller, Projektleiterin für regionale Großprojekte bei der Bahn, erläuterte.

Südlich von Rosenheim werden die Verkehre dann in einem sogenannten "Verknüpfungspunkt", dessen Lage aber ebenfalls erst noch definiert werden muss, zusammengeführt. Nördlich von Rosenheim hingegen ist derzeit noch nichts dergleichen geplant; noch ist auch unklar, ob die bestehende Strecke leistungsfähiger gemacht wird oder sogar ein neues Gleispaar verlegt werden muss. Denn die Bahn würde an sich bevorzugen, den zusätzlichen Güterverkehr zum Brenner gar nicht erst durch den Landkreis nach München zu führen, sondern statt dessen einen Ostkorridor über Mühldorf, Landshut und Hof Richtung Magdeburg zu nutzen.

Der gültige Bundesverkehrswegeplan schreibe derzeit noch die Strecke Richtung München vor, so Müller, doch der Knoten München sei bereits jetzt überlastet, weshalb man auf andere Möglichkeiten hoffe. So lange es aber keine klare Aussage des Auftraggebers zur künftigen Verkehrsführung gebe, sei es "wenig sinnvoll", hier bereits jetzt in ein Dialogverfahren wie im Süden einzusteigen, sagte die Expertin von der Bahn.

Richtig spannend wird es also für den Landkreis im Jahr 2016, wenn der neue Bundesverkehrswegeplan vorliegt und auch eine unabhängig davon erstellte Korridorstudie der Bahn. Sollte sich dann herausstellen, dass der zusätzliche Verkehr tatsächlich über die Strecke durch den Landkreis Ebersberg nach München abgewickelt wird, werde man auch hier den Dialog suchen, versicherten Müller sowie Michael-Ernst Schmidt, Sprecher für den Bereich Großprojekte der Bahn in Bayern.

Ob es dann neue Gleise oder eine Ertüchtigung der bestehenden Strecke oder aber auch tatsächlich einen 20 Kilometer langen Tunnel zwischen Trudering und Grafing geben wird - von letzterem war in der Vergangenheit immer wieder die Rede - sei dabei völlig offen. "Wir werden dann mit einem weißen Blatt Papier in die Planung gehen", sagte Susanne Müller. Momentan gebe es noch keine Trassenvarianten oder Vorfestlegungen.

Tätig werden will die Bahn aber schon vor dem möglichen Einstieg in ein Dialogverfahren. Sie könne die "sehr gute Nachricht" verkünden, dass ein Gutachten zur Lärmbelastung auf der gesamten Strecke zwischen der Grenze und Trudering erstellt werden soll, so Müller. Ursprünglich hatte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) das nur für den südlichen Streckenteil angekündigt. Erste Ergebnisse sind laut Müller bereits Ende des Jahres zu erwarten.

Andreas Lenz sagte, die Ausweitung des Gutachtens sei auch eine politische Forderung aus dem Landkreis gewesen. Mehrere Besucher unterstrichen, dass die Lärmbelastung entlang der Strecke schon jetzt sehr hoch sei, sie kritisierten auch die Fachleute dafür, dass sie in ihren Kalkulationen über Zugzahlen die S-Bahnen nicht berücksichtigt hätten. Lenz kündigte an, sich für einen bestmöglichen Lärmschutz einzusetzen. Auch zur Idee eines Ostkorridors äußerte er sich positiv: "Wir werden nicht dulden, dass sich der ganze Verkehr auf der Strecke zwischen Rosenheim und München konzentriert."

© SZ vom 29.04.2015
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