Süddeutsche Zeitung

Bildung:Landkreis Ebersberg: Hohe Hürden bei der Einschulung

Ist mein Kind schulreif oder nicht? Diese Frage stellen sich derzeit wohl viele Eltern. Antworten darauf erhoffen sie sich bei der Beratung zur Schuleinschreibung, die heuer vor allem digital stattfindet.

Von Franziska Langhammer, Ebersberg

Vielleicht erinnert sich der ein oder andere auch im Erwachsenenalter noch an seine eigene Schuleinschreibung: Man darf mit Papa oder Mama in die Schule gehen, lernt schon mal ein paar Lehrer kennen, sieht vielleicht zum ersten Mal spätere Klassenkameraden, die ebenfalls zur Anmeldung gekommen sind. Coronabedingt sieht das dieses Jahr aber etwas anders aus als sonst.

"Die Schuleinschreibung findet bei uns dieses Jahr weitestgehend kontaktlos statt", sagt Rektorin Ellen Riebesell von der Grundschule Parsdorf. Per Brief haben die Eltern bereits die Erhebungsbögen zugeschickt bekommen, in denen Daten wie Adresse und Geburtsdaten der Kinder abgefragt werden. In der zweiten Runde werden nun die Anmeldebögen postalisch abgeschickt. "Schwierig wird es dieses Jahr mit dem Screening vor Ort", erzählt Riebesell.

Normalerweise werden die Kinder bei der Schuleinschreibung in Kleingruppen eingeteilt und durchlaufen ein sogenanntes Schulspiel: Eine Lehrkraft hält Unterricht light, andere Lehrerinnen und Erzieherinnen beobachten dabei die Kinder. Wie nimmt das Kind Kontakt auf? Spricht es in ganzen Sätzen? Wie kommt es mit mehrteiligen Arbeitsaufträgen klar? Kann sich das Kind gut von der Mama trennen? Solche Fragen stehen bei einem Screening im Vordergrund. "Das können wir in diesem Jahr auf keinen Fall bieten", sagt Rektorin Riebesell. Dabei sei es eigentlich wichtig, die Kinder vor Schulbeginn schon einmal gesehen zu haben - und dass die Kinder auch schon einmal die Lehrerinnen und das Schulhaus kennen lernen. "Diesen September werden vor der Lehrkraft viele unbekannte Gesichter sitzen", so Martina Tausch, die stellvertretende Schulleitung an der Grundschule Parsdorf.

Umso wichtiger sei in diesem Jahr der enge Austausch mit den Vorschulerziehern aus den Kindergärten. "Wir haben das Glück, dass die Kinder aus nur wenigen Kindergärten zu uns kommen", sagt Ellen Riebesell - eine überschaubare Anzahl also an Ansprechpartnern. Über die Jahre hinweg habe man eigentlich immer dieselben Einschätzungen bezüglich der Kinder geteilt. Zudem sei die Kooperationsbeauftragte der Schule im vergangenen Jahr regelmäßig in den Kindergärten gewesen, um die Vorschulkinder schon einmal in Augenschein zu nehmen.

"Wir stehen in diesem Jahr außerdem vor der großen Problematik, dass wir viele Kann-Kinder haben", berichtet Riebesell. So genannte Korridor-Kinder haben zwischen dem 1. Juli und Ende September Geburtstag. Ob sie in die Schule kommen, liegt allein im Ermessen der Eltern. Kann-Kinder, die zwischen dem 1. Oktober und dem 31. Dezember Geburtstag haben, können nur mit einem extra gestellten Antrag eingeschult werden. Dass sie vorher von einer Lehrkraft auf ihre Schulreife hin gescreent werden, ist obligatorisch. "Diese Kinder müssen wir einzeln screenen", so Riebesell. Einzeltermine dafür würden, soweit es die Infektionszahlen erlauben, nach dem 8. März vergeben. Das Gespräch mit verunsicherten Eltern zeige jedoch, dass viele ihre Kinder lieber noch ein Jahr länger in den Kindergarten gehen lassen. "Viele haben Bedenken, dass in den letzten Monaten pandemiebedingt einiges auf der Strecke geblieben ist", sagt die Rektorin.

Aus dem Schulamt Ebersberg heißt es auf Anfrage der SZ, dass im vergangenen Schuljahr noch vor Beginn des ersten Lockdowns an fast allen Grundschulen Schuleinschreibungen in Präsenz erfolgen konnten. "In diesem Jahr ist dies leider nicht möglich", so Schulamtsdirektorin Sigrid Binder. "Die Schulleitungen haben entsprechend der Vorgaben des Ministeriums selbst die Form der Schuleinschreibung für ihren Standort entscheiden können." Danach hätten sich alle Schulleitungen im Landkreis für ein kontaktloses Einschreibeverfahren entschieden, entweder digital oder per Post.

Die Beratung für Eltern, etwa ob ihr Kind schulfähig ist oder nicht, erfolgt demnach hauptsächlich online oder telefonisch; in Einzelfällen kann es Termine zu einem zusätzlichen Screening geben, falls das Infektionsgeschehen dies zulässt. Mehrere Schulen würden einen digitalen Elternabend zur Information anbieten, so Sigrid Binder; eine Schule habe etwa für die Eltern eine Powerpoint-Präsentation erstellt. "Der Austausch mit allen Beteiligten - Kita-Erziehungskräften und Eltern - ist unabdingbar, um auch unter so besonderen Zeiten wie jetzt einen erfolgreichen Schulstart zu ermöglichen", so Binder.

In Bezug auf die Einschreibe-Zahlen werden aus Sicht des Schulamts keine größeren Veränderungen zum Vorjahr erwartet: Im aktuellen Schuljahr besuchen 1515 Kinder die ersten Klassen aller öffentlichen und privaten Grundschulen im Landkreis.

Noch einmal anders sieht es in Förderschulen aus. Bei der Schuleinschreibung muss hier jedes Kind einzeln angeschaut werden, ob die Schulart auch wirklich die richtige ist. "Bei uns ändert sich dieses Jahr nicht so viel", sagt deshalb Irmtraud Schlesinger, zweite Konrektorin an der Seerosenschule in Poing. Ein bis zwei Terminen mit dem Kind folgt ein Auswertungsgespräch mit den Eltern, alles in Präsenz. Natürlich würden auch hier die Hygienevorschriften gelten, so Schlesinger, etwa das Tragen von Masken oder Aufstellen von Plexiglasscheiben. "Anders ist es nicht möglich, einen sonderpädagogischen Bedarf festzustellen", sagt Irmtraud Schlesinger.

Was dieses Jahr allerdings in der Seerosenschule - wie auch im vergangenen Jahr schon - nicht stattfinden wird, ist das Schulspiel für die Kinder, die schon angemeldet sind. Normalerweise ist es dazu gedacht, schon einmal zu sehen, wie die Klassen funktionieren. "In der Gruppe bekommt das noch einmal eine ganz eigene Dynamik", sagt Schlesinger. Das sei etwa gut, um einschätzen zu können, ob in einer Klasse vorwiegend Kinder seien, die sich etwa nicht trauten, aus sich herauszugehen, und in der Parallelklasse genau das Gegenteil. Wichtig sei es hier, eine gute Mischung zu finden. "Das hat sich bewährt", sagt Schlesinger. "Aber wir werden dieses Jahr darauf verzichten müssen."

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SZ vom 01.03.2021/aju
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