Bedrohliche Szenarien Wie der Klimawandel sich auf den Landkreis Ebersberg auswirken könnte

Wetterforscher Björn Walz schildert im Umweltausschuss des Kreistags die möglichen Folgen der Erderwärmung - und gibt konkrete Handlungsvorschläge

Von Barbara Mooser, Ebersberg

Der Klimwandel wird auch heftigere Unwetter mit sich bringen, mit entsprechenden Folgen für die Natur. Doch nicht nur Stürme - wie hier im Jahr 2015 - werden dem Wald zu schaffen machen, auch die Trockenheit und Hitze.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Schon in einigen Jahrzehnten könnte in Ebersberg Wein bestens gedeihen. Würde man denn partout nach den positiven Seiten des Klimawandels suchen wollen, wäre das vielleicht eine von ihnen. Auf der anderen Seite: der Ebersberger Forst, in dem die Bäume an Hitzestress und Schädlingsbefall eingehen, Wassermangel, heftige Unwetter, die über das Land fegen. Der Grafinger Wetterforscher Björn Walz hat im Umweltausschuss des Kreistags ein bedrohliches Bild von dem gezeichnet, was dem Landkreis bevorstehen könnte - und gleich Vorschläge für ein Maßnahmenpaket mitgeliefert, das die Politik in die Wege leiten könnte. Dass das Thema behandelt wird, hatten die Grünen im Kreistag gefordert.

Walz beschäftigt sich schon seit seiner Jugend mit Wetterphänomenen, er betreibt in Grafing seit 1984 eine Wetterstation und kann daher gut belegen, wie sich das Klima bereits jetzt verändert hat. Bisweilen, so sagte er, werde ja die Theorie geäußert, dass ein paar Grad hin oder her nicht viel in der Welt veränderten: "Aber als es auf der Erde nur fünf Grad kälter war als heute, waren große Teile des Landkreises vergletschert."

Eiskalte Tage wird es kaum mehr geben

Jetzt freilich entwickelt sich das Klima in die entgegengesetzte Richtung: Während es zwischen 1960 und 1990 im Mittel beispielsweise nur 40 Sommertage mit Temperaturen über 25 Grad gab, waren es 2018 schon 68 solche Tage, für das Jahr 2100 sind 100 oder mehr Sommertage prognostiziert. Heiße Tage mit Temperaturen über 30 Grad gab es früher fünf pro Jahr, 2018 waren es schon 25. Eistage mit Temperaturen von null Grad oder kälter werden hingegen die große Ausnahme, ebenso Tage, in denen mindestens zehn Zentimeter Schnee den Boden bedecken: In der Saison 2017/18 gab es davon laut Walz gerade mal einen.

Deutlich abnehmen wird in Zukunft auch im Landkreis die Niederschlagsmenge. "Wir werden zu einem Wassermangelgebiet, die Frühlings- und Sommerniederschläge gehen um 40 Prozent zurück", so die Prognose des Meteorologen. Die Erschließung neuer Brunnen und zusätzlicher Lagerkapazitäten werde die Folge sein müssen. Flachwurzler wie die Fichte gerieten in den Trockenstress und würden anfälliger für Schädlinge. Der Waldumbau, so Walz, müsse daher unbedingt schon jetzt angepackt werden.

Eindringlich appellierte der Grafinger an die Politiker im Ausschuss: "Beweisen Sie endlich Mut!" Er kritisierte Vizelandrat Toni Ried (FW), der sich im Sommer gegen den geplanten Windpark im Forst positioniert hatte. Das Thema sei nicht für den Wahlkampf geeignet und man könne ihm auch nicht basisdemokratisch begegnen, sagte Walz.

Eine Idee: Parkbeschränkungen für SUVs

Er nannte ein ganzes Bündel an Handlungsmöglichkeiten: die finanzielle Förderung von Energiesparmaßnahmen, Energieberatung für Privatleute und Gewerbe, eine neue Photovoltaik-Initiative und Aufklärung über die Folgen des Klimawandels für Land- und Forstwirte. "Vielen ist noch nicht klar, dass sich das zu einer existenzbedrohenden Situation entwickeln könnte", unterstrich Walz.

Er sprach sich auch dafür aus, die Holzvorräte im Landkreis auch stärker hier zu nutzen, denkbar wäre etwa eine verpflichtende Hackschnitzelanlage in Gewerbe- und Neubaugebieten. Dafür sollte man einen anderen Weg nicht mehr weiter gehen, so Walz: "Bitte keine neuen Biogasanlagen, wenn's geht." Diese seien sehr ineffizient. Walz appellierte für eine stärkere Förderung der E-Mobilität - beispielsweise durch Zuschüsse für E-Bikes oder E-Roller, kostenlose Parkplätze für Elektroautos und gleichzeitige Parkbeschränkungen für SUVs und andere schwere Autos.

Die Ausschussmitglieder zeigen sich betroffen von den Ausführungen des Referenten. "Wirklich erschreckend", urteilte Martin Lechner (CSU). Bianka Poschenrieder (SPD) äußerte sich ähnlich: "Es wird wirklich höchste Eisenbahn zu handeln. Ich hoffe, dass das allmählich auch die politischen Parteien kapieren, einschließlich meiner, die hier völlig schläft."