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Bericht im Ebersberger Kreistag:Rechnung mit vielen Unbekannten

Gymnasium Grafing wg. Max Mannheimer.

Das erste Projekt des Masterplans ist bereits abgeschlossen: die Sanierung des Max-Mannheimer-Gymnasiums in Grafing.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Trotz der unsicheren Finanzlage angesichts der Corona-Pandemie, will der Landkreis Ebersberg vorerst an seinem Masterplan Schulen festhalten. Dieser würde bis zum Jahr 2026 eine dreistellige Millionensumme kosten

Obwohl die Geschäfte inzwischen wieder geöffnet haben, scheint sich bei vielen Menschen die Kauflust in Grenzen zu halten. Zu unsicher ist der Blick in die Zukunft, in die Zeit nach der Corona-Pandemie, in der so manchem finanzielle Engpässe drohen dürften. So geht es aber nicht nur Privatleuten, sondern auch den Kommunen. Der Landkreis Ebersberg steuert ebenfalls auf womöglich schwierige Zeiten zu, an der Kauflust ändert das zunächst aber nichts. Denn trotz der unsicheren Finanzlage will man am Landratsamt vorerst an dem vor zweieinhalb Jahren erarbeiteten "Masterplan Schulen" festhalten.

Eine Investitionssumme von knapp 160 Millionen Euro in den kommenden sechs Jahren scheint in diesen Tagen eher einem Märchenbuch als einem behördlichen Finanzplan zu entstammen. Dennoch will der Landkreis Ebersberg diesen Betrag, der nach Abzug der zu erwartenden Förderungen immer noch rund 98 Millionen Euro beträgt, bis 2026 in seine Bildungslandschaft investieren. Darauf verständigten sich die Mitglieder des Ausschusses für Soziales, Familien und Bildung (SFB) bei ihrer jüngsten Sitzung am Mittwoch. Obwohl der Plan zunächst weiter verfolgt werden soll, schränkte Landrat Robert Niedergesäß (CSU) aber gleich zu Beginn der Sitzung ein: "Inwiefern wir diesen einhalten können, wird sich zeigen."

Man habe sich in der vergangenen Wahlperiode viele Gedanken im Bereich der Schulentwicklung gemacht, sagte der Landrat vor allem an die Adresse der neuen Kreisräte. Herausgekommen sei dabei der Masterplan Schulen, der sich bereits in der Umsetzung befinde. Wie bei diesem der aktuelle Stand ist, darüber informierte Hubert Schulze, Sachbearbeiter für Bildungsthemen am Ebersberger Landratsamt. Die rund 8,7 Millionen Euro teure Sanierung des Gymnasiums Grafing etwa sei seit Jahresbeginn abgeschlossen.

So klare Fakten allerdings gibt es bei allen anderen Vorhaben des Masterplans noch nicht. Die Jahreszahlen und Kosten seien allesamt nur Schätzungen, so Schulze. Konkrete Planungen gebe es immerhin schon beim Ausbau des Vaterstettener Gymnasiums für dann 1500 Schüler, der bis 2023 abgeschlossen sein soll und rund 21,9 Millionen Euro kosten dürfte. Coronabedingt etwas in Verzug sei man bereits bei der Teilerneuerung und Aufstockung der Realschule Ebersberg. Ob sich der angepeilte Baubeginn im kommenden Jahr halten lässt, sei laut Schulze derzeit ungewiss. Definitiv um ein Jahr verschieben wird sich der Spatenstich beim Sonderpädagogischen Förderzentrum (SFZ) in Poing. Dort sollen die Arbeiten nun erst 2023 anstatt wie ursprünglich geplant 2022 starten. Das liegt Schulze zufolge aber vor allem daran, dass man die beiden SFZ im Landkreis zeitversetzt erweitern wolle. 2022 nämlich sollen die Baumaßnahmen an der Johann-Comenius-Schule in Grafing beginnen.

Zu den beiden größten Vorhaben im Masterplan - dem Berufschulzentrum in Grafing Bahnhof und dem Gymnasium Poing - gebe es den Zeitplan und die Kosten betreffend keinen neuen Stand. Beide Projekte zusammen dürften nach derzeitigen Schätzungen rund 110 Millionen Euro teuer werden. Sehr vage sind die Planungen bei der Realschule Vaterstetten - hier soll der Zweckverband mit der Gemeinde Haar aufgelöst werden, die eine eigene Realschule plant -, und beim Gymnasium Markt Schwaben, für dessen Sanierung laut Schulze ein "Zeitpunkt momentan nicht absehbar" sei.

Wie schon zuvor Landrat Niedergesäß, merkte auch Reinhard Oellerer an, dass die Planung angesichts der Corona-Krise "auf recht wackeligen Füßen" stehe. Der Grünen-Kreisrat störte sich auch daran, dass der Freistaat das von Finanzminister Olaf Scholz (SPD) in Aussicht gestellte Hilfspaket für Kommunen abgelehnt hat und wollte von Niedergesäß wissen, ob es seitens der Landräte eine Initiative gegen diese Entscheidung gebe. Eine solche sei nicht geplant, so dessen Antwort, denn die Kommunen zu stärken sei Aufgabe der einzelnen Länder und nicht des Bundes. Dass die Zeiten aber auch für den Landkreis Ebersberg nicht einfacher werden dürften, wollte Niedergesäß nicht verhehlen: "Dass es schwierig wird, ist sicher. Wie schwierig, wird man im Lauf des Jahres sehen."

© SZ vom 22.05.2020

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