"Der Brandner Kasper" in Stoa:Karteln mit dem Boandlkramer

Theater Herwegh spielt den "Brandner Kaspar" im Amphitheater am Stoa bei Edling
(Foto: Veranstalter)

Das Theater Herwegh zeigt den Brandner Kaspar in der Atmosphäre des Stoa bei Edling. Es geht um sehr viel Kerschgeist und einen raffinierter Kartentrick.

Von Johanna Feckl, Edling

Der Tod ist ja etwas, das viele Menschen mit Angst verbinden. Eigentlich ein normaler Reflex, schließlich weiß niemand, wo dieser Tod einen hinbringt. Wer die Theaterinszenierung von "Der Brandner Kaspar schaut ins Paradies" des Wasserburger Theater Herwegh am Stoa bei Edling besucht, lernt aber immerhin, wie sich mit dieser Angst vor dem Unbekannten leichter umgehen lässt. In dem kultigen Stück spielt der leibhaftige Tod nämlich eine tragende Rolle, und dass ihn alle Menschen so fürchten, macht ihm doch schwer zu schaffen. Deshalb stellt er sich nicht als der Tod vor, sondern bevorzugt die Bezeichnung "Boandlkramer - des is luschdiger!", erklärt er. Es klingt wie ein Versprechen, das das Theater Herwegh gibt.

Ganz so lustig hat es mit dem Brandner Kaspar und dem Stoa aber gar nicht angefangen. Die Premiere ist ins Wasser gefallen - im wahrsten Sinne des Wortes: Sie musste ausfallen, weil es regnete, ja, es pritschte nur so herunter, ein Schwall von Wasser, als ob dort oben im Himmel jemand vergessen hätte, nach dem Händewaschen den Wasserhahn auch mal wieder zuzudrehen. Das ist das Risiko, mit dem eine Freiluftbühne wie es das Amphitheater am Stoa eines ist, leben muss. Statt am Freitag vor einer Woche fand die Premiere nun zwei Tage später am Sonntag statt, denn auch der Samstagabend hätte verregneter kaum sein können.

"Bei uns war wirklich Weltuntergangsstimmung", sagt Jörg Herwegh, neben Constanze Baruschke-Herwegh und Steps Lossin einer der Regisseure und gleichzeitig der Brandner Kaspar auf der Bühne. Wer dachte, dass der Wettergott am Freitag, dem eigentlichen Premierentag, schon erbarmungslos war, der wurde Samstagabend eines Besseren belehrt: Der Stoa war überflutet, kniehoch konnte man auf der Bühne um den Stoa, einen gut 200 Tonnen schweren Findling aus der Eiszeit, im Regenwasser waten. Über Nacht ist das viele Nass aber abgelaufen und am Sonntag vor einer Woche konnte dann bei bestem Sommerwetter endlich die Premiere stattfinden. Und das Warten auf passendes Wetter hat sich gelohnt: Die imposante Atmosphäre am Stoa scheint wie gemacht für den Brandner Kaspar.

Die Ursprünge der Geschichte reichen in die napolonische Zeit

Das Stück nach einer Mundarterzählung von Franz von Kobell aus dem Jahr 1871 erzählt vom Brandner Kaspar und seiner List, dem Boandlkramer das Versprechen für ein paar weitere Lebensjahre abzujuxen. Viel Kerschgeist und ein raffinierter Kartentrick führen dazu, dass der Boandlkramer dem 75-jährigen Brandner weitere 15 Jahre schuldet. Für die Inszenierung am Stoa hat sich Herwegh an der älteren Theaterfassung des Brandner Kaspars von Joseph Maria Lutz aus dem Jahr 1934 orientiert. Die bekanntere Adaption ist die von Kurt Wilhelm, die 1975 am Münchner Residenztheater seine Uraufführung feierte. In der Staatsschauspiel-Fassung spielte Herwegh selbst auch einmal mit, als er für einen Kollegen einsprang und die Rolle des Bürgermeister Sanftl verkörperte.

Dass es am Stoa aber die andere Version geworden ist, war eine gute Entscheidung. Der Brandner von Joseph Maria Lutz ist näher am Leben der damaligen Landbevölkerung unter Napoleon, lässt tiefer ins Innenleben und in die Familie vom Brandner blicken - dieser Brandner ist erdiger, so könnte man es nennen. Was passt da besser, als ein Amphitheater mitten in der Natur?

Als etwa Brandners Frau (Constanze Baruschke-Herwegh) stirbt, im Bett liegend neben der Haustüre, ist diese Stelle der Bühne die einzige, die von der Abendsonne in ein sanftes Licht getaucht wird. Die Türe, durch die der Boandlkramer (Gerd Niedermayer) das Haus der Brandners betritt, glitzert dadurch beinahe golden - ein fantastisches Bild! Und auch der Stoa selbst ist ein wichtiger Protagonist: Für die Himmelsszenen kraxelt das Ensemble auf den Findling um von dem fast fünf Meter hohen Koloss hinunter auf die Erde zu blicken.

Wenn dann nach der Pause die Dämmerung die Abendsonne besiegt hat und Glühwürmchen die Bühne umschwärmen, ist dies das perfekte Pendant zum Bruch in der Geschichte: Den Boandlkramer gerade noch überlistet, beginnt nun die Aufdeckung des Schwindels. Das Zusammenspiel von Niedermayer als Boandlkramer und Herwegh als Brandner tut dann sein übriges, um zu sagen: Ja, der Brandner am Stoa ist wirklich ziemlich luschdig.

Weitere Vorstellungen am 4., 5., 6. und 7. Juli am Stoa in Edling. Beginn ist um 20.30 Uhr, am Donnerstag und Sonntag gehts schon um 20 Uhr los. Karten gibt es für 17 Euro (ermäßigt für 12 Euro) in Wasserburg in allen Filialen der Sparkasse und in der Buchhandlung Fabula sowie an der Abendkasse. Tickets reservieren kann man unter www.theater-herwegh.de, per E-Mail an info@theater-herwegh.de oder unter Telefon (0174) 9796191. Der Biergarten öffnet an allen Tagen um 18.30 Uhr.

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