Nach langer Spurensuche Wasserburger Kunstverein zeigt seltene Werke

Zur Jubiläumsfeier wird auch ein Werk von Eduard Bargheer gezeigt.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Zur Jubiläumsfeier des AK68 im Ganserhaus werden Anekdoten über Künstler der ersten Vereinsgeneration erzählt. Bilder eines Malers hängen heute noch in vielen Familienhäusern.

Von Theresa Parstorfer, Wasserburg

Auch ein kleines Stück Himmel erzählt von Unendlichkeit. Im ersten Stock der Galerie im Ganserhaus hängt seit Samstagabend so ein kleines Stück Unendlichkeit. In einem etwa handgroßen ovalen goldenen Rahmen. Eine kleine Wolke zieht über das helle Blau.

Sis M Koch ist die Künstlerin, die dieses Bild vor vielen Jahren gemalt hat und dieser Tage hängt es in Wasserburg, weil der AK68 seinen 50. Geburtstag feiert. Zum Jubiläum sind Werke aus der Anfangsphase des Vereins zu sehen, von den Gründern selbst.

Damals war Sis Koch eines der wenigen weiblichen Mitglieder. Gleich vor ihrem Bild steht eine Figur von Louise Stomps. Auch sie war vor 50 Jahren dabei. Die drei Bilder auf der rechten Seite allerdings sind von Joseph Pilartz, dem "Malerfürsten" von Wasserburg.

Zum 50. Geburtstag des AK 68 gibt es für Michael Sandl, Emil Kaser, Willy Reichert (von rechts) eine goldene Überraschung.

(Foto: Christian Endt)

So nennt Vorstandsvorsitzender Dominic Hausmann ihn, denn "er hatte einen spitzen Bart, immer einen Hut auf und wohnte in einem kleinen Schloss". Ein echter Fürst war er aber nicht. Die drei filigranen Landschaftsbilder in grün-blauen Pastellfarben sind normalerweise in der Sparkasse in Wasserburg zu sehen. Wie auch bei den anderen Bildern in der Ausstellung handelt es sich um temporäre Leihgaben.

Ein Jahr lang dauerte die Vorbereitungszeit der Ausstellung zum Jubiläum. Hausmann hat sich zusammen mit Katrin Meindl, der zweiten Vorsitzenden, und mit großer Unterstützung von Fritz Armbruster - Künstler der zweiten Vereinsgeneration - auf Spurensuche begeben, um die Geschichte des Vereins zu erforschen und Werke ausfindig zu machen.

"Von vielen Bildern wussten wir, wem sie gehören, aber dann haben wir auch einen Aufruf in der Zeitung veröffentlicht, auf den viele Leute reagiert haben", sagt Hausmann. Sodass am Ende Material für drei Ausstellungen da gewesen wäre. Während der Fahrten übers Land, um die Werke zu begutachten und die Besitzer kennenzulernen, hat Hausmann auch zahlreiche Anekdoten gesammelt aus der Frühzeit des Arbeitskreises in den wilden Sechzigerjahren.

Über Friedensreich Hundertwasser zum Beispiel, "über den wussten sie alle Geschichten zu erzählen", sagt Hausmann. Stammgast war er gewesen in den Wasserburger Paulanerstuben und jeder erinnere sich daran, wie er stets nicht zusammenpassende Socken trug. Leider war nur ein Hundertwasser-Druck aufzufinden, und kein Original. Nichtsdestotrotz hängt der jetzt, gewohnt farbenfroh und expressionistisch, gegenüber von Sis Kochs kleiner Wolke.

Ausgerechnet über die Wolken-Künstlerin weiß Hausmann wenig. Ein Bilderbuch hat sie illustriert zu dem Gedicht "Die Wolkenreise" von Sigrid Heuck. Ein Exemplar des Buchs liegt an diesem Abend im Ganserhaus aus. "Ich wurde in München geboren, wo ich ab und zu auch mal wohne", steht unter dem Portraitfoto der Künstlerin.

