Bejubelte Vorpremiere Schmerz, Liebe, Wahnsinn

Der Blues ist ihre musikalische Heimat: Jeremy Teigan (links) und Christian Schantz bei ihrer Vorpremiere in Glonn.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Jeremy Teigan und Christian Schantz begeistern in der Glonner Schrottgalerie

Von Peter Kees, Glonn

Schmerz, Liebe, Wahnsinn, Seelenheil und Sinn des Lebens - nach diesen Themen haben Jeremy Teigan (diverse Gitarren und Gesang) und Christian Schantz (Kontrabass) ihr Konzert am Freitag in der Schrottgalerie in Glonn geordnet. Sehnsüchtige Klänge, Weltschmerz, ein wenig süße Melancholie erklangen da - zugleich große Lust und Leidenschaft. Natürlich, "I've got the Blues" ist nichts anderes als Ausdruck von Schwermut und Melancholie, der im Blues seine musikalische Heimat hat. Und vom Blues geht die Klangwelt von Teigan und seinem Mitstreiter auch aus, freilich mit anderen musikalischen Strömungen vermischt.

Bestechend war der Auftritt vom ersten Takt an. Teigan hat Rhythmus im Blut, sein Bassist ebenso. Es stimmte einfach alles. Kein Suchen nach Tempi oder Atmosphären. Mit dem ersten Ton saß ein hinreißender Groove. Aber nicht nur diese Fähigkeit machte das Konzert zu einer Sternstunde. Der Australier ist ein begnadeter Musiker, mit einer ganz wunderbaren Stimme, voller Empfindsamkeit und Sensibilität. In seinem Vortrag lässt er tief in seiner Seele blicken. Auch der Mann am Bass hat Fähigkeiten, die nicht selbstverständlich sind. In Glonn musizierten zwei auf höchstem Niveau. Großartiger könnte es nicht sein.

An Filme von Antonioni fühlte man sich erinnert, an Existenzialismus, an die ganz großen Bluessänger. Was ist das Leben? Was macht es aus? Ein kurzer Rausch, der schnell vorübergeht? "Hölle, Himmel & Vergnügungspark", so war Jeremiah's "Life & Death Experience" betitelt. Es ist eine Binsenweisheit, dass unser Leben aus Freunden und Leiden besteht. Je empfindsamer jemand ist, desto intensiver nimmt er die Dinge wahr. Und darunter lauern schnell die ganz großen Fragen, Fragen nach dem Sinn des Lebens. Der Blues entstand im Süden der Vereinigten Staaten unter den Sklaven aus Afrika, die auf den Feldern von Großgrundbesitzern schuften mussten. Ihre Lieder machten die harte Arbeit erträglicher. Und da ist Teigan ganz in der Tradition des Blues. Macht diese Musik nicht das Leben an sich erträglicher?

Ein anderer Name sei erwähnt, der mit seiner markanten Stimme einen ähnlichen Weg einschlug: Tom Waits. Kein Wunder, dass im zweiten Teil des Konzertes auch Titel des US-Amerikaners zu hören waren. Vor der Pause: ausschließlich Songs aus der Feder von Teigan selbst. Und ja, man kann ihn unbedingt mit Musikern wie Tom Waits oder Big Bill Broonzy in einem Atemzug nennen. Der Mann hat Format.

Die Reduktion übrigens auf zwei Instrumente tat dem Abend gut. Mehr braucht es nicht, auch wenn das Glonner Konzert lediglich als Vorpremiere zum eigentlichen Auftritt am 16. November im Alten Kino in Ebersberg angekündigt wurde, dort dann um Schlagzeug und den Geräuschemacher Max Bauer erweitert.

Nach den ersten beiden Stücken - Schmerz war das Thema - wurde weniger Ernsthaftigkeit versprochen. Doch auch die Liebe ist nicht frei von Leid, und so blieb die herrlich warm-süße Wehmut auch da nicht aus.

Nun wechselte Teigan seine Gitarren von Lied zu Lied. Nicht nur der Klang des Banjos, auch sein harmonisch-rhythmischer Gebrauch ließ auch an Cowboy- oder Country-Musik erinnern. Dass die meisten Songs in Moll waren, braucht nicht gesondert erklärt zu werden. Im Wort Leidenschaft stecken die Leiden ja gleich mit drin. Gleichwohl, der Seelenstrip hatte auch Witz, über Schmerz kann man schließlich auch lachen. Dass als Zugabe sogar ein Lied intoniert wurde, das seine Inspirationsquelle der bayerischen Reismühle in Halfing zu verdanken hat, wenn auch - wie übrigens alle Titel - in Englisch gesungen, gefiel dem Glonner Publikum ganz besonders. Wer nicht gekommen war, hatte etwas verpasst.