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Kommentar:Ohne Führung ins Desaster

Muss wirklich jede Schulleitung beim digitalen Lernen das Rad neu erfinden? Nein, denn das ist absolut ineffizient. Hier wäre das Kultusministerium gefragt.

Von Anja Blum

Der Fisch stinkt immer vom Kopf her, sagt schon eine alte Weisheit. Und ja, in diesem Fall haben die Eltern aus dem Landkreis völlig recht, wenn sie sich mit ihrem Frust an die bayerische Regierung wenden. An die Landtagsabgeordneten, an den Kultusminister und den Ministerpräsidenten - anstatt sich bei Lehrern oder Schulleitungen zu beschweren. Denn freilich, es mag Fälle geben, in denen ein Pädagoge angesichts des Distanzunterrichts persönlich versagt, sei es aus Unwillen oder Unkenntnis. Oder in denen ein Rektor heillos überfordert ist mit den ganzen neuen Herausforderungen und stets kurzfristigen Ansagen "von oben". Doch woran es hier eigentlich fehlt, ist eine verlässliche, konstruktive und kreative Führung.

Der Start in diese neue Runde Distanzunterricht sei dort gut gelungen, wo Sachaufwandsträger und Schulfamilie die vergangenen Monate selbst aktiv für Verbesserungen genutzt hätten, schreibt Thomas Huber, Landtagsabgeordneter der CSU aus Grafing. Das ist schön. Aber nicht richtig. Denn was ist es für ein Irrsinn, es jeder einzelnen Einrichtung aufzubürden, diese völlig neuen Probleme zu lösen? Muss wirklich jede Schulleitung, jeder Lehrende das Rad neu erfinden? Nein, denn das ist absolut ineffizient. Hier wäre das Kultusministerium gefragt: Es hätte eine Vereinheitlichung bei Distanzunterricht und digitalem Lernen umzusetzen, so dass jede Schule bei Schließung, Wechselunterricht oder Quarantäne-Fällen auf ein funktionierendes System zurückgreifen könnte.

Das beginnt schon bei der Technik: Jedes Schulhaus muss mit schnellem, kabellosem Internet versorgt werden, es braucht einheitliche Software-Tools sowie eine belastbare Serverinfrastruktur für digitales Lernen. Und nicht zuletzt benötigen die Pädagogen Laptops, um vernünftig online unterrichten zu können. Ganz zu schweigen von jenen Familien, in denen keineswegs ausreichend digitale Endgeräte zur Verfügung stehen.

Dies alles wären zumindest die Voraussetzungen, die der Kultusminister schon längst hätte schaffen können. Dann müssten die Lehrenden aber immer noch zusehen, wie sie ihre Inhalte via Bildschirm an die Lernenden bringen. Und die Eltern, wie sie ihre Kinder neben dem Home-Office beim Homeschooling unterstützen können. Das wären der Herausforderungen immer noch genug. So viel steht fest.

© SZ vom 13.01.2021
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