Amtsgericht EbersbergDer See ruft

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Knapp drei Jahre lang hat Benjamin Lenhart die Geschicke am Ebersberger Amtsgericht gelenkt. Nun sucht er eine neue Herausforderung.
Knapp drei Jahre lang hat Benjamin Lenhart die Geschicke am Ebersberger Amtsgericht gelenkt. Nun sucht er eine neue Herausforderung. (Foto: Christian Endt)

Nach knapp drei Jahren verlässt Direktor Benjamin Lenhart das Amtsgericht in Ebersberg schon wieder und wechselt nach Starnberg. Zwei Verhandlungen werden ihm besonders in Erinnerung bleiben, genauso wie das „starke Team“ in der Justizbehörde.

Von Andreas Junkmann, Ebersberg

Muss es vor Gericht mal schnell gehen, gibt es die Möglichkeit des sogenannten Eilverfahrens. Allzu eilig hatte es Amtsgerichtsdirektor Benjamin Lenhart zwar nicht, schließlich schwärmt der begeisterte Hobbyläufer immer wieder von den hervorragenden Strecken im Landkreis, dennoch verlässt der 52-Jährige die Ebersberger Justizbehörde nach knapp drei Jahren schon wieder. Er hat sich erfolgreich auf die Stelle des Direktors am Amtsgericht Starnberg beworben, was für den Pasinger einen deutlich kürzeren Arbeitsweg bedeutet. „Das ist auch der einzige Grund für den Wechsel aus dem schönen Ebersberg“, sagt Lenhart. Trotz der vergleichsweise kurzen Zeit konnte der scheidende Direktor in der Behörde einiges bewegen – und hatte dort als Richter auch so manch bemerkenswerten Fall zu verhandeln.

Benjamin Lenhart hat in seiner Laufbahn bereits viele juristische Bereiche ausprobiert, er war für kurze Zeit Wirtschaftsanwalt in einer Großkanzlei und hat später lange Jahre als Staatsanwalt und Richter in München gearbeitet. Bevor er im Herbst 2022 nach Ebersberg gekommen ist, hatte er den Posten des stellvertretenden Behördenchefs am Amtsgericht in Garmisch-Partenkirchen inne. Dass er seine erste Direktorenstelle in Ebersberg bekommen hat, sei nicht unbedingt geplant gewesen, wie Lenhart selbst bei seinem Amtsantritt sagte, „aber ich bin jemand, der den Dingen gerne eine Chance gibt“. Offenbar wurde der 52-Jährige nicht enttäuscht. Auf die Frage, was er an Ebersberg vermisse werde, nennt Lenhart sofort „die Menschen, die das Gericht und die Arbeit hier ausmachen“.

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Dem passionierten Läufer wird aber auch der Ebersberger Forst fehlen, durch den Lenhart nach einem anstrengenden Verhandlungstag gerne gejoggt ist. Nicht selten ist der scheidende Direktor sogar mit dem Fahrrad von Pasing nach Ebersberg gefahren. In Starnberg dürfte sich der 52-Jährige künftig dann wohl eher dem Wassersport widmen.

In den vergangenen rund drei Jahren hat der 52-Jährige in Ebersberg aber nicht nur seinen Körper bewegt, sondern auch einige Dinge am Amtsgericht. So hat es Lenhart geschafft, den richterlichen Bereich zu verjüngen und auch personell breiter aufzustellen. Weil sich fünf Richterinnen dazu entschieden haben, in Teilzeit zu arbeiten, habe die Gesamtzahl der Stellen von acht auf zehn aufgestockt werden können. „Das Amtsgericht ist ein attraktiver und familienfreundlicher Arbeitgeber in allen Laufbahnen, von der Wachtmeisterei bis zur Richterschaft“, sagt Lenhart, der das „starke Team“ lobt, mit dem er in Ebersberg zusammenarbeiten durfte.

An zwei Verhandlungen kann sich Lenhart noch genau erinnern: Eine war tragisch, die andere kurios

Doch nicht nur personell, sondern auch aus technischer Sicht hat sich die Ebersberger Justizbehörde in den vergangenen Monaten verbessern können. In fünf von sieben Abteilungen sei die E-Akte bereits erfolgreich eingeführt worden, die beiden letzten Abteilungen folgten in den nächsten Monaten, so Lenhart. „Dadurch hat sich die Arbeit des Gerichts grundlegend verändert und ist zukunftsfähig geworden. Langfristig ist eine deutliche Beschleunigung und Vereinfachung der Verfahrensabläufe für alle Beteiligten, Bürger, Rechtsanwälte und Behörden zu erwarten.“

Apropos Verfahren: Weil sich Lenhart als Direktor nicht nur in sein Büro zurückgezogen, sondern als Richter weiter aktiv am Tagesgeschäft mitgewirkt hat, sind in seiner Ebersberger Zeit auch etliche Strafprozesse zusammengekommen. An zwei von ihnen kann sich der 52-Jährige noch besonders gut erinnern. Zum einen an die Verhandlung über einen Verkehrsunfall, den ein unter Kokaineinfluss stehender Familienvater verursacht hatte und bei dem eine Landwirtin ums Leben kam. „Der Witwer war mit den drei Kindern als Nebenkläger bei der Verhandlung anwesend. Ich habe den Angeklagten zu einer Haftstrafe ohne Bewährung verurteilt“, erzählt Lenhart.

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Aber auch ein deutlich amüsanterer Prozess ist dem 52-Jährigem im Gedächtnis geblieben: Jener über eine Frau, die das seltene Glück hatte, einen sechsstelligen Betrag bei einer Online-Lotterie zu gewinnen – und dann eine Anklage wegen Teilnahme an unerlaubtem Glücksspiel bekam, weshalb sie bestraft und der Gewinn eingezogen werden sollte. „Ich habe die Angeklagte freigesprochen, weil es sich um eine Lottogesellschaft aus Malta handelte, wo die Online-Lotterie legal war“, sagt Lenhart. Die Angeklagte konnte und musste seines Erachtens nicht wissen, dass ihre in einem anderen EU-Staat legale Teilnahme in Deutschland illegal wäre. Der Freispruch sei dann auch rechtskräftig geworden.

Seinen letzten Tag als Direktor des Ebersberger Amtsgerichts wird Benjamin Lenhart am Freitag, 16. Mai, haben. Ein Nachfolger steht derzeit noch nicht fest. Die vakante Stelle sei zur Neubesetzung ausgeschrieben, das Bewerbungsverfahren laufe aber noch, sagt Lenhart, der seine Zeit im Landkreis keinesfalls missen will: „Ich bin stolz und dankbar, dass ich das große Team des Amtsgerichts Ebersberg knapp drei Jahre lang führen durfte.“

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