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Bezahlbarer Wohnraum:Nicht ohne Grund

WBE Präsentation Kapellenstrasse Grafing

Gelungener Prototyp: Bezahlbarer Wohnraum im Landkreis könnte künftig so aussehen wie das Haus in der Grafinger Kapellenstraße, das vom Ebersberger Wohnbauunternehmen gebaut und im April eingeweiht wurde.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Dank üppiger Förderprogramme wird Bauen für die öffentliche Hand immer günstiger. Darum plant das Wohnbauunternehmen des Landkreises eine Ausweitung seiner Aktivitäten - wenn es die Flächen dafür gibt

Von Wieland Bögel, Ebersberg

Die hohen Grundstückspreise machen das Bauen schwer - es sei denn, man hat schon ein Grundstück und ist eine Kommune. Dann nämlich machen sich die teuren Bodenpreise richtig bezahlt. Ursache ist das kommunale Wohnbauförderprogramm des Freistaates. Dieses will sich auch der Landkreis in den kommenden Jahren zunutze machen, erklärte nun Landrat Robert Niedergesäß (CSU). Das im vorvergangenen Jahr gegründete Wohnbauunternehmen des Landkreises Ebersberg (WBE) könnte durch das Förderprogramm deutlich günstiger bauen, als gedacht - wenn die Flächen dafür vorhanden sind.

"Am liebsten würde ich in Vaterstetten bauen", sagt Brigitte Keller, Kreiskämmerin und kaufmännischer Vorstand des WBE. Dieses errichtet Sozialwohnungen auf kommunalem Grund. Die jeweilige Stadt oder Gemeinde erhält als Gegenleistung das sogenannte Belegungsrecht, kann also entscheiden, wer eine der Wohnungen beziehen darf - selbstverständlich im Rahmen der Vorschriften der Sozialbindung. Im Grunde baut damit also der Landkreis über sein Unternehmen den Kommunen Sozialwohnungen. Für solche Projekte gibt es seit vergangenem Jahr üppige Zuschüsse vom Freistaat. Über das kommunale Wohnbauprogramm, das erst kürzlich bis 2025 verlängert wurde, gibt es für Kommunen jeweils rund 30 Prozent der Baukosten und des Grundstückspreises aus der Kasse des Landes. Und zwar unabhängig davon, ob das Grundstück extra für den Bau zum Marktpreis angekauft wurde oder sich bereits seit Jahren im Besitz der jeweiligen Stadt oder Gemeinde befunden hat.

Das WBE könnte von der Regelung also dann besonders profitieren, wenn es Grundstücke in besonders teuren Gemeinden bebauen kann. Was natürlich auch dem Gründungszweck des Unternehmens entspricht: günstigen Wohnraum zu schaffen, wo es sonst keinen gibt. Um dies zu erreichen, setzt man außerdem auf eine möglichst preissparende Bauweise, darum fällt der finanzielle Vorteil durch die an den Grundstückswert gekoppelte Förderung noch größer aus.

Die Grundstücke sind dabei nur geliehen, nach 20 Jahren gehen sie an die Kommunen zurück - samt der darauf befindlichen Gebäude. Diese, das betont Keller ausdrücklich, seien dann aber keinesfalls abgewohnt oder gar heruntergekommen. Für die Instandhaltung der Häuser würden Rückstellungen gebildet, weshalb auch der Abschreibungszeitraum auf 25 Jahre festgelegt ist: "Die Gemeinden bekommen intakte Gebäude", so Keller.

Auch bei Aussehen, Größe und Ausstattung der Häuser sollen die Kommunen mitreden können. Wie Keller erklärt, erarbeite man im WBE derzeit einen sogenannten "Master", also eine Art Baukasten für die Gebäude. Prototyp ist das im April eingeweihte erste Haus des Unternehmens in der Kapellenstraße in Grafing mit 21 Wohnungen. So ähnlich könnten auch alle weiteren Gebäude aussehen, die Abweichungen etwa in der Höhe oder beim Innenausbau oder der Anordnung würden sich nach dem jeweiligen Standort richten.

Der nächste liegt in Moosach, hier soll bis Mitte kommenden Jahres ein eher kleines Vorhaben umgesetzt werden, acht Wohnungen würden entstehen. Etwa die Größe des Hauses in Grafing könnte dann das übernächste Projekt des WBE haben, das in Anzing entstehen soll. Wann es soweit ist, könne man noch nicht sagen, derzeit erstellt die Gemeinde den Bebauungsplan für das Gebiet. Niedergesäß erwartet aber einen Baubeginn im übernächsten Jahr.

Jedes Jahr ein Projekt umzusetzen sei eigentlich ein gutes Tempo, sagt Keller: "Es ist gut, wenn man eins nach dem anderen machen kann." Was allerdings nach dem Haus in Anzing ansteht, sei noch nicht klar: "Anfragen der Gemeinden gibt es viele - Grundstücksangebote haben wir aber noch keine." Darum will das WBE auch verstärkt für sein Angebot bei den Kommunen werben. Gemeinden "die selber bauen würden, aber vielleicht nicht die Kapazitäten in ihrer Verwaltung haben", so Keller, seien bei der WBE gut aufgehoben. Auch auf der für kommendes Jahr geplanten zweiten Wohnbaukonferenz des Landkreises soll die WBE ein großes Thema sein. Eingeladen sind sämtliche Stadt- und Gemeinderäte des Landkreises, sagt Niedergesäß, "da werden wir die WBE nochmal vorstellen".

© SZ vom 13.06.2018

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