Nie habe sie gelernt zu malen. Nie habe sie geheiratet oder den Führerschein gemacht. Sie habe keinen Fotoapparat, keine Schreibmaschine und keinen Computer besessen. "Aber ich habe Zeit", schreibt sie über sich selbst. Zeit, in Bildern die Geschichte einer kleinen Wolke zu erzählen, die die Welt entdeckt, bis sie regnen und sich auflösen muss.

So farbenfroh, so bunt, sehnsüchtig, melancholisch und verspielt sind diese Bilder, dass nicht nur ein kleines Kind, sich in ihnen verlieren kann. Begeistert wird das Buch im vollbesuchten Ganserhaus von Hand zu Hand gereicht.

Ein Jahr lang haben Vereinsmitglieder Werke aus der Anfangsphase zusammengetragen. Die Ausstellung ist noch bis 16. Oktober zu sehen.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Herumgereicht wird auch der "Geburtstagskuchen", bestehend aus 50 aufgespießten Ferrero Rocher Kugeln. Die ersten, die sich bedienen dürfen, sind selbstverständlich die drei Gründungsmitglieder, die zur Eröffnung nicht nur in Form ihrer Bilder anwesend sind: Willy Reichert, Michael Sandl und Emil Kaser.

Reichert gilt als der Wasserburger Maler schlechthin. Mindestens ein Reichert hängt in den meisten alteingesessenen Familienhäusern - oft ist es die berühmte Ansicht auf die vom Inn umflossene Halbinsel von der schönen Aussicht aus.

Doch in dieser Ausstellung zeigt Reichert Werke, die er nicht in seinem später typischen verwaschenen Stil gemalt hat. Im Hinterzimmer hängt etwa eine verstörende Kreuzigungsszene in dunklen, rauen Farben.

Wie auch Reichert, hat Emil Kaser immer gerne Wasserburg gemalt. Im Schnee, im Sonnenlicht, von unterschiedlichen Seiten und Ansichten. Er erinnert sich an die Zeit damals, wie sie sich zum Malen getroffen und dann bald die erste Ausstellung organisiert haben.

Im November 1968 war das, im Rathaus. Danach erst folgte die offizielle Vereinsgründung. Einer, der dafür besonders wichtig war, betont Kaser und dessen Name an diesem Abend oft fällt, ist Alexander Hatzl. Unter dem Künstlernamen C.A. Wasserburger hat er zusammen mit Beutel Wagenstetter die Gründung maßgeblich vorangetrieben und sich immer für die Kunst in Wasserburg eingesetzt.

Dominic Hausmann Vorsitzender des Kunstvereins (links) und Werner Gardner von der Stadt Wasserburg.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Im Juli dieses Jahres ist er verstorben. Während der Begrüßungsrede des zweiten Bürgermeisters Werner Gartner, setzt Katrin Meindl deshalb ein goldenes Ferrero Rocher auf den oberen Rand eines seiner großflächigen Gemälde. Ihn würde man sehr vermissen, ein ganz besonderer Mensch war er. Mitunter hat er dazu beigetragen, dass nicht nur ein Hundertwasser gerne zum Malen - und auch zum Biertrinken - nach Wasserburg gekommen ist.

So auch andere überregional bekannte Künstler wie Eduard Bargheer, dem in Hamburg eine eigene Galerie gewidmet ist oder auch Karl Wähmann, der mit einem Selbstportrait und einem Portrait des Schriftstellers Oskar Maria Graf in der Ausstellung vertreten ist.

"Toll", sei es allerdings, "dass es mit dem Verein auch heute noch so gut läuft", sagt Emil Kaser mit einem Lächeln im Gesicht. Das würde auch C.A. Wasserburger freuen, das würden sie alle sehr zu schätzen wissen.

Die Jubiläumsausstellung des AK 68 ist bis zum 16. Oktober von Donnerstag bis Sonntags jeweils 13 bis 18 Uhr in der Galerie im Ganserhaus zu sehen.