Bier Der Brauerei Schweiger geht das Leergut aus

Ludwig Schweiger bekommt die Tragerl nicht gefüllt, weil es an Flaschen fehlt. Das bringt den Bierhersteller aus Markt Schwaben gehörig ins Schwitzen.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Die Kunden sind in diesem Sommer besonders durstig. Deswegen bittet der Brauer aus Markt Schwaben: "Schnell trinken, schnell zurückbringen".

Von Amelie Hörger, Markt Schwaben/Ebersberg

Wenn man durch die Reihen des Anderl Getränkemarktes in Ebersberg schlendert, merkt man wenig von dem in letzter Zeit ständig thematisierten Leergutmangel und den damit, aufgrund von Lieferengpässen der Brauereien, einhergehenden Lücken in den Regalen.

Natürlich hier und da lichten sich die Kistenberge, und eine Sorte ist nur noch in geringen Mengen vorhanden. Zum Beispiel die lokal gebraute Marke Schweiger. Nur eine einzige einsame Kiste des Radlers aus Markt Schwaben steht im Gang des Getränkemarktes. "Aber da bekommen wir bald nach", verspricht Filialleiter Martin Bachmeier. Auch sonst sieht er die Situation nicht besonders dramatisch. Außer drei Sorten sei alles da, was man brauche.

Dennoch geraten einige Bierhersteller, wie die Privatbrauerei Schweiger, bei diesen heißen Temperaturen gehörig ins Schwitzen, denn wie Geschäftsführer Erich Schweiger erzählt: "Wir können nie soviel abfüllen, wie wir gerne möchten." Dabei laufen die Maschinen in der Brauerei bereits seit langem auf Hochtouren, schließlich scheinen die Menschen so durstig wie nie zuvor.

Jeden Tag in der Früh schauen die Mitarbeiter von Schweiger nach, wie viel Leergut sie heute zur Verfügung haben. Die Flaschen, die rechtzeitig zur Bierabfüllung wieder den Weg zurück in die heiligen Hallen gefunden haben, werden daraufhin genau abgezählt, und diese Menge würde dann erneut gezapft, so Schweiger. Kein Tropfen mehr.

Nicht nur beim Bier ist die Situation kritisch, auch Limonade in der Glasflasche abgefüllt geht diesen Sommer besonders gut weg. Diese Erfahrung hat auch Bachmeier vom Getränkemarkt gemacht. Wasser, Limo und vor allem Radler seien Kassenschlager.

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Neben der oftmals angeführten Flaschenproblematik fehlen vielen Brauhäusern vor allem die dazugehörigen Kisten, die sogenannten Träger. In der Brauerei Schweiger kann man darüber nur lachen. Extrem viele Träger hätten sie dieses Jahr gekauft, aber er "kriege sie einfach nicht gefüllt mit Flaschen", sagt Schweiger verzweifelt.

Auf ein Wetter wie in diesem Sommer könne man sich nicht einstellen, schließlich haben sie aufgrund der erfolgreichen vergangenen Saison ohnehin schon mehr Flaschen und Träger als üblich bestellt. Und das Monate im Voraus, bereits im Februar und März seien die Bestellungen rausgegangen. Wer konnte da schon ahnen, dass ihre Kunden im Sommer so einen Durst entwickeln würden?

Doch nicht nur beim leerguthortenden Verbraucher sieht Erich Schweiger die Schuld für die Flaschenknappheit. Die Glasindustrie habe einfach zu wenig Kapazität, um genügend Flaschen zu produzieren, und daran werde sich vermutlich auch in den kommenden Jahren nichts ändern. Und so kann der Geschäftsführer nur an seine Kunden appellieren: "Schnell trinken, schnell zurückbringen", lautet seine Bitte.

Dass die Konsumenten die Flaschen bei sich zu Hause sammeln, dem kann Martin Bachmeier nicht zustimmen. "Ich ersticke im Leergut", sagt er und deutet auf die immer größer werdende Ecke in seiner Filiale, die Besagtes beherbergt. Schon zur Mittagszeit stapeln sich hier in unterschiedlichen Kisten verschiedene einzelne Flaschen. Viele davon würde der Automat in den großen Supermärkten nicht nehmen, deswegen bringen die Kunden sie bei ihm vorbei, so Bachmeier.

Bis die Nachfrage abflaut, zählt Schweiger Tag für Tag seine Flaschen

Erich Schweiger wäre sicher gerne an seiner Stelle. Flaschen hätten sie schon nachbestellt, vor Herbst kann er aber mit keiner weiteren Lieferung mehr rechnen, erklärt er. Ganz anders schaut es im Grafinger Wildbräu aus. Nein, Flaschen wären genug da und auch die Träger mit dem neuen Logo seien wie versprochen geliefert worden, sagt Gregor Schlederer, der Anfang des Jahres nach dem Tod seines Vaters das Familienunternehmen übernahm.

Da die Brauerei diese Saison neue Sorten auf den Markt bringt, musste ohnehin neues Glas bestellt werden. Noch reiche der Vorrat aus, um den Bedarf des kleinen regionalen Brauhauses zu decken. "Die Schweigerbrauerei ist halt auch ein bisschen größer", sagt Schlederer.

Flaschenknappheit sei eine Herausforderung, mit welcher sie laut Schweiger in Markt Schwaben schon seit zwei Jahren zu kämpfen hätten, in diesem Sommer sei es besonders schwierig. Doch klagen will er nicht.

Es sei schön, dass sie so viel verkaufen würden. Im Grunde sei es ein "Luxusproblem". Bald stehen wieder der Herbst und das schlechte Wetter an, dann flaut die Nachfrage ab, da ist er sich sicher. Und bis dahin zählt er weiterhin tapfer jeden Morgen seine Flaschen