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Bildung in der Region:Schulen im Landkreis Ebersberg rüsten digital auf

Digitaler Unterricht

Auch viele Grundschulen werden jetzt mit Tablets ausgestattet. Teilweise sind sie als Leihgeräte für die Kinder gedacht.

(Foto: Armin Weigel/dpa)

Nach dem Lockdown ist vor dem Lockdown? Die Schulen im Landkreis ziehen ihre Lehren und setzen auf neue Methoden. Auch bei der Technik ändert sich einiges.

Von Franziska Langhammer

Ebersberg Hausaufgaben per E-Mail? Physikunterricht via Zoom? Nachdem der Lockdown offenbart hat, wie weit Bayerns Schulen hinterherhinken in Sachen Digitalisierung, will Söder jetzt den "Digitalisierungsturbo" anschmeißen und insgesamt zwei Milliarden Euro investieren. Zeit wird's: Seit Corona stehen die Schulen Kopf, für die meisten Lehrer und Schüler war der Fernunterricht ein Sprung ins kalte Wasser. Doch wie sieht es aus, nachdem die erste Schockwelle sich gelegt hat und ein normaler Schulalltag wieder in Sicht scheint? Die SZ Ebersberg hat sich an einigen Schulen im Landkreis umgehört.

"Was bleibt, sind die Portale, mit denen wir arbeiten", sagt Rüdiger Modell, Direktor des Humboldt-Gymnasiums Vaterstetten. Egal, mit welchem Szenario man im September ins neue Schuljahr starte, wolle man beispielsweise Mebis weiterhin für den Unterricht nutzen - als Werkzeug zum Arbeiten, aber auch zur Kommunikation. "Wir haben schon einen sehr viel höheren digitalen Durchdringungsgrad erreicht, als wir vor der Corona-Krise hatten", so Modell. Die Herangehensweise, den Unterricht auch digital abzubilden, wolle man auf jeden Fall beibehalten - auch falls es zu einem erneuten Lockdown komme.

Die Schüler am Humboldt-Gymnasium seien in der Regel in Sachen Computer gut ausgestattet; derzeit würden auch iPads über den Förderkreis verliehen. "Im nächsten Jahr bekommen wir vom Landkreis Ebersberg weitere digitale Endgeräte", so Modell. Der Unterricht vor Ort, erzählt der Rektor, sei derzeit vor allem frontal ausgerichtet. "Wir müssen leider auf Gruppen- und Partnerarbeiten derzeit ganz verzichten, das wird auch erst einmal so bleiben", sagt Modell, "das sind schon sehr gravierende Einschnitte für uns." Zwar sei das Lernen durch die geringen Schülerzahlen momentan sehr effektiv. "Was aber nicht stattfindet", so Modell, "ist das Arbeiten im Team, durch das man sonst auch viele Kompetenzen erworben hat."

Digital aufrüsten will auch die Mittelschule in Grafing. "Wir planen zusammen mit der IT-Abteilung der Stadt Grafing die Anschaffung von Surfaces und Laptops für die Schüler", so Rektorin Susanne Böhm. Auch die Lehrkräfte sollen zum kommenden Schuljahr mit Laptops und der nötigen Netzwerktechnik ausgestattet werden. Über allem schwebt auch hier die Möglichkeit einer zweiten Corona-Welle: Im Zuge dessen verändere sich auch das Arbeiten in der Schule, so Böhm: "Insbesondere das Herunterladen, Bearbeiten und wieder Hochladen von Aufgaben muss ständig für das Arbeiten zuhause geübt werden, da die dann angeschafften Geräte auch zum Verleihen für einen weiteren Lockdown gedacht sind." Um sich noch intensiver mit den digitalen Möglichkeiten des Unterrichtens auseinanderzusetzen, nutzten viele Lehrer Online-Seminare der Lehrerakademie Dillingen, die zentrale Fortbildungseinrichtung für Lehrkräfte.

Die digitale Ausstattung an der Schule optimieren ist auch das Ziel von Doris Pfefferkorn, Rektorin der Grund- und Mittelschule Glonn. Die Klassenzimmer bekommen im Rahmen des Digitalpakts Bayern neue Computer und Beamer, die PC-Räume werden neu ausgestattet sowie drei Klassensätze an Tablets sukzessive geliefert. "Zusätzlich sollen wir über Fördermittel für das ,Lernen zu Hause' noch weitere Tablets als Leihgeräte für die Schüler bekommen", so Pfefferkorn. In der Zeit der Schulschließung hätten die Lehrer viele Wege und Konzepte gefunden, mit ihren Schülern in Kontakt zu treten. Auch Lehrerkonferenzen und Besprechungen wurden online vorgenommen. "Hier werden wir uns weiter fortbilden, um Teams in noch größerem Umfang mit mehr Modulen nutzen zu können", so Pfefferkorn.

Paul Schötz, scheidender Schulleiter des Max-Mannheimer-Gymnasiums Grafing, findet: "Generell erleichtern die Neuerungen das Unterrichtsgeschehen deutlich" - etwa durch Zeitersparnis und weil die Technik schnell und unkompliziert funktioniere. Zwei Lehrer aus dem Kollegium gaben in den vergangenen Wochen alle 14 Tage schulinterne Weiterbildungen für die anderen Lehrer im Bereich Arbeit mit dem Tablet. Außerdem nahmen die Lehrer an diversen Workshops teil, um digitale Kompetenzen zu erwerben und zu verbessern; so etwa an Kursen wie "Messwerterfassung mit dem Smartphone" oder "Zeitgemäßer Fremdsprachenunterricht". Ebenfalls neue Geräte wurden angeschafft am Max-Mannheimer-Gymnasium wie zwei iPad-Koffer - die aber leider in der Hauptcorona-Zeit aus hygienischen Gründen nicht ausgeteilt werden durften. Auch wird in allen sanierten Räumen die digitale Planung miteinbezogen.

© SZ vom 24.07.2020/aju
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