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Post in Zorneding:"Ich möchte nicht mehr Geisel dieses Ladens sein"

Stefanie Berndlmeier in ihrem Laden in Zorneding.

(Foto: EBE)

Stefanie Berndlmeier nennt Details, warum sie die Postfiliale in ihrem Schreibwarenladen in Zorneding aufgegeben hat.

Seit vor einer Woche bekannt wurde, dass die einzige Postfiliale in der Gemeinde ihren Betrieb einstellt, ist die Empörung bei den Zornedingern groß. Am Montagabend ist die ganze Angelegenheit gewissermaßen sogar zu einem Politikum geworden. Denn wie zur Zeit fast überall im Ort, kam auch bei der CSU-Nominierungsveranstaltung das Thema zur Sprache. Dafür gesorgt hat Gemeinderätin und CSU-Spitzenkandidatin Stefanie Berndlmeier, in deren Schreibwarenladen die Postfiliale seit elf Jahren untergebracht war - und die sich nun über die Umstände der überraschenden Trennung erklärt hat.

Eigentlich stehen bei einer Aufstellungsversammlung für eine Gemeinderatsliste jedem Kandidaten ein paar Minuten Redezeit zu, um sich selbst und seine politischen Vision vorzustellen. Stefanie Berndlmeier nutzte diese Gelegenheit im Nebenstüberl des Hotel Neuwirt aber anderweitig. Sie sei seit 24 Jahren im Gemeinderat und deshalb kenne sie ohnehin schon jeder hier, so die Chefin von "Steffi's Schreibwaren". Viel lieber sprach Berndlmeier über das Ende ihrer Zusammenarbeit mit der Deutschen Post - ein Thema, das seit einer Woche für Zündstoff in der Gemeinde und eine brodelnde Gerüchteküche sorgt. Nach der Trennung sei sie nun sehr erleichtert. "Ich möchte nicht mehr Geisel dieses Ladens sein", so Berndlmeier.

Was genau sie damit gemeint hat, erklärte die Geschäftsführerin auf Nachfrage der SZ so: Aufgrund von geänderten Geschäftsbedingungen sei das Betreiben der Postfiliale mit ihrem verfügbaren Personal- und Flächenaufwand nicht mehr zu stemmen gewesen. "Für mich war das jeden Tag ein 14-Stunden-Job. Das ist zu viel, ich will nicht mehr", so Berndlmeier. Die Anforderungen der Post seien in den vergangenen Jahren stetig gestiegen, die Vergütung sei aber immer schlechter geworden. Deshalb habe sie die Zusammenarbeit nun beendet.

Die Pakete wurden zuletzt nach Kirchseeon umgeleitet

Die Zornedinger Bürger müssen bis auf weiteres auf die Filialen in den umliegenden Gemeinden ausweichen. Pakete und Briefe, die eigentlich an "Steffi's Schreibwaren" hätten gehen sollen, wurden nach Kirchseeon umgeleitet. Bei der Post arbeitet man unterdessen daran, eine Lösung für Zorneding zu finden, denn das Unternehmen ist gesetzlich dazu verpflichtet, in jeder Gemeinde mit mehr als 2000 Einwohnern eine Filiale zu betreiben.

Möglicherweise müssen sich die Zornedinger aber gar nicht groß umstellen, denn Berndlmeier selbst schließt eine Rückkehr der Postfiliale in ihren Laden nicht aus - nur selbst betreiben will sie diese nicht mehr. "Ich wäre bereit, die Fläche zu verpachten, falls sich jemand findet, der das machen will." Unterdessen will sie ihren Schreibwarenladen ganz normal weiterführen. Ihr komme das sogar ganz gelegen, so könne sie sich künftig mehr Zeit für die Kommunalpolitik nehmen, sagte Berndlmeier zu ihren CSU-Parteifreunden.

Ob ihr aber am Montagabend tatsächlich alle Anwesenden so freundlich gesonnen waren, oder ob der ein oder andere die Trennung von der Post doch übel genommen hat, darüber lässt sich zumindest nach dem Wahlergebnis spekulieren. Mit 18 von 24 Stimmen behielt Berndlmeier zwar ihre Spitzenposition auf der Liste, fuhr aber das schlechteste Resultat aller Bewerber ein.

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