Bayern-Wahl 2018 Doris Rauscher zieht wieder in den Landtag ein

Doris Rauscher am Dienstagabend in ihrem Bürgerbüro in Ebersberg.

(Foto: Christian Endt)

Die Ebersberger SPD-Abgeordnete erhält nach 2013 erneut ein Mandat. Grünen-Kandidat Thomas von Sarnowski verpasst um Haaresbreite eine Sensation.

Von Korbinian Eisenberger, Ebersberg

Die Email kommt am Dienstag um 15.51 Uhr. Eine Einladung für einen "kleinen Umtrunk zum Wahlkampfabschluss" - mit der Betreffzeile: "Pressemitteilung zum möglichen Wiedereinzug von Doris Rauscher in den Bayerischen Landtag." Plötzlich ist also wieder möglich, was am Sonntag nach Bekanntgabe der Wahlergebnisse in weite Ferne gerückt schien, da musste man nur in die Gesichter der Ebersberger SPD-Wahlparty schauen. Doch als diese Mail verschickt wird, ist es so gut wie sicher: Sie wird reinkommen. Es wird nicht einmal knapp.

Die Ebersberger SPD-Stimmkreiskandidatin Doris Rauscher hat den Wiedereinzug in den bayerischen Landtag geschafft. Als Dritte der oberbayerischen SPD-Landesliste gewinnt die Ebersbergerin eines von 22 Mandaten der Sozialdemokraten für die kommenden fünf Jahre. Rauscher zeigte sich am Dienstagabend erleichtert. Zwei Tage lang sei sie "wie in Schockstarre" gewesen, so Rauscher auf Nachfrage. "Jetzt ist das Vakuum im Kopf weg."

Die Sozialpolitikerin und ihre drei Mitarbeiterinnen kehren damit in ihr Münchner Abgeordneten-Büro auf der Praterinsel unweit des Landtags zurück. Für die 51-Jährige ist es nach ihrer ersten Wahl 2013 die zweite Legislaturperiode im Landtag, genau wie für den Ebersberger CSU-Stimmkreisabgeordneten Thomas Huber, dem über die Erststimme per Direktmandat der Wiedereinzug gelang. Die Hoffnung der Grünen im Landkreis Ebersberg hat sich hingegen zerschlagen. Nach Auszählung der Listenplätze und Berechnung der Mandate verpasst der Ebersberger Grünen-Kandidat Thomas von Sarnowski den Einzug ins Münchner Maximilianeum knapp.

Beinahe hätte Ebersberg zum ersten Mal einen Grünen im Landtag gehabt

Für Rauscher ist es nach dem Debakel der Bayern-SPD am Sonntag hingegen die erste gute Nachricht dieser Landtagswahlen. Im Landkreis Ebersberg lag sie mit 12,1 Prozent der Erststimmen zwar deutlich über dem bayernweiten Ergebnis der SPD (9,7 Prozent). Im Vergleich zur Wahl 2013 büßte die SPD-Kandidatin jedoch 7,8 Prozent der Erststimmen ein. Am Wahlabend sah man Rauscher sichtlich gezeichnet vom Ergebnis, ihr Wiedereinzug war bei nunmehr nur sieben oberbayerischen SPD-Mandaten ungewiss. Am Dienstabend gegen 20.30 Uhr wurde schließlich amtlich, dass sie Listenplatz drei verteidigte und hinter der bayerischen Spitzenkandidatin Natascha Kohnen (München-Land-Süd) und Markus Rinderspacher (München-Ramersdorf) in den Landtag einzieht.

Rauscher und Sarnowski zittern um den Einzug in den Landtag

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Beinahe wäre gar ein dritter Kandidat aus dem Stimmkreis Ebersberg in den Landtag eingezogen. Für den 30-Jährigen Thomas von Sarnowski reichte es aber am Ende doch nicht. Bei seinem ersten Antritt kam der Ebersberger Direktkandidat auf 21,1 Prozent der Erst- und 22,4 Prozent der Zweitstimmen. Auf der Oberbayern-Liste der Grünen kletterte Sarnowski von 20 auf 19 - für ein Landtagsmandat hätte es aber wegen der fünf überraschenden Münchner Direktmandate mindestens Platz 17 gebraucht. Er sei trotzdem zufrieden, so Sarnowski am Dienstagabend, "so nahe dran waren wir in Ebersberg noch nie." Er wäre der erste Grünen-Politiker aus dem Kreis Ebersberg in der Geschichte des bayerischen Landtags gewesen.

Für Rauscher endete die Wahl verglichen mit Parteikollegen glimpflich, dennoch zeigte sie sich erschüttert vom Gesamtergebnis ihrer Partei. "Das muss uns total zu denken geben", so Rauscher. Die Sozialpolitikerin nimmt vor allem die Bundes-SPD in die Verantwortung. In Gesprächen während des Wahlkampfs hätten "die Leute zu 80 Prozent bundespolitische Themen moniert", so Rauscher. Für die kommenden fünf Jahren erhoffe sich "einen parteiübergreifenden Schulterschluss" mit Thomas Huber von der CSU, so Rauscher, vor allem wenn es um Problemthemen im Landkreis Ebersberg geht, etwa Bahnlärm.

Rauscher und der geschrumpften Landtags-SPD steht am Donnerstag die erste Fraktionssitzung bevor, womöglich wird es dann auch um die Position der bayerischen Landeschefin Natascha Kohnen gehen. Rauscher, die Ende September gemeinsam mit Kohnen in der Ebersberger Sieghartsburg wahlkämpfend aufgetreten war, stärkt ihrer Parteifreundin vorab den Rücken. "Es wäre nicht richtig, alles an ihr festzumachen", sagt sie. Nach Bekanntgabe des Ergebnisses mit anschließender Pressekonferenz hatte Rauscher Kohnen am späten Sonntagabend umarmt. "Ich habe ihr gratuliert", so Rauscher. "Sie hat im Wahlkampf Großartiges geleistet".

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