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Beratung in Zorneding:"Es hallt so!"

Zorneding Gemeinderat in Turnhalle

Ein einziger Zuschauer hat sich am Dienstagabend auf die Tribüne der Zornedinger Grundschulturnhalle verirrt. Dieser bekam allerdings nicht etwa einen sportlichen Wettkampf zu sehen, sondern eine der bisher wohl ungewöhnlichsten Sitzungen des Gemeinderates.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Um die Gesundheit seiner Mitglieder zu gewährleisten, muss der Zornedinger Gemeinderat auf die Grundschulturnhalle ausweichen. In einer denkwürdigen Sitzung geht es unter anderem um den Haushalt, die Wimmerwiese und das Logo des örtlichen FC-Bayern-Fanclubs

Von Andreas Junkmann, Zorneding

Immerhin gegen das Versammlungsverbot haben die Zornedinger Gemeinderäte am Dienstagabend nicht verstoßen, denn Zusammenkünfte des Gremiums sind auch in der aktuellen Ausnahmesituation weiterhin erlaubt. Ein anderes Gebot haben die Teilnehmer der Sitzung aber schlichtweg missachtet: Sie haben die Turnhalle der Grundschule mit Straßenschuhen betreten, obwohl ein Schild neben der Eingangstür klar darauf hinweist, dass eben dies untersagt ist. In der Schule hätten sie dafür wohl Strafarbeit aufgebrummt bekommen. Da aber kein Sportlehrer zugegen war und wichtige Themen besprochen werden mussten, kamen die Gemeinderäte um eine Maßregelung herum.

Die denkwürdige Zusammenkunft in der Turnhalle hatte den Grund, dass im Rathaus-Sitzungssaal - dem Ort, an dem das Gremium normalerweise tagt - der nötige Abstand zwischen den Teilnehmern nicht hätte gewährleistet werden können. Und so musste der Gemeinderat eben auf die benachbarte Turnhalle ausweichen. Das brachte selbstredend einige Einschränkungen mit sich, vor allem akustischer Natur, wie Bianka Poschenrieder (SPD) anmerkte: "Es hallt so!" Dem hielt Franz Lenz (Freie Wähler) diese durchaus korrekte Feststellung entgegen: "Wir sind ja auch in einer Halle."

Sportlich war an diesem Abend aber nicht nur das Ambiente, sondern teilweise auch der Inhalt. Dem Gremium lag eine Anfrage des örtlichen FC-Bayern-Fanklubs vor, der gerne das gemeindliche Wappen in sein Logo integrieren würde. Der Entwurf, den Bürgermeister Piet Mayr (CSU) auf die im Vergleich zum übrigen Raum winzige Leinwand projizierte, zeigt den roten Zornedinger Adler über dem Emblem der roten Münchner. Allerdings hatten die Bayern-Anhänger ihre Rechnung ohne Gemeinderat Ferdinand Glasl (CSU) gemacht. Dieser befürchtete nämlich, dass die Gemeinde in Verruf geraten könnte, wenn das Logo in einem Block von randalierenden Ultras auftaucht - selbst, wenn die Zornedinger daran gar nicht beteiligt wären. Da man in der Rathausverwaltung ähnliche Bedenken hatte, muss der Fanklub nun ein etwas stilisiertes Gemeindewappen in seinen Entwurf einbauen.

Neben solch eher kleineren Themen, galt es am Dienstagabend aber auch richtungsweisende Entscheidungen zu treffen. Eine davon war, den im Hauptverwaltungsausschuss erarbeiteten Finanzhaushalt abzusegnen. Die Zustimmung der Gemeinderäte galt bereits zuvor als beschlossene Sache, allerdings hatte Mayr noch einige Worte anzumerken: "Es ist zu erwarten, dass uns die Einnahmeseite wegbricht", sagte der Bürgermeister mit Blick auf die Auswirkungen der Corona-Krise. Er forderte das Gremium deshalb dazu auf, sich eine "Ausgabedisziplin" aufzuerlegen, was bedeutet, dass alle größeren Investitionen zunächst im Gemeinderat auf ihre Dringlichkeit geprüft werden sollen. Das komplette Zahlenwerk nochmals umzuschmeißen, sei jetzt nicht mehr möglich, da man laufende Projekte fortsetzen müsse.

Eines dieser Projekte ist das Baugebiet "Südlich der Georg-Münch-Straße", besser bekannt als Wimmerwiese. Um dieses voranzutreiben, waren gleich mehrere formale Beschlüsse nötig. Zunächst nahm das Gremium die Stellungnahmen von Behörden und sonstigen Trägern öffentlicher Belange zur Kenntnis, ehe es mehrheitlich einen Satzungsbeschluss für die Bauleitplanung fasste. Auch der nötigen Änderung des Flächennutzungsplanes erteilten fast alle Gemeinderäte ihr Einvernehmen - nur Vincent Kalnin, der noch zur Grünen-Fraktion gehört und von Mai an für die Linke im Gremium sitzen wird, verweigerte in allen Punkten seine Zustimmung.

Auch für die Aufstellung des Bebauungsplanes "Wolfesing 1" wollte Kalnin seine Hand nicht heben. Wie die Gemeinde in der Beschlussvorlage schreibt, sei dort unweit der Staatsstraße 2081 das Ziel, "die zukünftige Nutzung in diesem ungeplanten Innerortsbereich im Rahmen einer geordneten städtebaulichen Entwicklung sicherzustellen". Damit der Gemeinde bei den Planungen niemand voreilig hineinpfuscht, hat das Gremium für diesen Bereich auch gleich eine Veränderungssperre erlassen.

Ebenfalls eine reine Formalie war schließlich die Bestätigung der frisch gewählten Feuerwehrkommandanten durch den Gemeinderat - so zumindest will es das Bayerische Feuerwehrgesetz. Das neue Dreigestirn der Zornedinger Wehr bilden nun künftig Maximilian Mangstl als Kommandant mit seinen beiden Stellvertretern Yannick Bernhard und Dietmar Uebelacker.

© SZ vom 02.04.2020

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