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Betreuung für Kinder mit Behinderungen:Tagesstätte eingeweiht

Einweihung HPT Grafing

Claudia, Stefan Braun, Marianne Haslberger, Gertrud Hanslmeier-Prockl, Angelika Obermair, Wolfgang Dressler und Jan bewundern die Glaskreuze nach Entwürfen der Gruppenkinder in der Heilpädagischen Tagesstätte.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Zwei Jahre nach der Eröffnung ist nun auch die zweite heilpädagogische Gruppe voll

Von Jan Schwenkenbecher, Grafing

Vier bunte Glaskreuze, jedes ein Unikat, hängen über dem kleinen Altar. Weihrauchdampf umnebelt die Kunstwerke. Im Rahmen einer einstündigen Messe in der Grafinger Auferstehungskirche am Freitagnachmittag wurden sie gesegnet. Sie werden nun in der heilpädagogischen Tagesstätte aufgehängt, die damit - auch der ursprünglichen Wortbedeutung nach - eingeweiht ist.

Die Tagesstätte, in der Kinder mit Behinderungen nach dem Schulunterricht betreut werden, liegt gleich auf der anderen Straßenseite. Sie ist aber nicht, wie der Festakt vermuten ließe, neu eröffnet. Die erste Gruppe wird dort schon seit September 2014 betreut. Im Sommer dieses Jahres kam eine zweite Gruppe dazu. "Schon seit Beginn war klar, dass es die zweite Gruppe geben wird", sagt Gertrud Hanslmeier-Prockl, die Leiterin des Einrichtungsverbunds Steinhöring, Träger der Tagesstätte.

"Wir haben mit der Einweihung gewartet, bis alle Kinder da sind." In jeder Gruppe ist Platz für acht Kinder, sie werden von jeweils zwei Fachkräften betreut. Die Kinder kommen montags bis donnerstags nach dem letzten Gong von der Korbinianschule aus Steinhöring, einer Inklusionsschule, die Kinder von zweieinhalb Jahren bis zur 12. Klasse betreut, fördert und unterrichtet. Die Kosten für die Nachmittagsbetreuung übernimmt der Bezirk, die Eltern zahlen nur das Mittagessen. In der Tagesstätte angekommen, warten jeden Tag andere Aufgaben auf die Kinder: Für Montag steht zunächst "Stuhlkreis" auf dem Wochenplan, der im Wohn-Spielzimmer an die Wand gepinnt ist. Später am Tag wird es ernst, ein Mülltonnen-Symbol klebt an. Für Mittwoch steht "Turnhalle" angeschrieben, am Freitag bleibt das Feld frei, denn da bleiben die Kinder in der Korbinianschule.

Auch ein Regelwerk haben die Kinder gemeinsam erarbeitet und neben dem Wochenplan angeschrieben. Fenster dürfen nur die Erzieher öffnen, man muss zuhören und ausreden lassen. Welches Geschlecht das ungestümere ist, wird daraus auch ersichtlich, denn eine Regel lautet: "Nichts kaputt machen, Männer!"

Zur Einweihung kam auch Grafings Bürgermeisterin Angelika Obermayr. Sie lobte die Arbeit des Einrichtungsverbundes. "Das ist ein ganz grandioser Erfolg, "dass Ihre Bewohner in Steinhöring so ins Stadtbild gehören, so ganz normal und gewöhnlich." Die Kids applaudierten, bedankten sich artig und führten anschließend noch akrobatische Kunststücke vor: sie jonglierten mit kleinen Bällen, fuhren auf Einrädern, balancierten auf einem Gymnastikball.

Das größte Kunststück aber hing in der Kirche hinter dem Altar: die bunten Glaskreuze. Denn die hatten die Kinder bei einem Ausflug in die Glasbläserei selbst gestaltet.

© SZ vom 28.11.2016
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