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Bildung:Ein Hauch von Fernreise

Die Volkshochschule Grafing läutet mit Vorfreude das neue Semester ein. Erstmals wird das Thema der Vorsaison noch einmal aufgegriffen. Schwerpunkt bleibt das Land Indien

Von René Becker, Grafing

Wer im vergangenen Volkshochschulsemester noch nicht genug von Kursen über Indien kriegen konnte oder gar nicht erst dazu gekommen ist, kann sich nun freuen. "Indien Teil 2 - Wir bleiben dran". Unter diesem Motto läuft das neue Semester der VHS Grafing. Neben dem indischen Semesterschwerpunkt gibt es viele weitere interessante und originelle Veranstaltungen. Die VHS Grafing lud am vergangen Donnerstag zum Pressetermin, um ihr neues Semesterprogramm zu präsentieren.

Vorgestellt wurde es von Martina Eglauer, Leiterin und Geschäftsführerin der VHS und des Zweckverbands Kommunale Bildung, und Franz Bader, Fachbereichsleitung Beruf und EDV. Ebenfalls anwesend waren Ulrich Proske (parteilos), Erster Bürgermeister von Ebersberg und Paul Broß, Vorsitzender des Fördervereins Volkshochschule.

Normalerweise wechselt der Schwerpunkt jedes Semester, doch dieses Jahr ist bekanntlich alles anders. So auch bei der Volkshochschule. Die VHS entschied sich dazu, das Thema Indien aus dem vergangenen Semester fortzuführen. Dadurch konnten unter anderem Veranstaltungen in das Programm integriert werden, die es letztes Semester nicht mehr reingeschafft hatten.

Die Kursteilnehmer und Volkshochschulbesucher dürfen sich nun auf insgesamt 820 Veranstaltungen freuen. Durch Corona sind es dieses Mal 140 Veranstaltungen weniger, als noch im vorherigen Semester. Etwa ein Drittel der Kurse werden parallel gestreamt, um mehr Interessierte erreichen zu können. Den Auftakt gibt Thorge Berger am 1. Oktober im Alten Kino Ebersberg. Die Veranstaltung trägt das Motto "Magisches Indien". Dabei werden Reiseberichte und fotojournalistische Beiträge Bergers gezeigt. Die Veranstaltung wird auch im Stream zu verfolgen sein. Wie bei allen anderen Kursen und Veranstaltungen ist auch hier eine Anmeldung und eine Vortragskarte von Nöten.

Eid al-Adha in Indien

Noch einmal widmet sich die VHS Grafing dem Leben und der Kultur in Indien.

(Foto: Manish Swarup/dpa)

Ein Corona-Test werde nicht verlangt, um an den Veranstaltungen teilzunehmen. Die Teilnahme basiere auf Vertrauensbasis, sagt Eglauer. Wer zuvor in einem Risikogebiet gewesen ist oder Symptome einer Erkältung vorweist, muss Zuhause zu bleiben. Ansonsten könne jeder kommen, so die Geschäftsführerin.

Der Semesterschwerpunkt Indien ist im gesamtem Programm vertreten. So wird es Kochkurse zur indischen Küche geben, aber auch Sprachkurse zu Indien und ausgefallenere Veranstaltungen, wie "Indische Mathematik, Astronomie und Astrologie - die Erfindung der Null" sowie ein Vortrag zum Kamasutra. Beides wird von Paul Broß vorgestellt.

Eine weitere wichtige Veranstaltung behandelt das Thema Verschwörungstheorien. Diese Thematik wurde bereits vor der Viruskrise an der VHS Grafing behandelt, so Eglauer. In Zeiten von Corona und einem verstärkten Aufkommen von gefährlichen Theorien und Ideologien, wie Eglauer betont, sei die Relevanz und Notwendigkeit, sich damit auseinanderzusetzen, noch größer. Die Volkshochschule sehe sich auch in der Verantwortung, Aufklärung zu betreiben und stellt die kostenfreie Veranstaltung daher auch als Stream zur Verfügung, um so viele Menschen wie möglich zu erreichen. Es handelt sich bei dem Vortrag um eine Kooperation mit dem Bündnis Bunt statt Braun.

Die weiteren Programmbereiche sind breit gefächert und erstrecken sich von Politik, Gesellschaft und Kultur bis hin zu Gesundheit, Beruf und EDV. So wird es dieses Semester auch wieder das Studium Generale geben, in dem sich die Teilnehmer ihr Programm und ihre Schwerpunkte selbst zusammenstellen können. Dieses wird je nach Kurs auf Ebersberg und Grafing aufgeteilt stattfinden. An Auswahl mangelt es jedenfalls nicht. So können beispielsweise Mädchen zum Girls Day über die VHS Einblicke in die Ingenieursbranche erhalten oder künstlerisch Interessierte im offenen Atelier malen. Material wird dabei von den Teilnehmern selbst mitgebracht.

Neben dem Schwerpunktthema Indien gibt es im neuen Semesterprogramm aber noch viele weitere Veranstaltungen, die Paul Broß, Franz Bader, Uli Proske und Martina Eglauer (von links) nun vorgestellt haben.

(Foto: Christian Endt)

Es sind dieses Semester mehr digitale Veranstaltungen geworden als ursprünglich angenommen, so Eglauer. Für die digitalen Kurse wird das Programm WebEx genutzt. Dies hätte sich am anwendungsfreundlichsten erwiesen, erklärt Franz Bader, der für diesen Bereich zuständig ist. Im Rahmen dessen gibt es nun auch sechs neue Sprachkurse, die im digitalen Raum stattfinden werden. Ähnlich wie bei Sprachkursen in Präsenzform soll hier die Teilnehmerzahl ebenfalls relativ gering bleiben, damit eine persönliche Interaktion zwischen den Kursmitgliedern stattfinden kann.

Ein Seminar zum Obertonsingen ist hingegen noch nicht sicher. Dabei handelt es sich um eine Technik mit der man mehrere Töne gleichzeitig singen kann. Allerdings birgt das Obertonsingen eine Infektionsgefahr, wenn auch weniger als das normale Singen, welches beispielsweise in bayrischen Schulen immer noch nicht erlaubt ist. Die VHS hofft den Kurs dennoch durchführen zu können, allein schon wegen der Besonderheit dieser Gesangstechnik.

Genauso unsicher sind noch die geplanten Führungen. So soll es etwa eine Führung zum Thema Archäologie in Ebersberg geben, aber auch Nachtwanderungen. Gelistet sind sie trotzdem erst einmal im Programm, welches am Wochenende per Post an die Kartenbesitzer in Ebersberg, Grafing, Kirchseeon und Markt Schwaben verschickt wurde.

Die Planungsphase sei jedenfalls eine turbulente gewesen und wurde im März unterschätzt, so Eglauer. Stand jetzt gibt es für alle Veranstaltungen 2500 Anmeldungen. Im Vorjahr waren es 3600. Corona hinterlässt offensichtlich auch an der VHS seine Spuren. Die Anmeldungsphase läuft noch. Bis auf wenige Ausnahmen, bei denen es eine Frist gibt, kann man sich bei fast allen Veranstaltungen anmelden, solange es noch freie Plätze gibt.

© SZ vom 07.09.2020
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