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Bewahrung von Kultur:Denkmal hin, Denkmal her

Nördlich des Egglburger Sees gibt es eine Allee aus alten Eichenbäumen. Allerdings sind diese nicht alt genug, um als Denkmal eingetragen zu werden.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Die Stadt Ebersberg und der Freistaat haben unterschiedliche Auffassungen davon, was für die Nachwelt erhaltenswert ist

Hier eine kleine Quizfrage für Kenner der Ebersberger Sehenswürdigkeiten: Was haben der Aussichtsturm, der Klosterbauhof und der Keller der Heilig-Geist-Kirche gemeinsam? Antwort: Alle drei stehen auf der Denkmalliste des Landesamtes für Denkmalpflege. Dort war bislang auch die Eichenallee am Egglburger See eingezeichnet, sie soll aber gestrichen werden. Was bei Stadträten und Verwaltung auf wenig Verständnis stößt.Im Technischen Ausschuss wurde nun einstimmig eine Neubewertung durch die Denkmalschützer des Freistaates gefordert.

Die Erfolgsaussichten seien dafür allerdings eher mager, wie Bürgermeister Walter Brilmayer (CSU) erläuterte. Denn die Stadt habe die neue Liste des Landesamtes zwar übermittelt bekommen - aber nur um, wie es im Amtsdeutsch heißt, "das Benehmen herzustellen". Die Übersetzung dafür lautet "dass wir hier nichts zu melden haben", so der Bürgermeister. Dennoch schlug er vor, sich zu zwei Punkten auf der neuen Denkmalliste zu Wort zu melden.

Denn zwar sei es verständlich, wenn die Heilig-Geist-Kirche im Jahr ihres 60. Geburtstages als Denkmal anerkannt werde. Allerdings sollten die Kellerräume davon ausgenommen werden. Diese werden nämlich für die Tafel genutzt, außerdem steht eine Sanierung wegen Feuchtigkeitsschäden an. Beides, so Brilmayer, wäre schwierig, wenn dabei der Denkmalschutz zu beachten ist. Für den es bei vernünftiger Betrachtung ohnehin keinen Grund gebe, meinte Brilmayer: "Das ist ein normaler Betonkeller, wie ihn die meisten zuhause haben."

Deutlich einzigartiger sei da schon die Eichenallee, die am nordöstlichen Ufer des Egglburger Sees entlangführt. Diese soll im frühen 19. Jahrhundert vom Kloster Ebersberg angelegt worden sein. Eine Geschichte, die man beim Denkmalamt indes nicht verifizieren könne, so erklärt es nun die Behörde. Denn in Aufzeichnungen aus dem Jahr 1811 ist dort keine Allee eingezeichnet. Falls es also damals am See eine Allee gegeben habe, so die Schlussfolgerung der Denkmalschützer, ist diese nicht erhalten. Die vorhandene Allee sei wohl erst um das Jahr 1900 entstanden.

Warum sie trotzdem weniger denkmalwürdig sei als ein Betonkeller, erschließe sich ihm nicht, so der Bürgermeister. Er schlug vor, dem Denkmalamt mitzuteilen, dass die Stadt weder mit der Streichung der Allee aus der Liste noch mit der Aufnahme des Kirchenkellers einverstanden sei. Außerdem soll die Denkmalliste demnächst 30 Tage lang öffentlich ausgelegt und auf die Homepage der Stadt gestellt werden. So sollen alle Ebersberger zur Liste Stellung nehmen können, die Ergebnisse werden dann nach der Sommerpause im Ausschuss beraten.

Eine Übersicht aller Denkmäler in Bayern gibt es auf http://geodaten.bayern.de/denkmal_static_data/externe_denkmalliste/html/regbezlist.html