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Blick nach vorn:"50 plus x" bleibt das Ziel

Die alte und neue CSU-Kreisvorsitzende Angelika Niebler beschwört bei Delegiertenversammlung die parteiinterne Harmonie und motiviert für anstehende Wahlen

Blick nach vorn und nicht zurück: Auf diese Devise haben sich die Vertreter der Kreis-CSU offenbar für ihre Kreisvertreterversammlung am Samstag geeinigt. Denn eine kritische Analyse zum knappen CSU-Sieg bei der Landratswahl, die gerade einmal zwei Wochen zurück liegt, gab es nicht. Statt dessen motivierten sich die CSU-Mitglieder für die anstehenden Wahlen. "50 plus x ist die Zielvorgabe", sagte Angelika Niebler, die mit 92,6 Prozent der Stimmen für weitere zwei Jahre als Kreisvorsitzende gewählt wurde.

Bei ihrer Wahl vor zwei Jahren, als sie die bisherige Kreisvorsitzende Christa Stewens ablöste, hatte Niebler sogar 96,1 Prozent der Stimmen erhalten. Ein derartiges Ergebnis erzielte am Samstag nur Bundestagskandidat Andreas Lenz, der mit einer Zustimmung von 96,8 Prozent der Delegierten neu in die Riege der Stellvertreter aufrückte. Für ihn hatte Bernhard Wieser nach 24 Jahren im Kreisvorstand seinen Platz frei gemacht. Als stellvertretende Vorsitzende wiedergewählt wurden Thomas Huber (93,8 Prozent), Barbara Burgmayr-Weigt (92 Prozent) und Tobias Scheller (90,2 Prozent). Der neue Landrat und frühere Vaterstettener Bürgermeister Robert Niedergesäß trat nur kurz ans Rednerpult, bevor er zum Maifest im Kindergarten seines kleinen Sohnes eilte. Er nützte aber die Gelegenheit, die Harmonie innerhalb der CSU im Kreis zu beschwören. Er jedenfalls habe sich im "Norden, Süden, Osten und Westen gleichermaßen gut aufgehoben gefühlt", sagte er. Auch der Erfolg bei der Landratswahl sei eine Teamleistung gegeben. Niedergesäß spielte dabei auf Kritiker an, die den knappen Sieg für die CSU auch darauf zurückführen, dass viele CSU-Anhänger in Ebersberg und im Süden den Vaterstettener Einfluss in der Kreispolitik zu dominierend empfinden. "Wir haben es geschafft, gemeinsam die Familie voranzubringen, auch wenn wir durchaus unterschiedlich sind", betonte Niedergesäß, der ausdrücklich dem Ebersberger Ortsverein für seine Unterstützung dankte und das "starke Team aus dem Süden" lobte, das nun für die CSU bei den Landtags-, Bezirkstags- und Bundestagswahlen antritt.

Auch Angelika Niebler betonte, es gebe "kein Nord-Süd-Gefälle im Landkreis", und zeigte sich erfreut über den Ausgang der Landratswahl, bei der Niedergesäß mit 801 Stimmen Vorsprung gewählt wurde: "Mir hätte auch schon eine Stimme genügt." Wichtig sei in ihren Augen, dass die CSU keine Negativwerbung betrieben habe und keine Orte gegeneinander ausgespielt habe. Zudem habe die CSU den Wahlkampf mit Ehrenamtlichen geführt, statt mit "bezahlten, beauftragten Plakatiertrupps, die den Landkreis zugemüllt haben". Die Kreisvorsitzende dankte aber auch dem bisherigen Amtsinhaber Gottlieb Fauth. Seine elf Jahre als Landrat seien "gute Jahre" gewesen. Insbesondere für die Bildungslandschaft im Landkreis und für die Kreisklinik habe Fauth viel erreicht. Die knapp 170 Delegierten zollten dem ehemaligen Landrat stehend und lang anhaltend Applaus.

Niebler schwor die CSU-Vertreter in der Ebersberger Sieghartsburg aber vor allem auf die anstehenden Wahlen ein. Für die Listenaufstellung bei der Kreistagswahl 2014 werde man ein System entwickeln, mit dem sich alle Orte gut vertreten fühlen könnten, sicherte sie zu. Für alle anstehenden Wahlen gelte, dass die CSU die prägende und gestaltende politische Kraft bleiben müsse. Dass die politische Arbeit durch die Beschäftigungsaffäre im Landtag nun nicht leichter gemacht werde, verschwieg Niebler nicht. "Fassungslos" sei sie angesichts der Tatsache, dass viele Abgeordnete jahrelang auf Staatskosten Familienangehörige beschäftigt hätten. "Das ist mir völlig unbegreiflich", sagte Niebler. Sie machte sich für Transparenz und Offenheit stark und für eine Regelung, die Missbrauch gänzlich ausschließe. Inhaltlich will die CSU laut Niebler unter anderem die demografische Entwicklung, die Optimierung des Schulsystems und die Energiewende in den Mittelpunkt stellen.

"Wir wollen Vertrauen schaffen und zurückgewinnen", sagte auch Landtagskandidat Thomas Huber in Bezug auf die Verwandtenaffäre. Er kündigte an, schon bald mit voller Kraft in den Wahlkampf zu starten - und zwar gemeinsam mit den Kandidaten für den Bezirkstag und Bundestag. Auch Huber unterstrich, der Ebersberger Forst sei für ihn "kein trennendes, sondern ein verbindendes Element".